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The History Collection

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Jahrgang 2, Nr. 1 (January 1, 1949)

Anfang und Ende,   p. 2 PDF (774.1 KB)


Page 2


Das Jahr 1948 ist gegangen. Wenn wir zu-
r¸ckblicken, sehen wir an seinem Anfang die
Demonstrationen des Hungers. Jene Wochen.
in denen es wenig Brot und noch weniger
Fett gab. Jene Tage, an denen es lange Zeiten
keine Kartoffeln und keinen Hausbrand gab.
Jene Zeiten, wo in den Gesch"ften nichts
gegen Geld zu kaufen war, jene Zeiten, in
denen Menschen aller Volksschichten an den
Bahnd"mmen auf die Kohlenz¸ge lauerten.
Jene groþe Zeit der Schwarzh"ndler und
Schieber. Jene groþe Zeit, in der man nur
menschlich leben konnte, wenn Ware gegen
Ware geboten wurde, wo Millionen ihre
letzte Habe gegen Nahrungsmittel tauschen
muþten. Fabrikanten, H"ndler und Erzeuger
waren die Nutznieþer jener Zeit. Und schauen
wir auf den Schluþ des Jahres, dann sind die
Bilder allzu deutlich. Ein groþes Angebot an
Waren jeder Art, ¸bervolle Schaufenster und
Millionen schaffendeMenschen, die nicht ¸ber
die Mittel verf¸gen, um die Ware zu kaufen,
die sie f¸r ihren dringenden Bedarf brauchen.
Wir erlebten die Demonstrationen gegen die
hohen Preise und alle die bitteren Begleit-
erscheinungen, der Warenhortung, derSteuer-
hinterziehung und das Fallen der D"mme
staatlicher Ordnung. Wir erlebten, wie die.
die in der ersten H"lfte des Jahres die Ver-
diener waren, in der zweiten Jahresh"lfte
ohne alle Hemmungen an die Ausbeutung
des Volkes gingen, ohne daþ eine Beh–rde
sie an ihrem Tun hinderte. Es war sogar so,
daþ die Grundsteine dieser Entwicklung in
Frankfurt gelegt wurden, wo man unter allen
Umst"nden eine "freie- Wirtschaft haben
wollte. Bis heute hat man dort noch nicht
den Mut zur Einsicht aufgebracht, trotzdem
man wahrscheinlich nichtalles"einkalkuliert"
hatte. Was liegt zwischen Anfang und Ende?
Ein Jahr reger gewerkschaftlicher Arbeit und
gewerkschaftlichenWollens. Einer Arbeit und
eines Wollens, ¸ber die die Spitzenfunktio-
n"re unserer groþen Bewegung in dieser
Nummer berichten.
Aufw"rts" schlieþt mit dieser Nummer seinen ersten Jahrgang, der
das erste
halbe Jahr seines Bestehens umfaþt. Erf¸llt Eure Jugendzeitung,
was sie bei ihrem
*",.  Erscheinen versprach? Ich glaube mit Euch, diese Frage bejahen
zu d¸rfen. Euer  :5
P:.  "Aufw"rts" hat die Probe bestanden. Nicht, daþ wir in
all und jedem mit ihm zu-
,'"  lrieden waren. Es hat an Kritik nicht gefehlt. Manches h"tten wir, voran
die Kol-
u;   legen der Redaktion, uns vielleicht noch besser, noch wirkungsvoller
denken k–n-
nen. Wir alle m¸ssen noch viel lernen. Kein Baum f"llt auf den ersten
Hieb. Aber
,x"l  eines d¸rfen wir mit Befriedigung feststellen, der "Aufw"rts"
wurde zum Mittel-
,,.  punkt Eurer gewerkschaftlichen Jugendarbeit. Er bem¸ht sich, sie
zu vertiefen und
zu erweitern.
Immer wieder ist es mir eine Freude, zu h–ren, mit welcher Begeisterung
die jun-
gen Kollegen den organisatorischen Ausbau und die geistige Fundierung der
Ju-  E
gendorganisation betrieben, wie sie sich in der gewerkschaftlichen Kleinarbeit
bet"tigten. Ihre Mitwirkung bei der Durchf¸hrung der "Aktion des
gewerkschaft-
;F-=  lichen Willens" war hierf¸r besonders sinnf"lliger Beweis.
