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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 4, Nr. 13 (June 30, 1951)

Kurz gefaßt: Auszüge aus Christian Fettes Rede,   p. 3


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Stehend h–rten die Delegierten die W¸rdigung Hans B–cklers
in der Er–ffnurngsansprache
Rudolf Wissel, der 83j"hrige Veteran, als Gast
Ausz¸ge aus Christian Fettes Rede
Zweimal Viktor. Zur Wlrtschaftspoltitk sprach
Viktor Actartz. f¸r die CIO Viktor Reuther
Wir i.iagen an, daþ die jetzigen Wirtscsafts-
Politiker es nicht vermocht haben, die geringstt
Ordnung zu schaffen, und wissen audi, daþ diese
Ordnung nie geschaffen werden kann Im Rahmen
der tetzigen sogenannten freien 'Wirtschaft, die
in Viirklichskeit eine gelenkte LUnternehmerwsirt-
schaiu ist. Aus diesem Grunde fordern ja die
Geweerkschaften eine Neuordnung der Wirtschait.
In sechs Jahrzehnten gewerksdsaftlicher Arbeit
gelang im politischen Raum der Aufstieg vom
Untertan zum Staatsb¸rger. Im Wiirtschaftsraum
erstreben wsir den Aufstieg vom Proletarier zum
gleichberechtigten WIirtsdsaitsb¸rger. Wir wollen,
und das ist das Ziel, daþ die Wirtschaft ebenso
eine Verfassung zur Grundlage erh"lt wie der
Staat. Dies aus dem Grunde, weit uns die Ge-
schichte gelehrt hat, daþ die politische Demo-
kratie nicht sicher iundiert Ist, wenn mit Ihr
nicht auch eine Demokratie der Wiirtschaft ein-
hergeht.
Die -seit Gr¸ndung des DGB bis zum heutigen
Tage erfolgte konzentrische Zusammenfassung des
gewerkschaftlichen Elans aut ganz bestimmten
Gebieten:  sozialen  Fragen,  Lohniragen,  Mit-
bestimmung, stand im Vordergrund des Inter-
esses. In dieser Stunde wsollen wir uns kurz
auch an andere Aufgaben erinnern, die die Ge-
wserkschaften In allern"chster Zeit In Angriff
nehmen m¸ssen. Das gilt besonders f¸r die
Kulturpolitik. Auch diese Frage geh–rt Irgend-
wie mit zur Mitbestimmung. Mitbestimmung beiþt
hier Sicherstellung, daþ in allen Gremien der
Kulturpolitik und ganz besonders der Schulen,
die Garantie geschaffen wird, daþ der Nachwuchs
In dem von uns gew¸nschten demokratischen
Geist erzogen wird.
Der Inhalt fast aller In   Westdeutschland  er-
scheinenden  Illustrierten  mit  Berichten  ¸ber
Hitlers Tischgespr"che und Emmt G–rings Lebens-
laut  sowie  die  neu herausgegebene   deutsche
Soldatenzeitun 'g sind uns Beweis, daþ der totale
Verlust des totalsten aller Kriege auch geistige
Tr¸mmer hinterlassen hat, die von uns beseititg
werden m¸ssen. Ich erinnere mich der Zeit, äan
in engster Harmonie w"hrend der Weimarer
Republik die extremste Rechte Hand tn Hand mit
der Linken die Demokratie und Republik unter-
w¸hlte. Laþt uns wachsam sein, um zu verhin-
dern, daþ sich Gleiches wiederholt.
Ich habe erkl"rt, und ich hin mir der Be-
deutung dieses Ausspruches bewuþt, die Gewerk-
schalten verf¸gen ¸ber Mittel. einem derartigen
Aufkommen Einhalt zu gebieten. Zun"chst aber
noch einmal, da wir als demokratische Organi-
sation In einem demokratischen Staat beheimatet
sind, der   dringende  Appell an   die  Bundes-
regierung: ,Landgrat, werde hartiI
Was ich jetzt sage, ws¸nsche Ich welterzutragen
bei jeder sich bietenden Gelegenheit In die
Betriebe und Versammlungen. Niemals darf es
ein Zur¸ck von der jetzt geschmiedeten Einheit
der Gewerkschaften zu den fr¸heren Ricsfungs-
gewerkschaften geben. Dieses Erkennen, dieses
Wollen verpflichtet zum Handeln f¸r jeden ein-
zelnen von uns. Es verpllichtiet zu gr–þþtm–gicher
Toleranz. vor allem in Giaubenssachen. die Jeder
einzelne, der es ernst meint mit der Sache der
Arbeitnehmer, f¸r sich in Anspruch nehmen darf,
aber auch anderen gew"hren muþ.
Die Zeit, in der wir leben, erfordert M"nner.
Ein Mann aber ist nur derjenige, der nicht nur
eine Uberzeugung hat, sondern dar¸ber hinaus
auch jederzeit den Mul, sich f¸r diese seine
Uberzeugung einzusetzen.
Remilitarisierung und Sicherheitsirage sind zwei
Begriffe, die unmittelbar zueinander geh–ren und
niemals voneinander getrennt werden d¸rfen. Wier
es  dennoch -mit   dem   Schlagwort ãGegen die
Remilitarisierung' tut, macht dies entweder wider
besseres Wiissen oder in ganz bestimmter Absicht.
Auch hier lehrt uns die j¸ngste Geschichte, daþ
i.i einem Kampf zwischen Geist und totaler Gewalt
stets die letztere der Sieger bleibt. Ich meine,
auch wir haben mehr zu verlieren als nur
Ketten, und daher m¸ssen wir bereit sein, f¸r
die Erhaltung unserer Freiheit - selbstverst"nd-
lih hei voller Gleichberechtigung mit de, ¸brigen
freien Staaten der Weit - unseren Beitrag zur
Verteidigung zu leisten. Eine freie Arbeiterbewe-
gung kann sich nur frei entfalten In einemn freien
Staat demokratischer Pr"gung.
Wir alle wollen Sorge tragen, daþ die hoben
Begriffe wahrer Kollegialit"t und wirklicher Soli-
darit"t wieder zu Fragenden Pfielern unserer
jetzigen  Gewerkschaftsbewegung   werden,  wie
sie es fr¸her gewesen sind. 'Wir alte wollen In
dieser Stunde erkennen, daþ es nur zwei Dinge
gibt, die den Unternehmern den notwendigen
Respekt abn–tigen: es ist einmal eine m–glichst
hundertprozentige  Organisation  und   auf der
anderen   Seite  eine gut gef¸llte Kasse. Nicht
diejenige Gewerkschaft - merkt's euch, Freunde
von links -. die am meisten streikt, hat die
besten  Lohn- und  Arbeitsbedingungen, sondern
die Gewerkschaft. die R¸ckgrat hat an Organi-
sation und Pulver, weil man mit dieser keinen
Streit aufnimnit. Sei es unser Gel–bnis, aus der
Vielzahl unserer Mitglieder, Im wahren Sinne des
Wortes wieder Gewerlmsdhafter zu machen. Sind
wir so einig im Wollen, dann werden wir stets
stark sein im Vollbringen.
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