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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 3, Nr. 9 (May 6, 1950)

Schacht, H, Einhart
Die Lederfüchse,   p. 11


Page 11


.wir wollen fortan alles redlich mit
teilen', schlug ein Fuchs einer siebE
schw"nze umfassenden Fuchsbande
.Nat¸rlich nach Leistung und Beitr
einzelnen', erg"nzte er schnell,
schon das Knurren anfingen.
Ein Fuchs wurde bestimmt, alles,
Bande aufbrachte, aufzuschreiben, zu
zuz"hlen und dann zu teilen.
Als der sich wehren wollte, diese J
tun, weil sie wenig n¸tze und er dc
mit produzieren wollte wie die
F¸chse, muþte er mit Uberredung ur
Gewalt zu dieser Aufgabe gezwund
den. Und weil er nicht einer der
F¸chse in der Runde war und
¸berdies eine sch–ne lange Feder
gefressenen Gans als Zeichen seini
¸berreichte, f¸gte er sich schlieþlid
wenn auch sehr traurigen Herzens.]1
sich die Feder hinter das Ohr, das
k¸nftig ihr Platz sein, setzte sich
Hinteren, das sollte die Hauptt"til
ihn werden, und wurde fortan dei
fuchs' genannt.
Die ¸brigen F¸chse gingen an dig
beackerten das Land, bauten H"use
ten Kleidung und Kohle und 4
Zeichnungen: Hert
Sieben Uhr 57
Gewohnheitsm"þig sah ich immer
Zeit, die an der Uhr, die groþ und
dem B¸rgersteig hing, abzulesen
jenem Morgen, als die Uhr 7 Uhr
hatte ich leise Zweifel wegen de
keit dieser Angabe, da ich fr¸hz
Heim verlassen hatte und nicht
kommen konnte, und am Ziel hatt
Zweifel nicht getrogen. Die Uhr mui
lich vorgehen.
Akm anderen Morgen zeigte die Uhi
um 7 Uhr 57. Die Uhr stand. Heu'
sie mich nicht zur Eile treiben.
Wochen vergingen, die Uhr blie
unentwegt zeigte sie dieselbe Zeit
Und jetzt nach Monaten steht die
immer in ihr. Sie ist zu einem
Gegenstand geworden, stumpf une
schaut sie auf das Getriebe unter
jeden Tag unter ihr hergehen, blic
mehr zu ihr auf, ihnen kann sie ni
sagen. Auch die erstmals zu ihr a
wissen bald, was die Uhr geschli
n"mlich gar nichts.
Was ist eine Uhr ohne Leben? Mac
so groþ sein, sie hat keine Dasein
gung mehr. Ihre einzige Aufgabe,
anzuzeigen, erf¸llt sie nicht mn
Sekunden, Minuten, Stunden, Tage
und Monate fliehen an ihr vorubei
Uhr h"lt nicht mehr Schritt. Die
weiter, nichts kann sie halten.
Auch zwei Zeiger einer m¸de ge
Uhr, die beharrlich 7 Uhr 57 anzei<
C>er      f      5<
einander  Elektrizit"t, um nach Feierabend Radio h–ren
en TFuchs-  und die Zeitung lesen zu k–nnen.
vor.      Der Federfuchs schrieb dies alles auf, z"hlte
ag jedes   zusammen und teilte, wie ihm aufgegeben
weil sie   worden war, die Feder fest hinter das Ohr
geklemmt, den Hinteren immer in w¸rdiger
was die   Amtshaltung, und achtete peinlich darauf,
sammen-    daþ er von den anderen F¸chsen mit ãHerr
Federfuchs' angeredet wurde.
~rbeit zu  Wie es kam, man weiþ es nicht. Aber die red-
hch lieber  lichen, schaffenden F¸chse, die nun ihr Teil
anderen   immer vom Federfuchs empfingen, bekamen
id sanfter  schlieþlich das Gef¸hl, alles, was ihnen
gen wer-   zugeteilt wurde, verdankten sie dem Fe-
st"rksten  derfuchs und nicht sich selbst und ihrer
nan ihm    Arbeit. Dem Federfuchs hingegen wuchs das
der eben   Gef¸hl, alles, was er aufschrieb, zusammen-
es Amtes   z"hlte und teilte, sei durch eben diese seine
h darein,  schreibende  T"tigkeit erzeugt, und  dies
Er steckte  machte ihn stolz und sicher und pr"gte ihm
sollte zu-  die Amtsmiene.
auf den   Von der Feder hinter dem   Ohr, von der
gkeit f¸r  Hauptt"tigkeit des Sitzens, von dem Titel
ãFJeder-  Federfuchs und der Amtsmiene beeindruckt,
beschlossen die F¸chse eine weitere etats-
? Arbeit;  m"þige Federfuchsstelle zu schaffen. Der Fe-
er, schaff-  derfuchs r¸ckte zum  Oberfederfuchs auf.
erzeugten  Denn auf einen Federfuchs geh–rt ein Ober-
federfuchs: schon weaen der Aufstieas-
m–glichkeiten, die gegeben sein m¸ssen.
Die ¸brigen F¸chse gingen an die Arbeit;
beackerten das Land, bauten H"user, schaff-
ten Kleidung und Kohle und erzeugten
Elektrizit"t, um nach Feierabend Radio h–ren
und die Zeitung lesen zu k–nnen.
Herr Federfuchs und Herr Oberfederfuchs
schrieben auf, z"hlten, teilten, die Feder
dabei hinter das Ohr geklemmt, den Hin-
teren immer in w¸rdiger Amtshaltung, und
