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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 2, Nr. 10 (May 7, 1949)

Briefe an die Redaktion,   pp. 15-[16] PDF (1.5 MB)


Page 15


4  ,M'i Z  3*a 3
Aleine Meinung zu demi Brief von H.
Loebmann aus Paris
Aus den Zeilen von Ht. L. spricht das Miþtrauen.
weldhes uns Deutschen   In  Frankreich, aber auch
anderswo entgegengebracht wird. Es ist mir vollkom-
men klar, daþ bei drei Angriffskriegen innerhalb von
10 Jahren Miþtrauen, und zwar berechtigtes, uns
gegen¸ber besteht. Die erste Frage taucht auf: K–nnen
wir, die Deutschen im allgemeinen, und die Jugend
im besonderen, dieses Miþtrauen beseitigen? Die zweite
Frage lautet: Wie. welches ist dez ricitige Weg?
Zur Beantwortung: Meiner Ansicht nach kann man
MIþtrauen nur durch eine grundlegende Wandlung
der deutschen Politik, die der wirtschaftlichen Stniktur
der Westzonen angepaþt ist, durch eine soziale und
geistige Erneuerung, d. h., die arbeitende Schicht auf
ein bildungsm"þiges hohes Niveau zu bringen, um
einen Kontakt rwischen allen V–lkern der Erde her-
beizuf¸hren (Pr"gung des Soliclarit"tsgefiihls). und
endlich, innerdeutstt gesehen, durch die Schwungkraft
der Bewegung eine neue Lohn- und Sozialpolitik zu
sdiaffen und somit das Miþtrauen beseitigen. Und
nun zur Frage des Militarismus:    Die  arbeitende
Masse bildet das Gros des deutschen Volkes; w¸rde
jeder nun in einer den Verh"ltnissen angepaþten,
guten wirtschaftlichen Stellung stehen. so w¸rde,
auþer einigen, keiner einen Krieg wollen oder f¸hren.
Ich mi–dite nodi etwas hinzuf¸gen. Vor einigen Tagen
fuhr ich mit dem Zuge. Mein Nachbar versuchte mir
in Laufe des Gespr"chs klarzumachen, daþ Deutsch-
land (Westzonen) nur durch einen Krieg zu retten
w"re. lIch teile die Meinung anderer, indem ich sage:
Nicht Krieg, sondern Frieden,
nidit Verw¸stung, sondern Aufbau.
Dieser angef¸hrte Weg kann nur erreictit und be-
sittritten werden, wenn S1cb alle einig sind, ob Alter
oder Jugend. Jeder soll an der Erreichung dieses
Zieles mithelfen, denn es gilt, neue Fundamente f¸r
ein friedliches Leben zu schaffen, Hans Loebmann sagt:
Alle schauen auf uns - und wir m¸ssen uns lang-
sam beeilen.                         Heinz Kr"mer.
Lieb. Kollegen 1
Auf der Bezirkskonferenz des DGB. Bezirk Nordrhein-
Westfalen, in Herne wurde mit Leidenschaft und
Eifer von einem Jugendkollegen die Forderung ver-
treten, daþ drei Jugendkollegen in den Bezirksaus-
sdiufþ zu wahlen seien. Zur Begr¸ndung wurde ge-
sagt, daþ die Jugend viel lernen k–nne durch die
Mitarbeit in diesem  Gremium. Mit demselben Recht,
wie die Gewerkschaften verlangen, daþ ihre Forde-
mangent gesetzlich verankert werden, m¸sse die Jugend
darauf bestehen, daþ ihre Rechte in der Gewerk-
iibiftssatzung festgelegt werden,
Obgleich bei der Einbringung  des Antrages gegen
die Regeln demokratischer Versammlungsleitung ver-
salþen wurde. zeigte sich der Kongreþ doch bereit,
¸ber die Forderung zu beraten, Man einigte sich atþl
die Festlegung, wonach die Jugend das Recht hat,
zwei Vertreter kunftig in den Bezirksausdshuþ zu
entsenden.
K–nnen wir uns zu diesem Ergebnis freuen? War es
berechtigt, diese Forderung im Namen der Jugend zu
stellen?
dIc meine, in den Bezirksaussdiuþ sollten die f"hig-
sten Kolleginnen und Kollegen gew"hlt werden, d. h.
solche, die hinreichend Erfahrungs. und Urteilsver-
nagen besitzen, um verantwortungsvoll ¸ber die Be-
zirksarbeit zu beschlieþen. In der Regel sind es
nat¸irlich nicht gerade Jugentikolleqen, die uber eine
ausreichende gewerkschaftlidie Praxis und ¸ber ge-
n¸gend Kenntnis der wirtschaftlichen und sozialpoli-
tischen Zusammenh"nge verf¸gen. Es besteht daher
audi kein berechtigter Anspruch. wonach die Jugend
in so einer K–rperschaft 10 v. Ht. der Sitze ein-
nehmen darf.
