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The History Collection

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Jahrgang 3, Nr. 9 (May 6, 1950)

Das Geheimnis ist verraten,   pp. 4-5 PDF (1.5 MB)


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Dr. Klaus Fuchs
wurde wegen Atomver-
rats an die Sowjetunion
von einem britischen
Gericht zur H–chststrafe
von 14 Jahren Gef"ng-
nis verurteilt. 1912 in
R¸sselsheim   geboren,
zuerst Pazifist, sp"ter
Kommunist.   Er  emi-
grierte 1933 nach Eng-
land. 1942 erhielt er
die  britische  Staats-
b¸rgerschaft. Als Atom-
wissenschaftler   von
Rang hatte er Einblick
in alle Atomgeheim-
nisse in England und Amerika, die er als ¸ber-
zeugter Kommunist ¸ber Mittelsm"nner bedenken-
los der russischen Atomforschung zukommen lieþ.
Dr. Alan N. May
wurde 1947 verhaftet,
weil er in die kana-
dische  Spionageaff"re
verwickelt war. Jetzt
wurde bekannt, daþ er
1946 schon mit Dr.
Fuchs unter einer Decke
steckte und ihm mikro-
skopische Mengen Uran
233 und 235 ¸bergeben
hatte, die dieser an die
UdSSR weiterleitete.
Edgar      Hoover,
Chef des amerikani-
schen Bundeskriminal-
amtes, hatte 1947 bei
der Untersuchung ge-
gen Dr. May schon den
Verdacht,  daþ   einer
der  ersten  Atomfor-
scher in die rote Spio-
nage verwickelt sein
m¸þte. Unser Bild zeigt ihn beim Interview, in
dem er die Tragweite des Verrats bekanntgibt.
Hauptmann        Le-
onhard     Burt    ist
Chef einer Spezialab-
teilung von Scotland
Yard. Er verhaftete den
Atomforscher Dr. Fuchs.
Im Interview sagte er
resigniert: ,uchs wuþte
alles und kannte auch
die Wasserstoffbombe.
Unsere  Abwehr    hat
vollst"ndig versagt.."
Alger    Hiss, war
einer der Vertrauens-
leute des Ausw"rtigen
Amtes in Washington.
Er wurde vom Neu-
yorker Obergericht we-
gen Meineids zu vier
Jahren Zuchthaus ver-
urteilt. Den Meineid
hatte er geschworen, um
seine Verbindung mit
dem Sowjet-Spionage-
dienst zu vertuschen.
Judith     Coplan,
Sekret"rin im Justiz-
departement in Wa-
shington,   traf  sich
nachts in einem Hotel
mit Valentin Gu-
bi tchew , Delegier-
tem der UNO-Konfe-
renz in Lake Success.
Sie ¸bergab ihm Ab-
schriften aus Geheim-
akten. Judith Coplan
wurde zu 15 Jahren
Gef"ngnis   verurteilt.
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Sicherheit oder Untergang?
J. Edgar Hoover, Leiter des USA-Geheim-
dienstes, beugte sich ¸ber Pr"sident Tru-
man und legte ihm ein transatlantisches
Fernschreiben auf den Schreibtisch: ÐBe-
richt aus London. Die Herstellung der
Wasserstoffbombe  ist verraten.'  Eine
Woche sp"ter unterschrieb der amerika-
nische Pr"sident in seinem Arbeitszimmer
den Befehl zur Herstellung der H–llen-
bombe. - nMuþ das sein, muþ eine
Waffe hergestellt werden, die tausend-
mal wirksamer ist als die Atombombe
von Hiroshima, die 167 000 Menschen
t–tete und verst¸mmelte?" Diese Frage
tauchte in den Schlagzeilen der ameri-
kanischen Zeitungen auf, bevor die
Presse ¸ber den Verrat der letzten
Atomgeheimnisse unterrichtet war. Nach-
dem aber die Einzelheiten des Atomver-
rates bekannt wurden, schrieb die XTimes":
H"tte Pr"sident Truman die Herstellung
Atomkrieg ohne Uberlebende?
Amerika hat eine neue Krankheit entdeckt:
Die Atomitis. Treffen sich zwei Amerikaner,
dann folgt auf die Frage nach dem Gesch"ft
eine Er–rterung der g¸nstigsten Abwehr-
maþnahmen gegen einen Atombombenan-
griff. Die Gem¸ter der Amerikaner sind
vom Atom-Gespenst ¸berschattet, da sie
wissen, daþ ein neuer Krieg auch die ameri-
kanischen St"dte nicht verschont lassen wird.
Nachdem bekannt wurde, daþ auch Ruþland
die Atombombe besitzt, erschien eine Un-
zahl B¸cher, die sich mit dem voraussicht-
