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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 3, Nr. 4 (February 25, 1950)

Bunte Lebensskizze:1875-1950,   pp. 2-3 PDF (1.4 MB)


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AM 26. Februar 1950 vollendet Hans B–cikler
sein 75. Lebensjahr. Wenn er an diesem
Tage zur¸ckblickt, dann liegt ein Leben, reich
an Erfahrung, voll an bitteren und sch–nen
Erlebnissen, vor allem aber ein Leben des
Kampfes f¸r die schaffenden Menschen, f¸r
den sozialen Fortschritt und die Anerken-
nung der Arbeit als gleichberechtigter Faktor
in der Wirtschaft, hinter ihm.
Wenn er heute in seltener Frische an der
Spitze des Deutschen Gewerkschafts-Bundes
steht, so ist er immer noch der Arbeiter und
Kollege, der er zu allen Zeiten war. Und
das ist das Sch–nste, was sich sagen l"þt.
Die schaffende Jugend steht in der vorder-
sten Reihe der Gratulanten mit dem Wunsch,
daþ Hans B–ckler ihr noch f¸r lange Zeiten
Freund, Kollege und F–rderer bleiben m–ge.
Unser Zeichner hat einige bemerkenswerte
Episoden aus B–cklers Leben f¸r unsere
Leser im Bild festgehalten.
Hans B–ckler erlernte den Beruf eines Gold-
schl"gers. Schon gleich nach Beendigung der
Lehrzeit, am 15. Juni 1894, trat B–ckler dem
Deutschen Metallarbeiterverband bei, der in-
zwischen an die Stelle des –rtlichen Metall-
arbeitervereins getreten war, In seinem
Verband fand er nicht nur eine Vertretung
seiner Interessen, der bei den h"ufigen
Arbeitsk"mpfen geschickt zu operieren ver-
stand, sondern es boten sich ihm hier auch
wertvolle Bildungsm–glichkeiten. Der Ver-
band veranstaltete schon damals, wie Mor-
genstern schreibt, ,,in periodischen Zwischen-
r"umen eine Reihe von Kursen, um seine
Mitglieder in Elementar-Mathematik (Geo-
metrie und Algebra), Zeichnen und Buch-
f¸hrung zu unterrichten. Er hielt belehrende
Vortr"ge ab und unterhielt eine gut aus-
gew"hlte Bibliothek sowie ein vortrefflich
eingerichtetes Lesezimmer'. Ebenso wie seine
Kollegen machte B–dcler von diesen M–g-
lichkeiten regen Gebrauch. Aber auch auf
A
liHans B–ckler war Angestellter des Verban-
ä  des geworden und war einige Zeit in Saar-
br¸cken t"tig. Hier gab er audi seine erste
Brosch¸re unter der Uberschrift ~Es werde
Licht' heraus. Freizeit gab es nicht. Doch die
gesunde fr"nkische Natur B–cklers lieþ ihn
alle Strapazen und Schwierigkeiten ertragen.
Seine massive Erscheinung war es auch, die
ihm bei der Polizei das Kennzeichen des
Mannes mit dem fleischigen Hals einbrachte.
Es galt, im t"glichen Zweikampf mit der
Polizei und den Unternehmern seinen Mann
zu stehen. Eine seiner n"chsten Etappen war
G–rlitz, wo B–ddler das gr–þte gewerkschaft-
liche Unterfangen der Metallarbeiter, die
K"mpfe in den Waggon- und Lokomotiv-
fabriken, f¸hrte. Der Kampf galt der Verk¸r-
zung der Arbeitszeit, der Lohn- und Akkord-
regelung und der Abstellung von Betriebsmiþ-
st"nden, also alles das, wogegen man damals
v ~- C~;-k  ~eite711 Feld ziehen muþte.
Es kam hier 1912 zu einem der l"nasten
Streiks, der nicht weniger als 18 Wochen
dauerte. Die Haltung der Streikenden war
r- :6 vom  ersten  bis zum  letzten  Tage eine
(  -- 1 musterg¸ltige.
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anderen Gebieten war Hans B–ckler aktiv.
