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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 2, Nr. 13 (June 18, 1949)

Briefe an die Redaktion,   pp. 15-[16] PDF (1.6 MB)


Page 15


R.1:43      E-*
Fuþballtotoe- Antwort auf den Leser-
brief In Nr. 9 des Aufw"rts
Die Gewerkschaftsjugend Ratingens nahm heute im
Rahmen ihres Heimabends in der Diskussion ¸ber
aklielle Themen zum Fuþballtoto Stellung Das Ergeb-
nis ist wie folgt:
Die Mehrzahl der Anwesenden steht dem Toto ab-
lehnend gegen¸ber. In erster Linie deswegen, weil
die Gewinnchancen zu gering sind und dem Arbeit-
nehmer nicht zugemutet werden kann, dieses Gl¸cks-
spiel mitzumachen. Falls er auf Gewinn    hoffend,
Wodhe f¸r Woche und Monat f¸r Monat vergeblich
seine Eins"tze wagt, dann sch"digt er nicht nur sich,
sondern auch seine Familie. Dar¸ber hinaus versaumt
er es, infolge des Wettiiebers, auf seiner Arbeits-
stelle seine notwendigen gewerkschaftlichen und so-
zialen Forderungen zu diskutieren und zu erk"mpfen.
Er wird immer wieder von dem Wort Toto geblendet
und kummert sich nicht um seine Arbeitsbedingungen,
seinen geringen Lohn, sondern nur darum, wer, wie und
gegen wen spielt diese oder jene Mdnnschaft. Es soll
nicht damit gesagt sein, daþ, wenn jemand aus seiner
Begeisterung f¸r den Fuþball eine sportliche Unter-
hialtung pflegt, dieses verurteilt wiid. In jedem Falle
ist den Arbeitgebern dieses Ablenkungsmittel gerade
recht.
Die anwesenden aktiven Sportler sind der Auf-
,fassung, daþ der Toto in keiner Weise das Ansehen
des Sports erh–hen kann. Im Gegenteil, es liegt die
Bef¸rchtung nahe, daþ in der Zukunft dem   Fuþball
nicht mehr des Spieles, sondern der Gewinnaussichten
wegen gehuidigt wird. Das bedeutet, daþ die jahr-
zehntealte Fuþballtradition zu einem Gl¸cksspiel her-
absinken wird.                         Heinz Keip
Toleranz 1
In vielen Zeitungen, in Artikeln und so weiter, ist
heute ein Wort zu lesen: Toleranz. Vielen Kollegen
ist der Ausdruck bekannt, aber sie wissen den Begriff
nicht zu deuten. Und das ist eine betr¸bliche Fest-
stellung, die man immer wieder macht. Wenn man
n"mlich tolerant sein will, dann kann man dieses nur,
wenn der Begriff und seine Schluþfolgerungen bekannt
sind. Uber den Begriff selbst schreibt der Schrift-
steller Weber in seinem  Werk  Dreizehnlinden' fol-
gendes: äWo ich mich in Demut beuge, darf nicht ein
Tor mich ruchlos schelten, was Euch heilig, will ich
achten, was mir heilig, laþt es gelten.' Also mit
anderen Worten heiþt Toleranz, man soll die Mei-
nungen jedes einzelnen anh–ren, man soll nicht ver-
suchen, ihm die eigene aufzudr"ngen, und man er-
wartet aber auch dasselbe von anderen. Wenn eine
Aussprache, ¸ber welches Thema es auch sei, vom
Geiste der Toleranz getragen ist, dann wird jeder
Teilnehmer einen Gewinn aus dem Gespr"ch ziehen.
Er wird die vielgestalteten Meinungen h–ren, wird
seine Auffassung zum Besten geben, und am Ende
wird jeder einzelne sich selbst ein Bild machen
k–nnen. Es ist also nicht erforderlich, daþ der Ver-
sammlungsleiter eine Zusammenfassung der in der
Aussprache sich ergebenden Punkte und Erkenntnisse
vornimmt. Er kann das wohl, wird aber dann nur
seine endliche Meinung mitteilen, und jedem der An-
wesenden wird es freigestellt sein, ob er sich diese
Auffassung zueigen macht, oder nicht. Wenn aber bei
der Aussprache sich irgendwelche fraktionsm"þigen,
also  einheitlichen  Meinungen  herauskristallisieren
sollten und die Anh"nger dieser Meinung diese unter
allen Umst"nden der anderen Teilnehmerschaft auf-
zwingen wollen, dann hat die Versammlung nicht
gerade ihren Zweck verfehlt, aber die sachliche tole-
rante Meinungsbildung wird gest–rt. Man ist also nicht
mehr in einem Ausspracheabend, sondern man bewegt
sich auf der Ebene eines Parlamentes.