lichen Ablauf einer Atombombenexplosion
auseinandersetzen und M–glichkeiten des
Schutzes erl"utern.
,Aufw"rts' bringt heute Ausz¸ge aus einem
amerikanischen Lehrbuch f¸r neue Luftver-
teidigung, das den Luftschutzkursen zu-
grunde gelegt ist.
Radarwarnsysteme gegen Atombomben
Daþ die Wirkung der Atombombe ¸bersch"tzt
wurde, ergab sich nach den Versuchen von Bi-
kini und Eniwetok. Im n"chsten Krieg ist der
Luftschutzbunker wieder der beste Schutz. Durch
Radar sollen feindliche Flugzeuge schon fr¸h ent-
deckt werden, damit die Bev–lkerung fr¸hzeitig
die Bunker aufsuchen kann. Die Verluste in Hiro-
shima und Nagasaki waren nur so groþ, weil
die Bev–lkerung auf der Straþe stehend den
Angriff beobachtete.
Wie explodiert eine Atombombe?
Verschiedene Explosionsarten werden bei der
Atombombe gesichtet werden. Bei der Explosion
¸ber den H"usern entsteht ein riesiger r–tlich-
weiþer Rauchpilz, der als radioaktive Wolke im
Umkreis von 1 km t–dlich wirkt, wenn man den
Strahlen schutzlos ausgesetzt ist. Die Wirkung
der ersten Radioaktivit"t ebbt schnell ab und hat
nach einer Stunde nur noch ein Sechzigstel Wir-
kung. - Die Explosion in unmittelbarer Erdn"he
wirkt anders als die Unterwasserexplosion, bei
der eine riesige S"ule aus radioaktivem Wasser
und Dunst hochgerissen wird. Alle durchn"þten
Gegenst"nde behalten ein Jahr lang Radioakti-
vit"t. Der Explosionsblitz ist so hell, daþ unge-
sch¸tzte Augen erblinden. Ddrch die Druckwellen
und Hitzestrahlen k–nnen in der Explosionszone
H"user zusammenst¸rzen und in Brand geraten.
Nach dem Angriff
muþ die Radioaktivit"t gemessen werden, die
den Gegenst"nden anhaftet. 25 R–ntgeneinheiten
Strahlungsintensit"t f¸hren zu Verbrennungen.
600 Einheiten sollen t–dlich wirken. Die .Ab-
leser' der Rettungsmannschaften k–nnen mit dem
Geigerger"t' die Strahlungsintensit"t messen.
der Wasserstoffbombe abgelehnt, w¸rde
Ruþland im   Wettlauf um  die Atom-
energie die Oberhand gewinnen. Die
Russen verf¸gen bereits ¸ber die st"rkste
Armee der Welt, ¸ber die gr–þte Luft-
flotte, ¸ber die meisten U-Boote."
Das war das kurze Vorspiel der Atom-
Wettr¸stung. Und wie wird das Ende
sein? Moralische Bedenken gegen die
Herstellung der Wasserstoffbombe wur-
den durch sogenannte ,Notwendigkeiten'
entkr"ftet. Moralische Bedenken werden
auch die Anwendung der H–llenbombe
nicht verhindern k–nnen. Es ist ein zwei-
felhafter Trost, anzunehmen, sie w¸rde
deshalb nicht "in Aktion treten', weil sie
h¸ben und dr¸ben' vorhanden ist. Aus
"hnlichen Gr¸nden seien auch im letzten
Krieg keine Gift- und Bakterienbomber
verwendet worden, behaupten die Op-
timisten. Wirklich, ein zweifelhafter Trost!
Da durch Radioaktivit"t technische Einrichtungen
nicht gest–rt werden, k–nnen Meldungen durch
den Rundfunk erfolgen. Wer seine Wohnung
verlassen muþ, soll Uberschuhe anziehen und
gegen den Wind gehen, der als Wirbelbildung
zum Explosionsherd einsetzt. - Lebensmittel
d¸rfen ohne Untersuchung nicht gegessen werden.
Wasser kann sofort nach der Explosion aus ge-
reinigten Gef"þen entnommen werden, da es in
den Leitungen keinen Schaden nehmen kann.
Radioaktivit"t wird durch Kochen nicht beseitigt.
Wohl k–nnen radioaktiv gewordene Gegenst"nde
durch Gebrauch von viel Seife und flieþendem
Wasser gereinigt werden. Radioaktive Teilchen
durchdringen die Haut erst mit der Zeit, sind
aber bei offenen Wunden immer sehr gef"hrlich.
Wenn die Atombombe gesallen ist. Die
Zeichniung zeigt zusammen mit der graphischen Kurve
die St"rke und Richtung des nach der Explosion ein-
setzenden Wirbelwindes.
Fotos: Keystone, Ardciv-Graefen, dpa
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