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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 3, Nr. 9 (May 6, 1950)

Bertling, M.
Bergbau nicht gefragt,   p. 3


Page 3


Unter dieser Notiz brachten einige Tages-
zeitungen in den letzten Wochen Berichte
¸ber den Jugendlichennachwuchs im Ruhr-
bergbau. Hierdurch ist vielfach in der Offent-
lichkeit ein unrichtiges Bild ¸ber diese be-
deutsame Frage entstanden. In Wirklichkeit
liegen die Verh"ltnisse g¸nstiger, als sie dar-
gestellt wurden.
In den Jahren 1946 bis 1949 sind folgende
Jugendliche als Berglehrlinge bzw. Jung-
arbeiter eingestellt worden:
Insges.:  Bergl.: Davon von ausw"rts
lohne Ruhrgebiet):
1946/1947 ') 11740  7217  2130  18,1 v. H.
194711948  10 911  6387    725  6,64 v. H.
1948!1949   5 207  2619   1329 25,52 v. H.
ä1 Jeweils von 1. Juli bis 30. Juni des n"chsten Jahres.
Wenn im Jahre 1948'1949 die Zahl der Ein-
stellungen abgesunken ist, so liegt das daran,
daþ zu Ostern 1949 keine allgemeine Schul-
entlassung im Lande Nordrhein-Westfalen
stattgefunden hat. Voraussichtlich ist zum
Ostertermin 1950, wie es auch tats"chlich
Ostern 1948 der Fall war, allein mit einer
Einstellung von 4000 bis 5000 Jugendlichen
im Bergbau zu rechnen. Die bis zum Jahre
1955 ansteigende Entlassungszahl der Volks-
sch¸ler wird sich auch auf den Nachwuchs
im Bergbau zahlenm"þig g¸nstig auswirken.
In der Zeit vom 1. Juli 1949 bis 28. Februar
1950 sind 4121 Jugendliche bis zu 18 Jahren
vom Bergbau aufgenommen worden, davon
waren 2491 Lehrlinge. Die ¸brigen Jugend-
lichen wurden als Jungarbeiter eingestellt.
2903 Jugendliche entstammen dem Ruhr-
bezirk und 1218 dem ¸brigen Bundesgebiet,
einschlieþlich der Jugendlichen, die im Pen-
delverkehr aus den Randgebieten desRuhr-
gebiets t"glich die Zeche erreichen k–nnen.
In 41 Berglehrlingsheimen haben bisher rund
2500 Jugendliche von ausw"rts Aufnahme
gefunden. Weitere Heime werden vom Ruhr-
kohlenbergbau errichtet. F¸r Unterkunft und
Verpflegung, einschlieþlich der W"sche, wer-
den je Tag vom Arbeitslohn 2 bis 2,50 DM
einbehalten. Eine gr–þere Anzahl Berglehr-
linge ist vom Heim in eine Privatwohnung
bei Werksangeh–rigen ¸bergesiedelt.
Der Verdienst des Berglehrlings ist so hoch,
daþ er nach Abzug aller Unkosten noch einen
erheblichen Barbetrag f¸r sich er¸brigen
kann. Beispielsweise verdient ein lSj"hriger
Lehrling im ersten Lehrjahr schon monatlich
136,36 DM brutto (¸bertage), und ein 16j"h-
riger Lehrling (untertage) im ersten Lehr-
jahr 188,88 DM.
Der erste Arbeitsanzug, nebst Leibw"sche
und Arbeitsschuhen, wird kostenlos von der
Zeche zur Verf¸gung gestellt und geht nach
drei Monaten in das Eigentum des Lehrlings
¸ber.
Wenn der Lehrling der alleinige Ern"hrer
der Familie ist, stehen ihm noch ein Haus-
standsgeld von 0,18 DM je Schicht und
5 Tonnen Hausbrandkohle zu.
Es lohnt sich wieder, Bergmann zu werden!
Das wissen auch die Eltern der EntlaB-
Sch¸ler Ostern 1950 vielfach wieder zu w¸r-
digen. Rund 160 Bewerbungen von a u s -
w " r t s zu Ostern 1950 liegen bisher schon
der Auþenstelle Bergbau vor. Nicht die Zu-
geh–rigkeit zu einem Modeberuf ist heute
noch allein bei der Berufswahl ihres Sohnes
f¸r die Eltern entscheidend, sondern sie
m–chten ihren Jungen in einem Facharbeiter-
beruf mit hohem Lohn unterbringen, der
auch die Gew"hr einer k r i s e n f e s t e n
Besch"ftigung auf Lebenszeit bietet.
Was nutzt dem Jugendlichen eine Lehraus-
bildung in einem ¸berf¸llten Modeberuf, aus
dem er sp"ter als Gehilfe wieder ausschei-
den muþ?!
Der Beruf des Bergmannes ist heute ein
krisenfester Facharbeiterberuf und einer der
bestbezahlten innerhalb der deutschenWirt-
schaft.                         M. Bertling
Schlaf- und Wohnraum f¸r zwei Berglehrlinge
(Zeche Zollverein-Essen)
3
Einstimmig beschlossene
Der Bundesaussdcuþ des DGB faþte in
seiner 2. Sitzung einstimmig folgenden
Beschluþ:
,Der Bundesausschuþ befaþte sich in
seiner Sitzung am 14./15. April 1950
in D¸sseldorf mit dem Antrag des
Bundes-Jugendausschusses auf L–sung
der Zusammenarbeit der Gewerk-
schaftsjugend mit der Freien Deut-
schen Jugend. Der Bundesausschuþ
stimmt dem Antrag der Gewerk-
schafts-Jugendfunktion"re zu.
Alle Organe des Bundes und der an-
geschlossenen  Gewerkschaften  sind
gehalten, entsprechend diesem Be-
schluþ zu handeln.'
In Auswirkung dieses Beschlusses ist da-
mit jede Zusammenarbeit zwischen der
Gewerkschaftsjugend und der Freien
Deutschen Jugend einzustellen; dies be-
trifft vor allen Dingen auch die Zusam-
menarbeit in allen Aussch¸ssen und Ju-
gendringen.
Wenn auch das einzelne und loyal mit-
arbeitende FDJ-Mitglied mit dem Be-
schluþ nicht getroffen werden soll, so
darf aber keinesfalls eine Doppelmit-
gliedschaft und eine Doppelfunktion da-
zu benutzt werden, daþ Angriffe gegen
die Gewerkschaftseinheit und gegen Be-
schl¸sse ihrer Organe gef¸hrt werden.
Der Beschluþ des Bundesausschusses steht
in engstem  Zusammenhang mit der Er-
kl"rung des Bundesausschusses, die am
6. M"rz 1950 in D¸sseldorf gefaþt wurde.


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