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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 3, Nr. 4 (February 25, 1950)

ale
Günther wählte selbst,   p. 5


Page 5


D          ug4e     w          e s
Was hatte unser G¸nther f¸r einen feinen
Platz im Warenhaus, nie mehr wird er eine
solche Stelle bekommen, jammert seine Mut-
ter. - Ich verstehe den Jungen einfach nicht
mehr! Kommt da gestern abend nach Hause
und ¸berrascht uns mit der Nachricht, daþ er
aus seiner Kaufmannslehrstelle weggelaufen
sei und bei einem Maurermeister als Lehr-
ling angefangen h"tte. Hat man da noch
Worte! Verscherzt sich die ganze Zukunft
einer gehobenen Stellung und w"hlt die
schmutzige Maurerarbeit.
Nanu, versuch die Sache etwas ruhiger zu
betrachten - bem¸hte sich der Vater seine
Frau zu beruhigen. - Du weiþt, daþ es
G¸nther nicht gefiel und er immer mit Un-
lust hinter dem Ladentisch stand. - G¸nther
ist nun mal etwas sch¸chtern veranlagt, so
daþ ihm der st"ndige Verkehr mit den vielen
Kunden nicht- zusagte. Er hat darin denselben
Charakter wie ich. Mit dieser Eigenschaft
ist man eben nicht geeignet zum Verk"ufer,
der doch st"ndig reden und die Ware an-
preisen soll.                             Gesagt, g
Wir haben aber doch alles getan zur Vor-  Tag frei
bereitung seines Kaufmannsberufes, haben  suchten C
ihn auf die Handelsschule geschickt und zu  sagen. Sc
weiteren Spezialkursen. Da kann man doch  Baustelle
von ihm verlangen, daþ er eine so kost-   wie gera
spielige Ausbildung auch zu sch"tzen weiþ.  die Ziege
Andere Jungen werden gleich von der Volks-  waage in
schule weg in eine Handwerkslehre gesteckt  uswa  Mit
oder m¸ssen gleich als Laufjunge oder Hilfs-  w.e eifrit
arbeiter ihr Geld selbst verdienen. Wir aber  d  eo
haben uns doch gedacht, daþ unser einziger      er d
Junge es einmal besser haben soll als wir ...  gelang c
.Ja, was w i r eben unter , besser haben' ver-  bemerkt
stehen, wendet der Vater nachdenklich ein. -  Ach so,
Marie, du hast dich ganz verbissen in den  hat mir
Gedanken, daþ es f¸r G¸nther besser w"re,  daþ er
se
wenn er hinter dem Ladentisch oder im B¸ro  ab  er
und nicht in der Fabrik oder auf dem Bau  aber er
arbeite. Aber G¸nther denkt eben offenbar  Ich wollt
ganz anders als du. Er will nun eben lieber  sich G¸nl
mauern als Schuhe verkaufen oder Buch-    doch etw
haltung machen. Und es kommt doch nun     anstellt, t
darauf an, was i h m gef"llt und i h n be-  um die Se
friedigt, nicht was w i r uns denken. Wenn  da Sie n
sich aber G¸nther dabei ungl¸cklich f¸hlt  Ihnen gle
und er anders will, dann m¸ssen wir dem   auf Ihren
Rechnung tragen.                          chen sehi
habe nod
Er wird das sp"ter noch sehr bereuen, wenn  mit solche
er "lter und verst"ndiger geworden ist.   geht. Unc
Glaub mir das!                            lich unbe
Ich glaube nicht, daþ G¸nther seine jetzige  welche F
Wahl bereut. H"tte er uns gefolgt und w"re  wie er c
Kaufmann geblieben, obwohl ihm der Beruf  angenehe
nicht zusagt, so h"tte er es darin sicher nicht
weit gebracht. Dann h"tte er uns wohl sp"ter  Seien Sie
mit Recht bittere Vorw¸rfe gemacht.       was, der
Ach was, meinte die Mutter, es war f¸r ihn  Hat er L
am Anfang nur ungewohnt, so hinter dem    Schulkenr
Ladentisch zu stehen, und deshalb gefiel es  Fach auch
