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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 2, Nr. 22 (October 22, 1949)

"Brüder, in eins nun die Hände",   pp. 2-3 PDF (1.3 MB)


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",r3r¸der, ini eines tèuni die j4"uide.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund f¸r das
Gebiet der Bundesrepublik Deutschland ist
gegr¸ndet.  Funf Millionen  Frauen  und
M"nner aus    16  Industriegewerkschaften
sind in diesem Bund vereinigt. Der Deutsche
Gewerkschaftsbund hat sich seine Satzun-
gen und Richtlinien gegeben, bewahrte und
erfahrene Gewerkschafter an seine Spitze
gew"hlt. Damit hat der neue DGB den
ersten  entscheidenden  Schritt f¸r eine
weitere kraftvollere Entwicklung getan
Die Tage von M¸nchen waren ein Ereignis
besonderer  Art. Der   Gr¸ndungskongreþ
wird allen Delegierten und G"sten als Er-
lebnis unverg"nglich haften bleiben.
Wer wird jemals die Stunde vergessen, als
der Kongreþ auf die Frage Hans B–cklers:
"Wer daf¸r ist, daþ wir den Bund
f¸r den Bereich der Bundesrepublik
Deutschland gr¸nden, den bitte Ich
die Hand zu erhebend
einstimmig " ja' sagte und dieser Beschluþ
durch die Unterschriften der Vorsitzenden
der Industriegewerkschaften und den Mit-
gliedern  des  Gewerkschaftsrates  in  der
Gr¸ndungsurkunde festgehalten wurde.
Es war ein feierlicher und ergreifender
Augenblick, als Hans B–ckler als erster die
Urkunde unterzeichnete. Spontan erhoben
sich  Delegierte  und  G"ste  von  ihren
Pl"tzen, faþten sich an den H"nden, und
alle sangen aus ¸bervollem Herzen mit, als
eine Stimme anstimmte: "Br¸der, in eins
nun die H"nde." Das war der Ausdruck
gemeinsamen Wollens und gemeinsamer
Freude.
Nach Hans B–ckler unterschrieb Lorenz
Hagen, der Vorsitzende des Bayrischen
Gewerkschaftsbundes, die  Urkunde. Ihm
folgten in bunter Reihe die anderen Unter-
zeichner. Sp"ter gab jeder Delegierte seine
Unterschrift.
Blickpunkt der Offentlichkeit
Die Tage von M¸nchen standen im Blick-
punkt der Offentlichkeit. Eine umfassende
Zahl von G"sten begruþte den Kongreþ.
Ganz besonders muþ festgehalten werden,
was Bundesarbeitsminister Anton Storch,
Ministerpr"sident Karl Arnold. Professor
Carlo Schmid und Mr. Brown als Ver-
treter des amerikanischen Hohen Kommis-
sars an grunds"tzlichen und wegweisenden
Ausf¸hrungen machten. Gewerkschaftsver-
treter aus England, Frankreich, Amerika,
Belgien,  Osterreich,  Italien,  Schweden,
D"nemark, Holland und aus dem Saarland
¸berbrachten die bruderlichen Griiþe der
ausl"ndischen Organisationen.
Um die Organisation
Georg Reuter gab einen umfassenden Be-
richt ¸ber die Neuorganisation des Gewerk-
schaftsbundes. Er sprach von dem Werden
der trizonalen Zusammenarbeit aus den
Anf"ngen bis zum M¸nchener Kongreþ und
erl"uterte und begr¸ndete die aus dieser
Arbeit gewordenen Satzungen und Vor-
lagen, ¸ber die die Delegierten zu ent-
scheiden haben. In einer langen und regen
Aussprache nahmen die Delegierten Stel-
lung. Nach einigen Ab"nderungen wurde
die Satzung gegen eine Stimme angenom-
men. Weiter wurden noch eine Reihe Richt-
linien f¸r die T"tigkeit des neuen Bundes
auf den verschiedenen Sachgebieten fest-
gelegt. Da sind zu erw"hnen die .lugend-
und Frauenfrage, Beamten- und Angestell-
tenarbeit.
Ferner wurde der Bundesvorstand beauf-
tragt, an den Vorarbeiten zur Gr¸ndung
eines Weltbundes Freiei Gewerkschaften
teilzunehmen.
Bundessitz
Zwei St"dte standen zur Wahl, um den Vor-
stand des DGB aufzunehmen. D¸sseldorf und
Frankfurt. Die Meinungen waren geteilt.
und jeder Redner hatte gute und beachtens-
werte Gr¸nde f¸r seinen Vorschlag. In ge-
heimer Wahl wurden 270 Stimmen f¸r D¸s-
seldorf und 214 Stimmen f¸r Frankfurt ab-
gegeben. Damit wurde D¸sseldorf, die groþe
Stadt am Rhein, dicht beim Ruhrgebiet, zum
Bundessitz des DGB bestimmt.
Weg und Ziel
Neben dem Gr¸ndungsbeschluþ war das
wegweisende Referat des Kollegen Hans
B–ckler H–hepunkt des Kongresses. In
klaren, eindeutigen Formulierungen umriþ
er das Wollen und das Ziel gewerkschaft-
licher Arbeit. Er ber¸hrte dabei alle Pro-
bleme der Wirtschafts- und Sozialpolitik.
Die Worte B–cklers wurden oft von st¸rmi-
schem Beifall unterbrochen, und der Kon-
greþ bekannte seine Ubereinstimmung mit
dem Redner, indem er von einer Diskussion
absah. Das Referat soll als Brosch¸re er-
scheinen, um es jedem Kollegen zug"nglich
zu machen. Der Aufw"rts wird in seiner
n"chsten Ausgabe einige Ausz¸ge aus
B–cklers Rede ver–ffentlichen.
Alter spricht f¸r Jugend
Dem Kongreþ lag ein Antrag vor, einen
Vertreter der Jugend in den neuen Bundes-
vorstand zu w"hlen.   Zum warmherzigen
und leidenschaftlichen Begr¸nder dieses
Antrages wurde Gustel Schiefer, der ¸ber
70j"hrige stellvertretende Vorsitzende des
Bayrischen   Gewerkschaftsbundes.  Seine
Worte fanden immer wieder Beifall.
Der Kongreþ trug dem Wunsche der Jugend
Rechnung und w"hlte den von ihr benann-
ten Vertreter Willi Ginhold in den neuen
Bundesverstand, der dann unter herzlichem
Beifall folgendes Manifest an die Jugend
verlas:
Deutsche Jungen und M"del!
Die deutschen Gewerkschaften haben
sich seit jeher f¸r euch und eure Interes-
sen eingesetzt. Ihrem Kampf verdankt
Matthias F–dcer
Georg Reuter


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