Gewiþ, auch diese muþ es geben. Das Parlament ist
eine vollkommen anders geartete Einrichtung. Im
Parlament versuchen die einzelnen Parteien, ihren
Standpunkt durchzusetzen. Wir als Gewerkschafter
wollen aber unsere Meinung unbeeinfluþt aus der
Vielfalt der Argumente und Auffassungen bilden und
sollten daher bei Diskussionsabenden m–glichst nach
toleranter Gestaltung streben.   Kurt Rogge, Kiel.
Liebe Kollegen 1
Die von der Moralischen Aufr¸stung' durchgef¸hrten
und f¸r alle V–lker der Erde angestrebten Ideale.
wie absolute Ehrlichkeit, sind sehr gut. und es w"re
etwas Wunderbares, wenn diese Ideale Verwirklichung
landen.
Die gesamte Jugend, die f¸r eine Neuordnung der
wirtsdcaftlichen, politischen und kulturellen Lage
k"mpft, sollte sich die von der Moralischen Auf-
r¸stung' gestellten Forderungen zu eigen machen.
Wir alle wissen, wie tief die Moral in Deutschland
gesunken ist. Hierbei kommt es auf jeden einzelnen an,
und keiner darf den Gedanken hegen, die anderen
k–nnten sich diese guten Eigenschaften als ihr Privat-
eigentum aneignen.
Ihr werdet jetzt bestimmt mit dem Argument kom-
men    Warum   sollen wir als schaffende Menschen
den Anfang machen?' Auch ich stehe auf dem Stand-
punkt, daþ gerade dem schaffenden Menschen von seiten
der Unternehmer durch all die Jahrhunderte hindurdc
viel Unrecht zugef¸gt worden ist, und wir werden uns
von unserem eingeschlagenen Wege nicht abbringen
lassen und f¸r unser gutes Recht k"mpfen bis zur
Endkonsequenz. Trotzdem sollten wir uns die Eigen-
schaften aneignen und immer Vorbild sein. - Bei
unseren Handlungen stellen wir ja auch nitht nur die
Frage:  äWer hat recht?', sondern auch:   äWas ist
Recrt?' Und ich glaube, daþ wir, wenn wir um unser
Recht k"mpfen, den Vorteil beider Antworten f¸r
uns buchen k–nnen
Etwas, was mir an der gemeinsamen Aussprache sehr
gut gefallen hat, m–chte ich Euch noch kurz berichten.
Ein  Mitglied der Moralischen Aufr¸stung (seine Hei-
mat ist Frankreich) sagte. Heute sollten wir nicht
mehr sagen: Arbeiter aller Nationen vereinigt euch',
sondern. Arbeiter, vereinigt die Welt.
Ein Mensch, der mit beiden Beinen auf der Erde und
mitten im Leben steht, muþ sich sagen, daþ eine
Verwirklichung der Idee der MR. nicht m–glich sein
wird, jedoch wird es f¸r uns eine Freude sein, wenn
die MR. Positives leisten kann.      Martha Plempe
N EUEI3ÐcIio
j1s L c h ei r
Rudolf Olden: Hindenburg.    Dieses Buch ist mehr,
viel mehr als eine Lebensbeschreibung Hindenburgs.
den der Verfasser seines Nimbus entkleidet. es ist
auch eine Geschichte des preuþischen Offizierkorps.
dessen verderblicher Einfluþ in der deutschen Ge-
schichte aufgedeckt wird, und gleichzeitig ist das Buch
ein wesentlicher Beitrag zur Geschichte der Weimarer
Republik, die in ihren entscheidenden Stunden keine
Menschen fand, die sie verteidigten.