ihm anfangs nicht. Aber es ging dann doch  und Arbe
schon viel besser. Er hat mir doch selbst  viele Jah
erz"hlt, daþ er anfangs jedesmal rot wurde,
wenn er Kunden bedienen sollte. Aber das  Ganz stol
hatte er doch ¸berwunden, und es ging dann  Mutter, z
wirklich gut.                             thers Art
weil er fi
Ja, ich habe das auch geh–rt von ihm. Aber  holen wo
du weiþt doch, daþ er dann uns klagte, daþ  munternd
der Chef unzufrieden sei, weil viele Kunden  Eltern sal
bei ihm die Waren nur ansehen, aber nichts  zeigte er
kaufen. Der Chef h"tte gesagt, er sei zu still,  und - w
er m¸þte mehr mit den Leuten reden und    wolle, bis
sie f¸r die Waren interessieren.          Gut, lieb
Aber weiþt du was, Marie. Was sollen wir  sind froh
noch lange gegeneinander reden, meinte der  zogen die
Vater weiter. Wir besuchen einfach G¸nther  doch mit
bei seiner neuen Arbeit und wollen sehen,  sagte Ma
wie er's dort hat.                        das Beste
etan. Vatei nahm sich einen halben
in seinem Gesch"ft, und beide be-
G¸nther, ohne ihm vorher etwas zu
dhon in einiger Entfernung von der
entdeckten sie G¸nther. Sie sahen,
dle der Meister ihm zeigte, wie er
elsteine richtig setzen, die Wasser-
imer zur Kontrolle verwenden soll
Staunen bemerkte seine Mutter,
g G¸nther bei seinei Arbeit war, an
ffensichtlich groþen Spaþ hatte. Es
len beiden - von G¸nther un-
-, den Meister zu sprechen.
;ie sind die Eltern von G¸nther. Er
schon geklagt, es t"te ihm so leid,
einer Mutter so viel Kummer mache,
k–nne doch nicht anders handeln.
e noch einige Tage zusehen, wie
ther weiter in dem ihm k–rperlich
as ungewohnten Maurerhandwerk
und dann wollte ich Sie aufsuchen,
ache mit Ihnen zu besprechen. Doch
un einmal hier sind, kann ich es
ich sagen: Sie k–nnen wirklich stolz
Jungen sein. Er ist gewiþ ein biþ-
* still und in sich gekehrt. Aber ich
h kaum einen Lehrling gehabt, der
em Lerneifer und Fleiþ an die Arbeit
1 besonders, wenn ich ihn gelegent-
emerkt beobachte, kann ich sehen,
Freude ihm das Ganze macht und
;ern und willig auch an sich un-
me Arbeiten verrichtet.
¸berzeugt, aus dem Jungen wird
macht seinen Weg.
ust, kann er sp"ter seine h–heren
itnisse zur Weiterbildung in seinem
h zu leitenden Stellungen ausnutzen,
eit im Bauhandwerk gibt's noch f¸r
.rzennte in H¸lle und F¸lle.
.z gingen dann die Eltern, auch die
usammen mit dem Meister zu G¸n-
beitsstelle. Dieser erschrak zuerst,
irchtete, daþ seine Eltern ihn weg-
Ilten. Als er aber die freudig auf-
en Mienen des Meisters und der
h, war er hoch begl¸ckt. Mit Stolz
Ihnen, was er schon gelernt hatte
as er alles noch lernen m¸sse und
er ein t¸chtiger Baufacharbeiter sei.
er G¸nther, mach so weiter, wir
daþ es dir Spaþ macht. Damit
Eltern ab. Etwas kleinlaut, aber
sichtbarem Stolz auf ihren Jungen
rie: Ja, ich sehe jetzt ein, es ist so
f¸r G¸nther.               ale.
am 27. Januar 1950 in Wiesbaden ein
Jugendforum stattfand unter dem Thema
,Bratpfannen oder Panzer'? Der Jugend-
sekret"r des DGB, Kreisausschuþ Wies-
baden, äerhielt nach Bekanntwerden die-
ses Themas von der amerikanischen Mili-
t"rregierung einen Anruf, bei einem ge-
wissen Mr. Sola vorzusprechen. Hier wurde
dem Kollegen Petry er–ffnet, daþ das ange-
k¸ndigte Thema vollkommen verfehlt sei.