:,8   Besonders der Jugend f"llt in dem Ringen um die Hebung und Sicherung
der Ar-  i
'.t  beitsbedingungen der Arbeitnehmer eine groþe Aufgabe zu. Geht
es doch um ihre
ez-1  eigene Zukunft, die trotz der ¸beraus schwierigen Zeitumst"nde
und einer von
innen und auþen schwer ersch¸tterten Wirtschaft den sozialen
Aufstieg der Ar-  i
beiterschaft bringen muþ.
Der "Aufw"rts" will die Erkenntnis vertiefen, daþ das Wirken
der Gewerkschaften
sich nicht in der L–sung der sozialen und sozialpolitischen Probleme
ersch–pft,  ä
4    sondern daþ die Gewerkschaften die groþe historische Aufgabe
zu l–sen haben,  G
die Wirtschaftspolitik entscheidend zu beeinflussen und dem Grundsatz Anerken-
 W
t    nung zu verschaffen, daþ den Arbeitenden als Tr"ger der wertvollen
Arbeitskraft
÷l.  k¸nftig Anspruch auf entscheidende Mitbestimmung bei der
Lenkung der Wirt-
schalt zusteht. Dieser gewaltige gewerkschaftliche Wille, diese groþe
Zielsetzung  X
setzt eine Jugend voraus, die begeisterungsf"hig sich f¸r diese gewaltige
zukunft-  ,.
entscheidende Idee einsetzt.
´    Der "Aufw"rts" soll und will hellen, hierbei Wegbereiter
zu sein. Mit Eurer Hilfe  .t
und Eurer Mitarbeit wird er dieses Ziel auch im kommenden Jahr zu erreichen
*.   suchen. Deshalb Euch allen, meine jungen Freunde, und Eurem "Aufw"rts"
alles
I    , utpe im kommpnde.n Jahr
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C.I
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Frage der Demontage, der Ruhr, der Be-
ratungen in Bonn, des Besatzungsstatuts und
nicht zuletzt das Problem Berlin. Damit ist
die Reihe von Problemen innerhalb Vieutsch-
lands nicht ersch–pft. Auþerhalb Deutsch-
lands nennen wir nur einige Brennpunkte
wie Pal"stina, China, Indonesien, italienische
Kolonien, um nur in etwa anzudeuten, was
der L–sung harrt. Uberblicken wir die Viel-
zahl der Dinge, die wir als Erbe in das neue
Jahr ¸bernehmen muþten und die von Men-
schengeist und Menschenkraft gel–st werden
sollen, dann sind wir uns als junge Menschen
dar¸ber klar, daþ alles nur bereinigt und
gel–st werden kann, wenn man mit neuem
Geist und neuen Methoden an die Dinge
herangeht. Nur so kann uns die Gewiþheit
werden, einen Teil des ¸bernommenen
schweren Erbes aus dem Jahre 1948 liqui-
dieren zu k–nnen.
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     .
E I N E B ITTE R E E R B S C H A FT
Das junge Jahr 1949 hat kein gutes Erbe
¸bernommen. Was das alte Jahr hinterlassen
hat, ist wenig gut und bedeutet eine schwere
B¸rde, die von Anfang an auf den schwachen
Schultern des werdenden Jahres 1949 liegt.
Das Jahr 1948 hat uns eine Menge ungel–ster
Probleme und Konflikte hinterlassen. Kon-
flikte und Probleme innerhalb Deutschlands
und in der ¸brigen Welt. Bei uns harren der
L–sung die Frage der Preise und L–hne, eine
Frage erster Ordnung, die vordringlich ge-
l–st werden muþ, wenn es nicht die soziale
Kluft in Deutschland vertiefen und dadurch
zu schweren sozialen Ersch¸tterungen kom-
men soll. Die Frage des Lastenausgleichs
harrt der L–sung, der L–sung des scharfen
Schnittes, um den Notleidenden und Ge-
sch"digten aller Art Recht werden zu lassen.
Damit im Zusammenhang muþ das Fl¸cht-
lingsproblem genannt werden. Da ist die
Die Insel Java, Sdiauplatz der holl"ndischen
.Polizei aktion          Foto: dpd
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