Wie da    ungez"hlte  Menschen  in  Offensiven ver-
bluten  von denen die Generale wissen, daþ sie aus-
sichtslos sind, das muþ man nachlesen, um zu er-
kennen, welch   verbrecherische  Leichtsinnigkeit die
Handlungen   von  Generalen  bestimmen   kann.  So
heiþt es auf Seite 127:
.Zu  einem   vertrauten  Freund  kam  einmal der
Reichskanzler B r u n i n g . bleich, ersch¸ttert: er
habe soeben etwas Furchtbares erfahren. Hinden-
burg hatte ihm erzahlt, daþ er die groþe Offensive
des letzten Kriegsjahres von Anfang an f¸r aus-
sichtslos hielt. HAber ich muþte Ludendorff wohl den
Gefallen tun.. '
Wie da von Hindenburg und den Kreisen um ihn
Politik gemacht wird, die im Grunde nur Schacher
ist, wie Ehrenworte gebrochen werden, wenn es um
Vorteile geht, wie Intrigen und Verantwortungslosig-
keit das hervorstechende Merkmal dieser Kreise sind,
das muþ man nachlesen, um zu begreifen, mit wie-
viel Gemeinheit und Dummheit ein Volk regiert
werden kann.
Das Werk sollte als Geschichtsbuch in den Schulen
dienen. (Erschienen im Nest-Verlag. N¸rnberg. Zum
erm"þigten Preise von 3.75 DM zu beziehen durch
den Bund-Verlag.)
H. N. Brailsford: Voltalre. Mehr als je brauchen die
Menschen unserer Zeit die Stimmen der Vernunft
und Gerechtigkeit, um die Wirrnisse zu ¸berwinden.
Voltaire, der im Schatten der Bastille seine Werke
schrieb, hat uns auch heute noch viel zu sagen. Und
mehr noch ist sein Leben ein Beweis daf¸r, was
Menschen selbst unter den widrigsten Verh"ltnissen
leisten k–nnen, wenn die Idee der Gerechtigkeit sie
ganz erfaþt hat. Brailslord versteht es ausgezeichnet,
uns Leben und Werk Voltaires nahezubringen.
(Erschienen im Nest-Verlag, N¸rnberg. Zum erm"þig-
ten Preise von 3.80 DM zu beziehen durch den
Bund-Verlag.
Paul Fr–lidi: Rosa Luxemburg. Dies ist die zweite
Biographie von Rosa Luxemburg. Ist die von R o -
1 a n d - H o 1 s t mehr ein menschliches Dokument, so
ist Fr–lichs Werk viel mehr der Theoretikerin und
Politikerin gewidmet, deren Gedanken gerade heute
wieder durchdacht werden sollten.
Dem Kampfgefahrten Rosa Luxemburgs ist es ge-
lungen, das Bild dieser Frau, die nicht nur eine
scharfe Denkerin, sondern auch ein warmherziger
Mensch war, die ihr Leben im Dienst der Befreiung
des arbeitenden Volkes opferte, vor uns plastisch
erstehen zu lassen,
Dar¸ber hinaus ist das Buch ein nicht unwesentlidier
Beitrag zur Geschichte des Sozialismus und der sozia-
len K"mpfe.
(Erschienen im Verlag Friedrich Oetinger. Hamburg.
Zum erm"þigten Preise von 9.60 DM zu beziehen
durch den Bund-Verlagq.
K"the Kollwitz: Tagebuchbl"tter und Briefe. Dies ist
wohl eins der sch–nsten und wertvollsten B¸cher, die
nach 1945 in Deutschland herausgekommen sind. Was
aus den Bildern der K¸nstlerin uns anspricht: jenes
tiefe Mitleid mit der gequ"lten Kreatur, jener Ab-
scheu gegen den Krieg, jenes Verbundensein mit der
Welt der Armen und Unterdr¸ckten, das findet in
diesem Werk eine schone Erg"nzung, beweisend, daþ
Leben und Kunst bei dieser Frau in Einklang standen.
Leicht war ihr Leben nicht. Es hat lange gedauert,
ehe sie anerkannt wurde von der sogenannten tffent-
lichkeit. Daf¸r hat sie sich ein unverg"ngliches Denk-
mal in den Herzen der Arbeiter geschatfen. Sie hat
es selbst gewuþt - und war gl¸cklich dar¸ber. Und
freiwillig f¸hlte sie sich den Arbeitern verpflichtet.
Als die neuen Machthaber sie mit vielen anderen aus
der K¸nstlerakademie ausschlossen und sp"ter wieder
versuchten, sie f¸r ihre Zwecke zu miþbrauchen, da
schrieb sie in einem kurzen Brief:
.Glaub mir, Bonus, wenn der Verfasser sagt, die
Seelen von Unz"hligen gl¸hten f¸r mich, so h–ren
sie sicher auf, das zu tun, wenn ich ªehrenvoll
wieder anerkannt´ werde. Ich will und muþ bei den
Gemaþregelten stehen, Die wirtschaftliche Sch"digung,
auf die Du hinweist, ist eine selbstverst"ndliche
Folge. Tausenden geht es ebenso. Dar¸ber muþ man
nicht klagen.'