Mr. Sola f¸hrte drei Gr¸nde daf¸r an: 1.
Brauchen wir in Westdeutschland eine
Armee, um die Demokratie zu st"rken, wenn
wir einmal abziehen. 2. Der deutschen
Jugend w¸rde es gar nicht schaden, wenn
sie einmal zwei bis drei Jahre unter die
Erziehung des Komiþ k"me. 3. Aus der
Armee sind bisher immer die besten Be-
amten hervorgegangen. Diese Ÿuþerung
eines leitenden amerikanischen Beamten
haben eine wahre Welle der Entr¸stung
ausgelo–st. Der Jugendsekret"r der Ge-
werkschaft Chemie hat daraufhin die ä
n–tigen Schritte unternommen, um die
Abl–sung dieses Beamten zu fordern.
Tausende von Sympathiebriefen gingen
in der Zwischenzeit bei ihm ein.
aUdC in' diesen Tagen eine Aussprache
zwischen Jungkommunisten und evange-
lischer Jugend ¸ber das Thema ãDie so-
ziale Not der Jugend' noch m–glich ist?
Als wesentliches Ergebnis dieser Stutt-
garter Aussprache bezeichnete Jugend-
pfarrer Stammler die beiderseitige Be-
reitschaft, den Gespr"chspartner ernst zu
nehmen und Wege der Verst"ndigung zu
suchen.
ein internationales sozialistisches Jugend-
treffen vom 12. bis zum 19. Juli in Stock-
holm stattfinden wird? 25 000 junge
Sozialisten aus allen Teilen der Welt
werden zu der .Roten Jugendwoche' zu-
sammenkommen. Auch 550 deutsche
Jungsozialisten sind zur Teilnahme ein-
geladen.
der Deutsche Musikerverband in der Ge-
werkschaft Kunst sich intensiv mit dem
Nachwuchsproblem der jungen Musiker
besch"ftigt? Er nimmt vor allem Stellung
gegen die Ausnutzung Jugendlicher durch
die sogenannten Stadtpfeifen' (Stadt-
musikerkapellen). Der Deutsche Musiker-
verband hat allen Kultusministern In den
L"ndern Vorschl"ge zur ãNeubildung der
Ausbildung f¸r Berufsmusiker' als Ge-
setzentwurf vorgelegt.
ein groþer Teil der Handwerkervereini-
gungen   S¸dw¸rttemberg - Hohenzollern
beim Arbeitsministerium Antrag auf
K¸rzung der Lehrlingsverg¸tungss"tze
gestellt hat? Damit wird die Frage der
Lehrlingsverg¸tungss"tze in dieselbeBahn
gebracht wie in Nordw¸rttemberg-Nord-
baden. Solchen Antr"gen wird derDeutsche
Gewerkschafts-Bund nat¸rlich nicht zu-
stimmen und nur in begr¸ndeten und be-
weisbaren Einzelf"llen evtl. Zustimmung
erteilen, wenn der betreffende Lehrlings-
meister seinen Verpflichtungen gegen-
¸ber dem Lehrling in Fragen der Aus-
bildung usw. immer nachgekommen ist.
die Gewerkschaftsjugend Hessen folgende
Ÿnderungen bzw. Erg"nzungen des Hes-
sischen Betriebsr"tegesetzes vom 31. Mai
1948 vorschl"gt? Neufassung des 5 6: Bei
der Wahl zum Betriebsrat sind alle Ar-
beitnehmer wahlberechtigt, die das 17.
Lebensjahr vollendet haben und im Be-
sitze der b¸rgerlichen Ehrenrechte sind.
Neufassung des ß 7: W"hlbar sind alle
Wahlberechtigten, die das 21. Lebensjahr
vollendet haben und sechs Monate dem
Betrieb oder der Beh–rde angeh–ren.
5
1091fAff


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