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Aufwärts
Jahrgang 4, Nr. 4 (February 24, 1951)

Aus unseren Gruppen,   p. [13] PDF (862.1 KB)


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des Zentrums an. Was dagegen die Rechts-
parteien vorbrachten, wirkte einfach be-
sch"mend. Man sollte es nicht f¸r m–glich
halten, daþ es noch Parlamentarier gibt,
welche in den wichtigen wirtschafts- und
sozialpolitischen Fragen eine Haltung ein-
nehmen, die darin gipfelt, daþ notwendige
gewerkschaftliche Kampfmaþnahmen und der
Anspruch auf eine Mitbestimmung als ver-
fassungswidrig hingestellt werden. Die Ant-
wort auf die herausfordernden Ausf¸h-
rungen des rechtsradikalen Abgeordneten
Dr. Richter, der die gewerkschaftlichen Maþ-
nahmen als Druck des P–bels der Straþe'
bezeichnete, wurde ihm Gott sei Dank da-
durch zuteil, daþ man ihn daran hinderte,
weitere Beleidigungen auszusprechen. Man
stelle sich vor, daþ dieser Abgeordnete noch
bis kurz vor seiner Wahl als Erzieher der
Jugend t"tig war!
Wenn diese Ausgabe unsere Leser erreicht,
werden sie vielleicht schon wissen, ob sich
die positiven Kr"fte unseres Parlaments
solchen zersetzenden Tendenzen gegen¸ber
durchsetzen und die Verabschiedung eines
Mitbestimmungsgesetzes im Sinne unserer
Forderungen erreichen konnten. Die Jugend
gibt die Hoffnung nicht auf, daþ die Volks-
vertreter so handeln, wie es f¸r die Arbeit-
nehmerschaft von Nutzen ist. Was heute
erk"mpft wird oder wozu zumindest die
Voraussetzungen geschaffen werden, wird
morgen der nachwachsenden Generation zu-
gute kommen. Lehrlinge, Jungarbeiter und
junge Angestellte werden mit gr–þerer
Freude und mit gr–þerem Verantwortungs-
bewuþtsein ihre Pflicht der Wirtschaft und
dem Volk gegen¸ber erf¸llen. Die arbei-
tende Jugend hat ihren Willen dazu mehr-
fach klar bekundet. Sie blickt voller Er-
wartungen und mit Vertrauen nach Bonn.
Dort muþ m–glichst bald das entscheidende
Wort fallen!
Der Kultusminister des
Landes Nordrhein-Westfalen
den 25. Januar 1951
Betr.: Jugendzeitschrift Nr. 23 vom 18. No-
vember 1950
Frau Minister hat die Zeitschrift und Ihren
Begleitbrief an die zust"ndigen Referenten
weitergeleitet, die den Aufsatz Schulbei-
spiele' aufmerksam gelesen haben. Sie be-
gr¸þen es, wenn weite Kreise auf die Sor-
gen und N–te der Volksschule hingewiesen
werden, um deren Behebung sie sich be-
m¸hte.
Auch das Kultusministerium und die ¸brigen
Schulbeh–rden haben sich daf¸r eingesetzt,
das "uþere und innere Leben der Volks-
schule zu f–rdern. Wenn auch die Zust"nde,
die in der Ausstellung als Ideal gezeigt
wurden, nur in wenigen Orten bereits er-
reicht worden sind, so steht doch fest, daþ
durch Wiederauf- und Neubauten viel ge-
holfen werden konnte, so daþ, verglichen
mit dem trostlosen Zustand von 1945, ein
anerkennenswerter Fortschritt verzeichnet
werden kann. Die Herabsetzung der Klas-
senfrequenz auf 50, in Hilfsschulen auf 25,
die bessere Ausbildung der Lehrer an den
P"dagogischen Akademien und ihre Weiter-
bildung in Arbeitsgemeinschaften und die
Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und
Schule, die vertieft und ausgedehnt werden
soll, werden dazu beitragen, die Volks-
schule zu heben. Hoffentlich kommt eine
st"rkere Finanzhilfe hinzu, die ich genau
wie Sie herbeisehne und mit allen Mitteln
anstrebe.
Indem ich Ihnen f¸r Ihre Zuschrift danke,
bitte ich Sie, mir Ihre Ver–ffentlichungen,
die das Schulleben betreffen, zugehen zu
lassen.             Im Auftrag:
gez. Unterschrift Bergmann
.Jugend spielt f¸r Jugend.' Werbeveranstaltung der Gewerkscbaitsjugend
Oberhausen. Es wurden 912
Jungen und M"dchen als Mitglieder geworben. Welche Stadt wird den Rekord
brechen? Foto: Sei'iof
Allgemeine Wehrpflicht
Die Ortsjugendkonferenz des Deutschen Ge-
werkschaftsbundes in Wuppertal faþte am
2. Februar 1951 einstimmig folgende
Entschlieþung.
Wir sehen mit Schrecken, wie durch Presse
und Propaganda die Offentlichkeit bearbeitet
wird, um den Eindruck zu erwecken, als w"re
die Frage, Soldaten oder nicht, bereits ent-
schieden und es ginge nur noch um den Zeit-
punkt der Aufstellung und die St"rke eines
neuen Heeres.
Man will dadurch eine Entscheidung vor-
t"uschen, die rechtm"þig noch gar nicht ge-
fallen sein kann, da das Volk und besonders
die Jugend bisher nicht gefragt worden sind.
Gerade letztere hat die Folgen aus einer
solchen Entscheidung in der Hauptsache zu
tragen.
Wir sehen in der Aufstellung eines S–ldner-
heeres den ersten Schritt zur allgemeinen
