University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
The History Collection

Page View

Aufwärts
Jahrgang 3, Nr. 4 (February 25, 1950)

elf
Geduld, ihr Völker,   pp. 12-13


Page 12


Noch nicht kuriert
Ein n¸chtern denkender PoI
litiker wird m. E. die Remill
tarisierung Deutschlands be
stimmt nicht als Fortschril
f¸r die Demokratie ansehe
k–nnen, sondern m¸þte h"ct
stens zu der Aufl assun
kommen, daþ diejenigen. dl
diese Frage aufzurollen w¸rf
schen, entweder noch nid
kuriert sind von den Schrei
ken des letzten Krieges od(
aber noch mit dem Geist dE
vergangenen -1000 j"hrige
Reiches' behaftet sind. UXI
von solchen Pers–nlicikeitE
an f¸hrender Stelle des Sta,
tes sollte sich ein demokr
tischer Staat freimachen.
Wilhelm Areii
Emden-Norde
Ein bestmmter Personenkreis
W"re es nicht besser, die
Mfittel, die f¸r ein Heer aus-
gegeben werden m¸ssen,
nutzbringender anzulegen?
Man k–nnte Wohnungen,
Schulen, Krankenh"user, Kin-
derheime und Erholungs-
heime bauen. Aber das will
ein bestimmter Personen-
kreis nicht. Da kann dieser
Kreis nicht genug verdienen.
Mit Waffen und Aufr¸stung
Ist Geld leichter zu verdie-
nen. Hat man erst einmal
ein Heer, dann will man
nicht nur damit spielen, son-
dern dann wird auch eines
Tages wieder scharf zuriick-
geschossen. Wir wissen ja
heute, wie ein Volk reif dazu
gemacht wird, und wir sind
schon wieder auf dem besten
Wege dazu, reif gemacht .zu
werden;, denn vom nationa-
len Denken zum Nationalis-
mus Ist nur ein kleiner
Schritt. Man kann auch ein
guter Deutscher sein, obne
ein Heer zu haben.
Gustav Kaatsch, Kassel
f . ,   ,
Wir leseni die %iven L.eserbie1e. die ihr, ullsele Lesei, an den
AUFWŸRTS geschrieben habt. Ganze Gruppen antworteten
uns,- aber auch I7j"hrige Lehrlinge, Betiebsratsvorsitzeflde,
Kriegsverse-hrte, ehemalige Ciffiziere, Groþv"ter und M¸tter_
Und alle antworteten uns auf die Frage: "Soll das wieder-
kommen?" mit ~mirnm entschiedenen Nein - IsL es nicht bezeicb-
nend, lcii~ a'ber auch nich! eine eiazige Stimme sich f¸r die
Wiederbewalfnunlg Deutschlands einsetzte? -Die gleiche Rund-
frage n"mlich, die in einer anderen Zeitschrift vor einem Jahi
gestellt. wurde, ist damals noch in 25 v. H. der Leserbriefe so
bealilwertet worden, daþ sich dieser Prozentsatz mit mehr oder
minder fadenscheinigen Begr¸ndungen f¸r eine Wiederbewaffnung
einsetzte. Wir sind uns dar¸ber klar, daþ diese Elemente in der
Zwischenzeit bestimmt nicht ausgestorben sind, vielleicht haben sie
ihre Meinung angesichts der nackten Tatsachen ge"ndert, oder
sie w¸hlen jetzt im Dunkeln und hoffen auf den Tag X, an dem
es .,wir der losgeht -. -  \\~'enni unsere Leser so einstimmig eine
NWiederbevaflnu¸ii atelehneir, dann ist der Grund wohl auch der,
daþ sie einer Klasse angeh–ren, die bisher unter dem Krieg nur
gelitten hat. Es ~st ein Unterschied, ob man als Muskote oder
General den Krieg mitmacht, als Wehrwirtschaftsf¸hrer Milli-
ontenbetr"ae einsteckt oder als Hilfsarbeiter setine Gesundheit'
ruiniert.
Die spontane Abwehr einer Wiederbewaffnlung Deutschlands, die
in den Leserbriefen zum Ausdruck kommt, ist erfreulich und
hoffnungsvoll. Es ist aber trotzdem notwendig, daþ wir uns ein-
mal gewissenhaft mit diesem Problem auseinandersetzen und
eine A,nitwort suchen, die hieb- und stichfest ist.
Besch"ftigtco- wir uns also kirz mit der Frage, warum eine Remili
tarisieruing Deutscilands unweigerlich zum Kriege2 f¸hren muþ,
bevor wir uns mit der äMoral- des modernen Krieges befassen:
Die Behaiiptung ' ein bewaffnetes Deutschland w¸rde ãasiatische
tlorOeien' daran hindern, daes "Abendland" zu ¸herfe.Ilen,
ist
dumm. Ein kleines deutsches Truppenkontingent ist von vorn-
herein wertlos, weil der Sinn einer Aufr¸stung doch ist, st"rker
zti sein:. dl der Gegner. Ein schwaches Heer, das sich einem
starken Gegner stellt, muþ zermalmt werden. - Nun werden die
qanz Schlauen  sdqen, daþ Deutschland in einer starken west.
europ"ischen Armnee die Chance hat, mit den westlichen Alliierten.
,4einen allein ãKulturhoden" zu verteidigen, so daþ diese
Union
als we-stlicher Block den Osteni abschrerken k–nnte, bei uns ein-
zubrechen. Geben wir uns doch nicht diesem frommen Wahn hin
Eine starke Aufr¸stung des Westens muþ d2n Osten ja geradezu
kriegsl¸stern maciien. Um es gleich vorweg zu nehmen: die Ver-
teidigung von Weib und Kind d¸rfte dann wohl nicht mehr
m–glich sein, wenn die Truppen sich an den Atlantik zur¸ck-
ziehen solIlten. Oder hat man daran gedacht, daþ sich HeerUn
Zivilisten geschtossen "absetzen-?
Das Ausland durfte fruher mit Recht behatipten, daþ Deutschlairr
das Land der Militaristen war, daþ wir dite Kriegsfuhrunig zr
einer Religion erhoben hatten. Jetzt aber ist es schon mehr aei
unversch"mt, wenn die Schweizer ãWeltwoche' die Deutscer
jetz.t "Dr¸ckeberger- und "Erpresser- nennt, weil sie nicht
Solda!
werden wollen. Wir sind weder Druckeberger noch Erpresser
wir sind nur klug geworden und haben der Schweiz gegeni¸be
mit einer traurigen Kriegsbilanz aufzuwarten, zusammengesett
aus Kriegskr¸ppeln, sinnlos Gemordeten, Tr¸mmern, Schuldet
und moralischem Elend...
1 2


Go up to Top of Page