Neben den Briefen des van Gogh und den Lebens-
erinnerungen von Richter wird dieses Buch wohl
ewigen Bestand haben.
Erschienen  im  Gebr.-Mann-Verlag, Berlin, Preis
6.50 DM.)                       Hans Dohrenbusch.
Heot hast Du Geburtitag   und bist ein Jahr alt
geworden. In Deiner Geburtsstunde standen wir
an Deiner Wiege, sahen uns an und hatten aUe
die unausgesprochene stille Hoffnung: äHoffent-
lich entwickelt sich der Bengel gutl'
Heute, nach einem Jahr, kann man noch nicht
viel dar¸ber sagen, wie Du einmal aussiehst,
wenn Du erwachsen bist, d h.., alle Anspr¸che,
die man an Dich stellt, erf¸llen kannst. Bisher
haben wir an Deinem Wachstum viel Freude ge-
habt. Kinderkrankheiten, die sich nach allen Ge-
burten einstellen, hast Du auch durchgemacht und
teilweise prachtvoll ¸berstanden. Unsere jugend-
lichen Kolleginnen und Kollegen sowie auch unsere
altere Kollegenschaft der Gewerkschaft ÷ffentliche
Dienste, Transport und   Verkehr  hat manche
Freude an Deiner Entwicklung erlebt, und so w¸n-
schen wir Dir, Vorstand und Mitgliedschaft un-
serer jetzigen Trizonengewerkschaft f¸r Dein wei-
teres Wachstum und f¸r Deine weiteren Arbeiten
alles Gute und hoffen, daþ Du * immer zu den
Kindern geh–ren wirst, die der gesamten deut-
schen Gewerkschaftsfamilie mit Bild und Wort
recht viel Freude machen werden.
In diesem  Sinne gratulieren wir Dir alle ber
lichst.                       Adolf Kumimernuþ
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Lizenztr"ger: Hans B–ckler. Albin Karl, Franz Splledt.
Schriftteltung:  Hans  Treppte,  K–ln,  Pressehaus,
Breite Straþe 70, Ruf 5 86 41. Verlagsleltung: Heinz
Decker, K–ln, Pressehaus, Breite Straþe 70, Ruf 5 86 41.
Verlag: Bund-Verlag GmbH., K–ln, Pressehaus, Breite
Straþe 70, Ruf 5 86 41. Ver–ffentlicht unter Zulassung
Nr. 234 der Milit"rregierung. Erscheint alle 14 Tage.
Auflage 200 000. Druck: M. DuMont Schauberg, K–ln.
3ressehaus. Unverlangt eingesandten Manuskripten muþ
R¸ckporto beigef¸gt werden.
Die Jugendzeitschrift "Aufw"rts- kann bei allen
Post"mtern und Jugendlunktion"ren bestellt werden.
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In den nhdisten Tagen blickt der .,Aufwarts auf
ein einj"hriges Bestehen zur¸ck. Als Jugendzeit-
schrift hat er in dieser kurzen Zeit seines Er-
scheinens nicht nur unter den jungen Gewverk-
schaftern Beachtung und Anerkennung gefunden,
sondern auch viele alte Kollegen sind eifrige Leser
dieser gelungenen Jugendzeitschrift geworden.
Ich w¸nsche dem "Aufw"rts" f¸r seine weitere
Entwicklung alles Gute und recht viele Erfolge.
Wilhelm Gefeller
Seit  dem    Reohen    unserer  Jugendzeitschrift
.Aufw"rts' lese ich dieselbe mit groþem Interesse
und freue mich ¸ber die Vielseitigkeit des Ma-
terials,  welches  der  Jugend   geboten  wird.
Besonders anerkennenswert ist es. daþ audc auf
fachlichem Gebiet durch Bilddarstellungen und
Erl"uterungen eine gute Unterrichtung der Jugend-
lichen erfolgt. Auch eine Umfrage bei unseren
jugendlichen Mitgliedern ergab, daþ der äAuf-
warts' uberall gute Aufnahme findet. Jedenfalls
hat die Jugendzeitschritt in dem Jahre ihres
Bestehens unter Beweis gestellt, daþ ihre Aus-
gestaltung als vorbildlich angesprochen werden
kann. M–ge auch in Zukunft der Aufw"rts' als
Jugendzeitschrift bahnbrechend wirken.
Werner Bock


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