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The History Collection

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Aufwärts
Jahrgang 2, Nr. 13 (June 18, 1949)

Küppers, Heinz
Demokratie ohne Parteien?,   p. 4


Page 4


DEMOKRATIE OHNE PARTEIEN?
Zu dem in Nr. 10 ver–ffentlichten Artikel
unseres Kollegen Werner Rerrer l"uft schon
jetzt eine Reihe von Antworten ein, die
wir noch nicht zur Diskussion stellen wollen.
Vielmehr soll der nachstehende Artikel
Anregungen zu dem Thema geben und
hoffentlich die verdiente Beachtung finden.
Die Frage, zu der Werner Rerrer tempera-
mentvoll und doch recht negativ Stellung
nimmt, ist bezeichnend f¸r die politische
Situation, nicht nur der Jugend, sondern
¸berhaupt weiter Schichten unseres Volkes.
Nat¸rlich ist "Politik" an sich nicht partei-
.gebunden, und die Kabinette der absoluten
K–nige trieben Politik, bevor es 'Parteien
gab. Auch in der Gegenwart gibt es Bei-
spiele daf¸r, daþ der Staat zur Betreibung
seiner Politik nicht des demokratischen Par-
teiengef¸ges bedarf. Aber die liberale De-
mokratie beruht seit 1789 auf einem System
von politischen Parteien, ohne die sie nicht
funktionieren kann. Ihre Aufgabe besteht
darin, die Meinungen, Forderungen und In-
teressen von einzelnen und sozialen Gruppen
auf einen Nenner zu bringen und sie zu ver-
tleten. Jedes Parteiprogramm stellt deshalb
eine Vereinfachung dar, jeder Staatsb¸rger,
der einer Partei seine Stimme gibt (oder gar
Mitglied wird), verzichtet deshalb auf viele
Dinge die er pers–nlich anders formuliert
haben m–chte, im Interesse des Kompro-
misses, des Gesamtprogrammes der "Gruppe".
Ohne solche durch die Parteien vorgebrach-
ten Gruppenauffassungen w¸rde die Demo-
kratie entweder in der Anarchie untergehen
oder in der Diktatur enden. Die Pflicht, sich
f¸r eine der Gruppen zu entscheiden, ist
Pflicht des Staatsb¸rgers, der aktiven Anteil
an der Gestaltung seines politischen Schick-
sals nehmen will.
Werner Rerrer bringt nun eine Reihe von
ernsten Vorw¸rfen vor, die einer Betrach-
tung bed¸rfen. Er meint, daþ die ãAlten"
der Jugend die helfende Hand versagt h"tten,
daþ die Parteien in verantwortungslosem
Egoismus sich dieser Jugend bem"chtigen
wollen mit allen Mitteln der Propaganda,
daþ die Jugend n¸chtern und sachlich w"hlen
wolle und alle Anschauungen kennenlernen
m¸sse.
Diese Vorw¸rfe enthalten viel Wahres und
-einige Trugschl¸sse. Einer der h"ufigsten
Trugschl¸sse von heute ist der, daþ die
Jugend gew–hnt sei, einen F¸hrer zu haben
und deshalb dem parlamentarischen System
skeptisch gegen¸berstehe. Die heutige Jugend
ist wohl zu n¸chtern und selbstbewuþt, um
in ihrer Mehrheit dem äF¸hrergedanken"
zu unterliegen. Wenn sie sich gegen die
Parteien in ihrer heutigen Form wehrt, so
nicht deshalb, weil sie "nazistisch" ist, son-
dern weil mit den Parteien etwas faul ist,
die tats"chlich fast ausnahmslos "grund-
s"tzliche Weltanschauungsparteien" gewor-
den sind und sich von den ihnen eigentlich
zugedachten Funktionen entfernen.
Es ist ferner ein Trugschluþ anzunehmen,
die Parteien k–nnten sich der Jugend gegen-
¸ber sachlich und abwartend verhalten, da-
mit diese erst "w"hlen k–nne". Sie sind
ihrem Wesen nach dynamisch und m¸ssen
Propaganda treiben (man mag hier freilich
um die Mittel streiten), sie m¸ssen die
Jugend zu gewinnen suchen, um der Konti-
nuit"t der Entwicklung willen. Niemand
kann ihnen das ¸bel nehmen. Und es war
zu allen Zeiten schwer f¸r den Jugendlichen,
in diesem Sturm der Meinungen s e i n e n
Weg zu finden, weil es stets schwerer ist, in
der Freiheit als unter der "F¸hrerschaft'
zu leben. Aber weshalb sollte man den Weg
nicht verlassen k–nnen, wenn man eines
Tages zu anderen Auffassungen sich durch-
ringt? Es ist bezeichnend f¸r die deutsche
Mentalit"t, daþ es zum guten Ton geh–rt,
seine politische Gesinnung nie zu wechseln.
Gerade hierin offenbart sich neben einer
unbeschreibbaren St"rke auch eine Schw"che.
Es wird an der Jugend liegen, die dogmati-
sche Enge und die B¸rokratisierung aller
Parteiapparate eines Tages zu sprengen, und
es ist deshalb zu einfach, sich den Parteien
gegen¸ber in eine verteidigende Anklage-
stellting zu begeben. Diese Jugend hat mehr
H"rten und K"mpfe erlebt als die anderer
Zeiten. Nun hat der junge Mensch einen
1
Der parlamentarische Rat, 11 L"nderchefs und It
Landtagspr"sidenten unterzeichneten Grundgesetz