Wehrpflicht.
Wir sehen im Milit"r ein Instrument zur Ein-
schr"nkung der pers–nlichen Freiheit und zur
Ausschaltung des pers–nlichen Willens.
Wir sehen durch eine Remilitarisierung die
Wiederkehr der nationalistischen Kr"fte, die
dann das m"chtigste Instrument unseres
Staates in die Hand bekommen. Darin liegt
die gr–þte Gefahr f¸r Volk, Staat und
Demokratie.
Wir sind der Meinung, daþ Geldmittel, statt
in die Aufr¸stung zu flieþen, besser f¸r die
soziale Gesundung unseres Volkes verwandt
werden m¸þten. Einen Weg zur sozialen
Gesundung sehen wir u. a. in der Verwirk-
lichung des Mitbestimmungsrechtes in der
Wirtschaft, das gleichzeitig den inneren
Frieden sichern wird.
Zum erstenmal nach diesem Kriege fand
ein Trefien deutscher und holl"ndischer
Herbergseltern statt. Es waren anwesend
der Pr"sident des Internationalen Jugend-
herbergsverbandes, Leo Meilink, der Ge-
sch"itsf¸hrer der Niederl"ndischen Jugend-
herbergs-Centrale, der Hauptgesch"fts-
f¸hrer sowie die Gesch"ftsf¸hrer der Lan-
desverb"nde Rheinland und Westfalen-
Lippe des Deutschen Jugendherbergs-
werkes.
Der Duft einer Tasse starken Kaffees, Ge-
schenk einer holl"ndischen Herbergsmutter,
weckt freundliche Erinnerungen.
Drei Tage sind wir, holl"ndische, rheinische
und westf"lische Herbergseltern, zu regem
Gedankenaustausch in der Jugendherberge
Kleve zusammen gewesen. Wir haben dabei
feststellen d¸rfen, daþ die Fragen in der
Jugendarbeit hier wie dort die gleichen sind,
daþ sich auch die Arbeitsweise der holl"n-
dischen Herbergseltern keineswegs von der-
jenigen der deutschen unterscheidet.
Verst"ndlich, daþ sich unter solchen Voraus-
setzungen alsbald die Herzen ge–ffnet haben.
Am ersten Abend: Stine, Line, Pl¸m und
Ploni, holl"ndische Herbergsm¸tter, und drei
deutsche in einem Schlafraum. Dem Stinchen
wird ein Schabernack gespielt und das Bett
verbaut. Sie r"cht sich f¸rchterlich, alle haben
keine Ruhe mehr. Wir liegen mehr neben
als in den Betten. Wenn wir dem Stinchen
selbst ans Leder wollen, heiþt es freude-
strahlend: älk ben Gast hier, vergeet het
niet!' Das Lachen ist da, die Freundschaft
geschlossen.
Wir besuchen rheinische Jugendherbergen
und St"dte. Die Landschaft im Neuschnee
findet die hellste Begeisterung der Holl"nder.
Als Gegengabe folgt sogleich ein Besuch in
den Niederlanden. Die Landschaft "ndert sich
nicht, es bleibt der niederrheinische Charak-
ter. Aber die Bauart der H"user wird anders.
Kleine, meist einst–ckige Bauten aus roten
und gelben Backsteinen mit auff"llig groþen
Fenstern kehren die Giebelseite zur Straþe.
St"dte und D–rfer zeigen sich von ihrer
allerbesten Seite. Uberall treffen wir auf
behagliche Sauberkeit und unaufdringlichen
Wohlstand. Vergeblich halten wir jedoch
Ausschau nach den kleidsamen holl"ndischen
Trachten. Nur wenige Kinder und Erwach-
sene tragen noch Holzschuhe. Man sagt uns,
um holl"ndische Trachten zu sehen, m¸sse
man in die stillen Fischerd–rfer gehen. Dazu
reicht aber die Zeit nicht. So kehren wir
¸ber Delden, Denekamp, Nijverdal nach Arn-
hem zur¸ck.
In Denekamp ist eine alte Wasserburg gut
und zweckm"þig als Jugendherberge ein-
gerichtet worden. Sie tr"gt den klangvollen
Namen "'t huis te Brecklenkamp'. Hier er-
wartet uns eine holl"ndische Mittagsmahl-
zeit. Wir sind erstaunt, denn es gibt ledig-
lich belegte Brote in allen Ausf¸hrungen,
s¸þ und salzig. Nun wissen wir, daþ der
Holl"nder seine Hauptmahlzeit am Abend
h"lt. Diese warme Mahlzeit erwartet uns in
Arnhem in so reichem Maþe, daþ wir es gar
nicht schaffen. Da ich vom Essen spreche,
darf nicht vergessen werden, den kleinen
Imbiþ' zu w¸rdigen, den wir bei fast jeder
Besichtigung  einer  Jugendherberge  ein-
nehmen m¸ssen. Schon fragt man bei einer
Mahlzeit scherzhaft-sp–ttisch nach Zeit und
Ort der n"chsten.
F¸r eine Nacht sind wir in der Jugend-
herberge Arnhem zu Gast. Am n"chsten
Morgen, nach herzlichem Abschied von den
holl"ndischen Herbergseltern, ¸berschreiten
wir die Grenze - mit dem geschenkten
Kaffee in der Tasche.
In herzlichster Gastfreundschaft und aufrich-
tigstem Gleichklang sind wir Herbergsleute
froh zusammen gewesen. Wir werden es
h¸ben und dr¸ben nicht vergessen. Wir
hoffen -und das war unser aller innigster
Wunsch -, daþ unsere gemeinsame Arbeit
die Jugend beider V–lker wieder zusammen-
f¸hren m–ge. Denn wir wollen und m¸ssen
Br¸cken schlagen von Volk zu Volk. Gertrud.
Von Kleve nach Arnhem


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