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Vertriebene, Flüchtlinge, Kriegsgefangene, heimatlose Ausländer : 1949-1952
(1953)

12. Die sozialrechtliche Betreuung der Vertriebenen,   pp. 39-42 PDF (1.3 MB)


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betrieblichen Altersversicherungseinrichtungen, die von den Wahrungsgesetzen
nicht
erfa~t sind und zum grogen Teil Vertriebenen zustehen, in einem gewissen
Ausmas
gesichert.
Vor allem suchte das Bundesministerium fiir Vertriebene fur die durch die
Ver-
treibung besonders schwer getroffenen Frauen und Mutter bestm6gliche Betreuung
zu
sichern. Auf zahlreichen Arbeits- und Schulungstagungen sozialer Fachkrifte
wurde auf
eine einheitliche Durchfuihrung der Fursorge innerhalb der einzelnen Lander
des Bun-
desgebietes hingewirkt. Das Muittergenesungswerk, das durch Gewihrung von
Kur-
und Erholungsaufenthalten vielen heimatvertriebenen Miittern zur Wiederherstellung
ihrer Gesundheit und Arbeitskraft verhilft, wurde von dem Bundesministerium
fur
Vertriebene gef6rdert. Durch Verbindung mit den Wohlfahrtsverbanden und Frauen-
organisationen gelang es, bei besonderen Notstanden einzugreifen und durch
Vermitt-
lung von Arbeitsplatzen den heimatvertriebenen Frauen die M6glidckeit zu
geben, sich
den Lebensunterhalt selbst zu verdienen.
Ebenso trat das Bundesministerium fut Vertriebene fur die Bebebung der Berufs-
not und Arbeitslosigkeit der Jugend besonders ein, die auf der heimatv-ertriebenen
Jugend augergewbhnlich schwer lasten. Dies gilt besonders fur dCe Zusammenarbeit
mit dem Bundesministerium des Innern im Rahmen des Bundesjugendplanes und
die
Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium fur Arbeit in der Frage der Aufnahme
deutscher Jugendlicher in Lehrstellen des Auslandes. Gr5{te Aufizncrksamkeit
wurde
dem Ausbau der den Notaufnahmelagern angeschlossenen Jugendnebenlagern gewid-
met. Sie dienen der Unterbringung der jugendlichen Einwanderer aus der sowjetiscdi
besetzten Zone wihrend der Dauer des Aufnahmeverfahrens.
Vor allem nahm sidh das Bundesministerium fuir Vertriebene der 1800 deutschen
Kinder und Jugendlichen an, die in den letzten drei Jahren aus den polnisch
be-
setztenGebieten und dem Ausland, insbesondere aus Jugoslawien, in dasBundesgebiet
ausgesiedelt wurden. Fur Kinder, die die deutsche Sprache nicht beherrschten,
wurden
im Zusammenwirken mit den Wohlfahrtsverbinden Fbrderschulen mit Heimcharakter
eingeridhtet. Mit den drei fuhrenden Organisationen der heimatvertriebenen
Jugend,
der Deutschen Jugend des Ostens, dem Heimatlosenlagerdienst der CVJM und
der
Akition heimatvertriebener katholischer Jugend wurde standig zusammengearbeitet.
Die im Bundesministerium furVertriebene mitarbeitendeVertretung der UNICEF-
Verbindungsstelle war an den Ma{gnahmen des Kinderhilfswerksfonds der Vereinten
Nationen beteiligt. Dieser spendete seit 1949 Rohstoffe (Leder, Baumwolie,
Wolle) im
Werte von 11,5 Mio. DM fUr deutsche Kinder. Mit einem Betrage von 16 Mio.
DM,
der von den deutschen Lindern, dem Soforthilfefonds und dem Bundzur Verfugung
gestellt war, wurden diese Rohstoffe von deutschen Betrieben zu Schuhen,
Manteln,
Unterwasche und Bettwasche verarbeitet. Auf diese Weise konnten Fertigwaren
im
Werte von uber 35 Mio. DM hergestellt werden. Nach Abschluf des IV. UNICEF-
Hilfsprogrammes werden etwa 2 Mio. Kinder, vorwiegend aus Kreisen der Heimat-
vertriebenen, mit neuen Kleidungsstiidcken versehen sein. Aug~er den genannten
Roh-
stoffen stellte die UNICEF auch Streptomycin im Werte von 500 000 DM sowie
Lebertran und Vitaminkapseln im Werte von 3,1 Mio. DM zur Verfugung, die
an
den gleichen Empfangerkreis verteilt wurden.
Eine weitere Hilfe fUr Heimatvertriebene stellte die vom Bundesministerium
fur
Vertriebene erwirkte 50prozentige Fahrpreisermifligung der Bundesbahn dar.
In den
Jahren 1949 bis 1951 wurden FahrpreisermaIligungsscheine fiir rund 25 Millionen
Fahrten ausgegeben. Fiir die Jahre 1952 und 1953 sind Fahrpreisermagigungsscheine
fur rund 9 Millionen Eisenbahnfahrten vorgesehen.
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