Selbstverst"ndlich muþ Nachwuchs herangebildet wer-
den, aber hab-en wir Grund. daran zu zweifeln, daþ
junge f"hige Kollegen, die Interesse und Ausdauer
f¸r die Gewerkschaftsarbeit aufbringen, im Lernen
und Verantwortung¸bernehmen behindert werden?
Sehnen sich nicht vielmehr oft "ltere Kollegen, die
es nachr 1945 zum zweitenmal unternommen haben,
eine Gewerkschaftsbewegung ins Leben zu rufen, nach
jungen, hilfsbereiten Kr"ften, weil sie wissen, ihre
Lebensarbeit ist gefahrdet, wenn der Nachwuchs aus-
bleibt? Naturlich gibt es auch "ltere Kolle-gen. die
meinen. sie seien unersetzlich, wie es j¸ngere gibt,
die Fehler von "lteren zwar kritisch aufzeigen, sich
aber nicht in die Kleinarbeit einspannen lassen wollen,
Fragen wir uns also nachtr"glich   nochmals: Stelit
die in Herne beschlossene Satzungs"nderung tats"ch-
lici einen Gewinn dar f¸r die gewerkschaftliche
Jugendarbeit. der im Rahmen der Gesamtarbeit ge-
rechtfertigt ist? Haben die Antragsteller und Bef¸r-
rworter nicht ¸bersehen, daþ verantwortliche Mitarbeit
in einem Bezirksausschuþ nicht zu den Aufgaben
gewerkschaftlichrer Jugendarbeit geh–rt, was aber
nicht ausschlieþen w¸rde, daþ  ein  junger  f"higer
Kollege gew"hlt w¸rde?                    J. Sieder
Liebe Kolleen 1
Zum Artikel im  Aufw"rts' vom 26. M"rz 1949, .WO
bleibt der ªAufw"rts~?' m–chte ich mir als Jugend-
leiter erlauben. ein paar Worte zu schreiben. Es ist
bedauerlich zu lesen, daþ man so achtlos mit der
Zeitung umgeht, welche so wichtig f¸r unsere Jugend
ist. Es ist schon so. die Betriebsr"te und Vertrauens-
leute sollten sich mehr daf¸r einsetzen, daþ die
Jugendlichen den .Autw"rts' bekommen. An die
Jugendlicen mochte ich die Bitte aussprechen, den
.Aufw"rts' mehr und grundlich zu lesen und ihn.
wenn er gelesen ist, den Kolleginnen und Kollegen
zu geben, die ihn noch nicht kennen. Nachdem bei
uns in den Gruppenabenden auf den Wert des Auf-
w"rts' hingewiesen wurde und wir ab und zu
einiges vorgelesen hatten, kann ich wohl sagen, daþ
der .Aufw"rts' sehr gefragt ist.     P, Meyerhaff.
Ueb. Redakrt"o 1
In der Jugendzeitung im Frauenteil vermisse ich den
praktischen Wink f¸r die Madihen. Auþer Mode
hast Du noch nichts Interessantes gebracht.
Ich schlage vor, auch einmal uns berufst"tigen M"d-
chen einen praktischen Wink fur schnelles Kochen zu
bringen. Wie kann ich Praktisches und Schmackhaftes
auf den Tisch bringen? Die Mittagszeit ist kurz und
soll eine Entspannung f¸r die Arbeitszeit sein1 Wenn
Du uns da behilflich sein k–nntest, w"ren wir Dir
sehr dankbar. Wie Du es fertigbringst, ¸berlasse ich
Deiner Intelligenz.
Mit kollegialen Jugendgr¸þen Mia Roy.
lWer gibt Antwort? Red.)
St. Marien zu einem Autoparkplatz machen will, Mit
dem jungen Kaplan, der an die, Stelle des alten tritt,
kommen neue Erziehungsmethoden nadh St. Marien,
die anf"nglich das Entsetzen der Vorsteherin der
Schule hervorrufen. Hat sie erst einem ihrer Sch¸ler
gepredigt: .Wenn dich jemand auf die linke Wange
schl"gt, so halte ihm auch die rechte hin', so sieht
man sie schlieþlich Boxunterridit erteilen. Am Ende
ist audh der hartherzige Fabrikant besiegt. Er ver-
zichtet nicht nur auf den Autoparkplatz. sondern
schenkt der Plarre St. Marien auci noch die neu-
gebaute Fabrik, die älas Schulgeb"ude von St. Marlen
wird.
Vieles ist sch–n an diesem Film, so wenn ganz
kleine Kinder ein Klippenspiel vorf¸hren, wo denn
ein Neuerkind als kleiner Jesus aus der Krippe
trippelt. Ein guter Film.                   H. D.
D O   0 0 0 D D D D D D   D D0
~~fii
D D D DD D D D D D DD0
La BeHfe et In Bite
Unter dem deutschen Titel Es war einmaV' wird
dieser franz–sische Film in Deutschland anlaufen,
nachdem er am 22. April in K–ln der Presse vor-
gef¸brt wurde. Er erscheint im Verleih der Inter-
nationalen Filmallianz. die uns vor kurzem schon den
herrtichen Film .Der tdiot' brachte.
Erz"hlen wir kurz den Inhalt dieses Filmma"rchents.
