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Jahrgang 4, Nr. 13 (June 30, 1951)

Zuckmayer, K.
Kulturtage der Arbeit,   p. [9]


Page [9]


KULTURTAGE DER ARBEIT
Das wahrhaft gegenw"rtige Theater, das j47 ' tk X'ªY'
die Jugend angeht, kann nicht dazu da  d
sein, einseitige Tagesparolen  zu verk¸n-  a   ,  il  k      X
nen unm rartetpropaganua zu machen -
ganz gleich f¸r welche der einseitig aus-
gerichteten Parteiungen. Wir kommen im
produktiven Sinne keinen Schritt weiter,
weder politisch noch kulturell, wenn wir
uns gegenseitig geistige Kartoffelk"fer
oder "gyptische  Heuschrecken  auf die
Acker werfen. Wir m¸ssen im produktiven
Bereich aus den Gliedern der Marsch-
kolonne, aus dem Schaltwerk der Front-
bildung herausbleiben, selbst wenn es die
Erfassung der Suchenden, der Irrenden
und Richtungslosen zu vereinfachen und
zu beschleunigen scheint. Es gibt kein
alleinseligmachendes Kultur- und Huma-
nit"tsprogramm. Solange irgendwo in der
Welt wehrlosen Menschen von andern
Menschen Z"hne und R¸ckgrat eingeschla-
gen werden, nur weil sie politische
Gegner sind, die der Macht des Anders-
gerichteten ausgeliefert werden, m¸ssen
wir mit dem Gebrauch der Worte Kultur,
Freiheit und Humanit"t auf allen Seiten
sehr zur¸ckhaltend und vorsichtig sein.
Der politische Haþ hat immer unrecht,
ganz gleich auf welcher Front und aus
welchen R¸ckschl"gen heraus er gezeugt
und entfesselt wird. Wer dem Drama, der
Handlung und Abhandlung menschlicher
Leidenschaft,  menschlicher  Sehnsucht,
menschlicher Wirrsal und Wegsuche ver-
schworen ist, muþ Schuld- und Unschuld
in allen Gesch–pfen erkennen. Wie k–nnte
Bundespr"sident Heuss. Gast auf den Ruhr-
festspielen, im Gespr"ch mit Georg Reuter
Frau B–ckler mit dem Kollegen Matthias
F–cher und Ministerpr"sidenten Arnold.
er jemals in solch engherzigen Theorien
verstrickt bleiben, wie denen von der
kollektiven Schuld - oder Unschuld -
eines Volkes, von dem  kollektiven Un-
recht - oder Recht - einer Klasse? Der
Dramatiker  muþ   Recht und   Unrecht,
Schuld und Unschuld in allen Handlungen
seiner Gesch–pfe ersp¸ren. Ein absolutes
Recht, ein anderes als das, das mit uns -
mit jedem von uns - immer wieder ge-
boren wird, ist f¸r ihn totgeboren. Jedoch
w"re es eine v–llige Verkennung seiner
Aufgabe oder Verantwortung, w¸rde man
Ihn damit der Stellungnahme im geisti-
gen, im ethischen und sittlichen Betracht
entheben und seine Haltung innerhalb
seines gegenw"rtigen geistigen Stand-
ortes auf die einer sammelnden, betrach-
tenden und reportierenden Indifferenz
beschr"nken. lAus einem Vortrag X. Zuckmayers)
Kurt Schumacher und Matthias F"cher
blicken einen Augenblick in die Kamera.
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