Fotos: dpd
neuen Kampf zu bestehen: zu pr¸fen und zu
unterscheiden zwischen Echtem und Un-
echtem, Propaganda und Inhalt, und seinen
Standort bei der Gruppe zu suchen, die
seinen Forderungen und pers–nlichen Auf-
fassungen am meisten gerecht wird.
Die eigene, freie Entscheidung f¸r oder
gegen eine Partei wird der Jugend nicht
abgenommen werden k–nnen - wenn das
demokratische System und damit die Frei-
heit uns erhalten bleiben sollen. Heinz K¸ppers.
Zum 19. Juni feiern wir den 2. Geburtstag unserer
Jugendzeitschrift.                              .
vor mit liegt der erste Jahrgang unseres "muF;
w"rts-. Wer die einzelnen Nummern noch einmal
aufmerksam und kritisch studiert, muþ zugeben,
daþ unsere Jugendzeitschrift sich von Monat zu
Monat weiter entwickelte. Sicherlich blieben auch
anf"nglich Pannen nicht aus. All diese Kinder-
krankheiten konnten aber schnell ¸berwunden
werden. Man muþ der Redaktion zugestehen, daþ
sie es verstanden hat, in die Jugend bineinzu-
horchen und das Richtige zu treffen. Viele an-
f"ngliche Widerst"nde drauþen in der Jugend
konnten auch deshalb so schnell behoben werden.
Jedenfalls ist heute unsere Jugend stolz auf ihren
äAufw"rts. Das Urteil ¸ber ihn ist in allen be-
lieferten Bezirken nicht nur bei unserer Jugend
und den "lteren Kollegen. sondern auch bei den
2-010: 3o71n101                     -~~~~~Vertre-t-ern-d-e-r a-nd-e-re n-
Schic hten,äund St"nde ein-
Es f"hrt sidh der Tag,   an dem   nach langen    heitlich gut. Auch diese
nicht gewerkschaftlichen
Geburtswehen unser .Aufw"rts- das Licht der      Kreise geben zu, daþ
der ãAufw"rts" d i e Jugend-
Welt erblickte.                                  zeitschrift ist.
Er hat inzwischen seine Babyschuhe ausgezogen    Die  Gewerkschaftsjugend
 aber verspricht dem
und das Gehen gelernt: aus dem Sorgenkind des   .,Aufw"rts" zum  2.
Geburtstag ..bleibende Treue,
W"hrungssommers 1948 ist inzwischen ein Lieb-    wachsende Aufmerksamkeit
und Liebe". Des wei.
lingskind vieler junger und auch vieler alter Ge-  teren werden unsere jungen
Freunde drauþen in
werkschafter geworden, das es verstanden hat,    allen Bezirken aktiv und
beharrlich bemuht sein,
mit ernsten und heiteren worten sich die Sym-    die Zahl der Bezieher ihres
"Aufw"rts' laufend zu
pathien der Leser zu erwerben. A                 steigern, damit er seine
groþe Mission in der
wir w¸nschen unserem   "Aufw"rts" _zum einjah- , Jugend erf¸llen
kann.     Heinrich Bartoniczek.
Tigen Geburtstag neben seinen gewerkschaftlichen
Zeitungsgeschwistern ein gutes Gedeihen und alles
Gute, zur Freude aller, die ihn kennen und lieben.
Karl Hauenschild.
hud einlghtigem U.stehen bist Du nun in das
J¸nglingsalter einer Jugendzeitschrift eingetreten.
Im vergangenen Jahre hast Du Deinen Lesern so
viel Ernsthaftes und Unterhaltsames mitgeteilt. daþ
man Dir Denk sagen muþ. Deine Leser sind ein
etwas unruhiges Volkchen. Ich m–chte Dir daher
zu Deinem Geburtstag w¸nschen, daþ Du noch
recht lange jung und munter bleibst und nicht
schon zu fr¸h weise und groþv"terlich wirst in
Wort und Schrift. Auch die 15- und l6j"hrigen
heben Dich gern und hoffen sehr, daþ Du bei
jedem Erscheinen auch ein liebes Wort f¸r sie
findest. Verdirb Dir den Magen nicht an schwer-
verdaulichen Sachen, damit Du ein frisches,
lebendiges Aussehen beh"ltst.
Mit diesen Geburtstagsw¸nschen gr¸þt Dich Dein
Helmut J. Schorr.
hI diesen Tonge blickt unsere Jugendzeitschrift
auf ihr einj"hriges Bestehen zur¸ck. Es ist f¸r
uns als Junggewerkschafter Anlaþ genug, R¸ck-
schau auf die Entwicklung in den schwierigsten
Verh"ltnisse zu halten. Nicht nur die engsten
Mitarbeiter, sondern auch die werkt"tige Jugend
nahm dieses neue Kind des Bund-Verlags mit
einiger Skepsis auf. Aller Anfang ist schwer, und
sc dauerte es auch eine ziemliche Zeit, ausgef¸llt
mit unerm¸dlicher Arbeit, bis der "Aufw"rts" zu
einem Sprachrohr der gewerkschaftlich organisierten
Jugend geworden ist. Als Jugendzeitschrift der
Gewerkschaftsjugend hette er besondere Aufgaben,
dt6 er jederzeit l–ste. Nicht nur beliebt bei der
ruqend, sondern auch begehrt bei der "lteren
Kollegenschaft, tritt er seinen Weg an ins zweite
Jahr. M–ge auch f¸r die Zukunft unsere gewerk-
schaftliche Jugendzeitung das bleiben, was sie ist:
ein "Aufw"rts-,                John Volgemann
I-;i
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