1895 wurde in F¸rth der Arbeiter-Turnverein
gegr¸ndet. Zu den Gr¸ndern geh–rte der da-
mals knapp 20j"hrige Hans B–ckler. B–ckler
war ein guter Turner, der sich als Leiter der
Z–glingsabteilung des Turnvereins beson-
dere Verdienste um die Heranziehung eines
gesunden Nachwuchses erwarb. Wie einer
seiner damaligen Z–glinge berichtet, ¸bten
die Vortr"ge, die der wenig Ÿltere vor den
jungen Arbeitern hielt, auf diese einen
nachhaltigen Einfluþ aus. Zu einer Zeit, als
die k–rperliche Ert¸chtigung der Frau noch
in den Anf"ngen steckte, setzte sich B–ckler
f¸ir die Gr¸ndung einer .Damen-Abteilung'
des Arbeiter-Turnvereins ein.
Doch in der Hauptsache war er Gewerk-
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So wirkte Hans B–dcler erfolgreich in den
verschiedensten Gegenden Deutschlands bis
nach dem ersten Weltkrieg. Um diese Zeit
kam er nach K–ln.
Am 20. Mai 1928 w"hlte das deutsche Volk
den vierten Reichstag der Deutschen Repu-
blik. Mit diesen Wahlen kam auch Hans
B–ckler als Vertreter f¸r den Wahlkreis
K–ln-Aachen f¸r die SPD in den Reichstag.
Dies geschah vor allem auf Dr"ngen seiner
Gewerkschaftskollegen, die Wert darauf
legten, daþ auch ein bekanntes Mitglied der
Gewerkschaften neben der Gewerkschafts-
arbeit das Mandat eines Abgeordneten an-
nahm.
Eines der sch–nsten Erlebnisse B–cklers war
der Jugendtag 1930 in K–ln. Nachdem er am
1-1--  - Nachmittag mit hinreiþenden Worten vor
vielen Tausenden jugendlicher Arbeiterinnen
- - -7,  und Arbeiter gesprochen hatte, fand am
Abend ein Fackelzug statt, der B–ckler be-
ä7       sonders begeisterte.
Zeichnungen: Jos. Herft
st"nden war es mehr als schwierig, gewerk-
schaftliche Agitation zu betreiben. Die Ge-
werkschaftsfunktion"re muþten sich gegen-
¸ber den Schwierigkeiten, die der Staat und
die Unternehmer machten, aller m–glichen
Schliche bedienen, um ihre Aufgaben zu
erf¸llen. Um die Mitgliederlisten nicht ohne
weiteres in die H"nde der Polizei fallen zu
lassen, trug B–ckler z. B. die Namen in einem
kleinen Notizbuch bei sich, das er notfalls
jederzeit verschlucken konnte. Aus den glei-
chen Gr¸nden war er oft gezwungen, seine
Agitationsarbeit nachts zu 4jetreiben. So
wurden beispielsweise Flugschriften in der
Nacht verteilt.
Damals ergaben sich in den Gewerkschaften
starke politische Gegens"tze, so daþ oft die
Wogen sehr hoch gingen. Hans B–cklers
durchdringende Baþstimme muþte oft die
unruhigen Gem¸ter beschwichtigen. In K–ln
kam es dabei allerdings h"ufig vor, daþ er
sich einer besonders groþen Glocke bedienen
muþte.
1933 teilte Hans B–ckler das Schicksal all
derer, die von den Nationalsozialisten ver-
folgt wurden. Lange Zeit lebte er in einer
Holzbude im Bergischen Land, wo er als
Landarbeiter und Holzf"ller arbeitete.
1945, als Siebzigj"hriger, war er unter denen,
die noch vor. der Einstellung der letzten
K"mpfe den Grundstein f¸r die neue deutsche
Einheitsgewerkschaft legten.
Doch heute wie damals, Hans B–ddler ist
selten zu Hause. Frau und Kinder bekamen
ihn wenig zu sehen. Aber wenn er m¸de
nach Hause kommt, setzt er sich in K–ln auf
seinen Lieblingsplatz in der K¸che: die Sofa-
ecke. Viele Besucher haben Hans B–dcler
dort sitzen sehen und wahrscheinlich eben-
sooft erlebt, wie er von hier aus Briefe
diktiert; denn auch die Stunden, die er zu
Hause verbringt, sind immer mit Arbeit aus-
gef¸llt.  Bearbeitet nach Textunterlagen des...
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