Ein reicher Handelsmann bat drei T–chter, von denen
die jungste die Rolle des Asctienbr–dels spielen muþ,
wahrend die beiden alteren Schwestern eitle und
selbsts¸chtige Gesch–pfe sind. Auf dem Heimweg von
der Stadt verirrt sich~der Vater im nebligen Wald
und kommt an ein geheimnisvolles Schloþ, in dessen
Garten er f¸r seine j¸ngste Tochter eine Rose pfl¸ckt,
die er ihr beim Abschied versprochen hat. Im gleichen
Moment taucht eine Menschengesttalt mit dem Kopf
einer Bestie auf und sagt ihm, daþ er wegen der
abgepfl¸ckten Roee sterben muþ, wenn sich nicht eine
seiner T–chter f¸r ihn opfert.
BeIle,- die j¸ngste Tochter. ist zu diesem  Opfer
bereit. Sie reitet in das Schloþ, wo die Bestie sie
empf"ngt und sie jeden Abend fragt: äBella. willst
du metine Frau werden?' Sie lehnt ab. Aber ger¸hrt
durch die Anh"nglichkeit der Bestie. erwacht in ihr
ein immer st"rkeres Mitleid - und man weiþ, was
dann kommt. Die Bestie ist ein verwunsdkener Prinz.
Die Reinheit von BeIle hat ihn entzaubert Die B–en
weerden bestraft. BeIle und der Prinz entscdsweben in
sein Reich.
Ein M"rchen also, dargestellt von ¸berragenden Schau-
spielern. gedreht unter der Regie des Dichters J e a n
C oc t eeau. der den Film zu einem    einzigartigen
Kunstwerk macht. Der Film ist so spannungsgeladan.
daþ man nicht mehr den Eindruck hat, in einem
M"rchenfilm zu sein.
Zauberhaft in diesem  Film das Spiel von Licht und
Schatten: verliebt in jedes Detail. keine schwache
Stelle aufweisend, beweist er erneut die f¸hrende
Stellung der franz–sischen Filmproduktion. Geht hin!
Ihr werdet reicher durch diesen Film.       H. D.
Die  Glocken von         t.  Ma~  en
Ingrid Bergman und Bing Crosby spie-
len, neben einer Reihe Kinder. die Hauptrollen Jn
diesem Film. der im katholischen Milieu spielt und
uns ein Christentum vor Augen f¸hrt, wie es auf der
Welt leider so sehr selten geworden ist.
Kurz die Fabel des Films.
Es steht schlecht um das Schulgeb"ude der Pfanre
St. Marien. das vom Dach bis zu den Grundmauern
vom Verfall bedroht ist, Der bisherige Leiter hat esl
nicht verstanden, den Verfall aufzuhalten. Hinzu
kommt, daþ ein Autofabrikant. der auþerdem im
staallpitrlamspe seinen, Einfluþal aus¸bt. die Si"tte vom
Die Abenteluerin
Wenn man eine der besten Film&diauspielerinnen,
Ma.rl1e ne D ie tr i ch, mit dem    amerikanischen
Filmschauspieler B ir u c e C a b o t  in den Haupt-
rollen zeigt, als Regisseur den durdi seinen unver-
geþlicten Film Unter den D"diern von Paris' be-
kannten Franzosen R e n – C 1 a i r nimmt, den Film
in einer Kleinstadt an den breiten Ufern des Missis-
sippi dreht, ihm Hafenschenke und Segelschiff als
Hintergrund gibt, dann kommt als Ergebnis ein herz-
erfreuendes Werk heraus, in dem franz–sische Leich-
tigkeit mit amerikanischer Robustheit abwechselt.
Die Fabel des Films ist einfach. Marlene kommt als
ngbliche Herzogin in die Kleinstadt, wo der alte
Roland Young sie sieht, Feuer f"ngt und sie heiraten
will; aber fast gleichzeitig taucht Cahot, der junge
Besitzer eines kleinen Segelsdiffes. auf. Der Kampf
um Marlene geht hin und her, bis scilieþlich Cabot
und damit die wirkliche Zuneigung gesiegt hat. Im
Sc'luþbild flattert das Brautkleid, das Marlene trug.
um die Frau des alten Young zu werden, aus einer
Luke des aus dem Hafen fahrenden Segelschiffes in
den Mississippi.
Der Film hilft, daþ etwas mehr Lachen in die Welt
kommt.                                      H. D.
ine.nstiger Hans B–cklat-, Albin Karl, Franz Splledt.
Schrifflhdtunr. Hans Treppte, K–ln, Pressehaus.
Breite Straþe 70, Ruf 5 86 41. Vedagsleittumg Heinz
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Verlag: Bund-Verlag GmbH., K–ln, Pressehaus, Breite
Straþe 70. Ruf 5 86 41. Ver–ffentlicht unter Zulassung
Nr, 234 der Milit"rregIerung, Erscheint alle 14 Tage
Auflage 200 000. Druck: M. DuMont Schauberg, K–lni.L
Pressehaus. Unverlangt eingesandten Manuskripten muþ
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