immer peinlich darauf bedacht, daþ sie mit
ihren Amtstiteln angeredet wurden. Und wer
von den F¸chsen den Herrn Oberfederfuchs
sprechen oder ihm schreiben wollte, muþte
den Dienstweg einhalten.
Vielleicht war dies f¸r die f¸nf F¸chse etwas,
>ert Lemkes  was innen die Arb)eit aer F-ederruaise noai
wichtiger erscheinen lieþ, und sie stimmten
zu, daþ noch ein Fuchs f¸r die Verwaltungs-
arbeit abgestellt werden m¸þte.
auf die   Herr Oberfederfuchs wurde Fuchsrat. Herr
rund ¸ber   Federfuchs -  Oberfederfuchs. Zwar machte
war. An    es sich schon f¸hlbar, daþ weniger produ-
ziert wurde, aber das glich sich dadurch aus,
57 zeigte,  daþ mehr Verwaltungsarbeit geleistet wurde.
r Richtig-  Die ¸brigen vier F¸chse gingen an die Ar-
eitig das   beit.. . . Wir wollen sie ihrem  Schicksal
zu sp"t              O
en mine  ¸berlassen. Obsie etwas merken werden?
þen meine-  Hoffentlich haben Sie etwas gemerkt.
þte l–tz Ubrigens: Nichts gegen Federfuchserei an
sich ist hier gesagt. Wir leben schlieþlich
,r wieder-  auf der Erde, und da ist nichts vollkommen,
te konnte   und es geht auch nicht ganz ohne Feder-
r'age und   fuchserei - leider. Nur eben gegen zuviel,
b stehen,   verstehen Sie, gegen zuviel Federfuchserei
geht es hier. Dagegen sollten selbst die
Zeit noch    edrchesi.H. Einhart Schacht.
leblosen
1 glanzlos
ihr. Die
ken nicht
chts mehr
ufblicken,
agen hat,
gsie noch
sberechti-
,die Zeit
ehr. Die
*, Wochen
ã,und die
Zeit geht
wordenen
jen, nicht.
Der
unheimliche Schmirgelstein
Lehrling Fritz war ein Pfiffikus und zu allen
Streichen aufgelegt. K¸rzlich geschah es, daþ
sich in der Werkstatt der Schmirgelstein
selbstt"tig ausschaltete. Sooft ein Schlosser
die Hebelstange nach rechts herunterzog und
der Schmirgelstein loskreiste, ging nach
kurzer Laufzeit des Sdimirgelsteins die He-
belstange wieder nach links, und der Stein
stand still. ãDas ist wie verhext!-, schimpfte
ein Schlosser, ãdie Einischaltvorrichtung ist
ganz intakt, und doch schaltet sie selbst-
t"tig aus." Auch der Meister konnte es nicht
fassen. ãDas grenzt wirklich an Hexerei!",
lachte der Meister. "Seht her! Ich halte den
Hebelzug, und - das ist toll! Ich kann den
Druck kaum aushalten, so stark zieht der
Hebel nach der Ausschalterseite." Mit pr¸-
fendem Blick folgt der Meister dem Ge-
st"nge der Einschaltvorrichtung bis hoch oben
zur Transmission, wo er des R"tsels L–sung
findet. Schnell l"þt er die Hebelstange los
und eilt mit groþen Spr¸ngen zur etwa zehn
Meter entfernten Fr"sbank, wo er den Lehr-
ling Fritz beim Kragen packt, der sich hier
versteckt hatte. ãDu Lausejunge! Du bist der
unsichtbare Geist, der den Schmirgelstein
ausschaltete.' Die Gesellen konnten sich das
Lachen nicht verbeiþen, denn Fritzchens
Streich war zu originell und spaþhaft. Ohne
daþ jemand darum wuþte, hatte Fritz nach
Feierabend ¸ber der Transmnission einen fei-
nen starken Draht an dem Ausschaltende der
Hebelstange des Schmirgelsteins befestigt.
Sobald jemand den Schmirgelstein loskreisen
lieþ, eilte Fritz hinter die Fr"sbank, wo er
ungesehen den langen feinen Draht zog und
den Schmirgelstein zum Stillstand brachte.
Fritzchen hatte mit diesem Streich viel Ver-
druþ, aber auch viel Spaþ gebracht. Und da
Spaþ mehr wiegt als Verdruþ, lacht man
heute Doch gern ¸ber Fritzchens originellen
Streich.                      Josef Lenders
11
ABEND AM HAFEN
Die weiche D"mmerung streicht
¸ber die schwankenden Boote.
Der Schatten der Mole reicht
in das kalte Naþ, und fote
Helgenger¸ste stehen da,
im letzten roten Scheine,
das Leuchten versinkt, so nah
nur schimmern die Pfliastersteine.
Von ersten Lichtern erhellt,
spiegeln Reflexe die Wellen,
der Schiffer gelassen stellt
die Lampe hin, die Gesellen
gehen zusammen an Land.
M¸de, geb¸ckte Gestalten,
die R¸cken gebeugt, die Hand
in den weiten Mantellalten.
Die Wasser pl"tschern so weich,
im Nebel die Lichter schwanken,
oben auf einsamem Steig
kreisen der M"nner Gedanken
um des Lebens wahrhaften Sinn
und der rastlosen Plage.
Sie schreiten im Dunkel dahin
und nehmen Abschied vom Tage.
Arno Haft


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