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The History Collection

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Nationale Front des Demokratischen Deutschland / Weissbuch über die amerikanisch-englische Interventionspolitik in Westdeutschland und das Wiedererstehen des deutschen Imperialismus
2. Aufl. ([1951])

5. Der deutsche Generalstab im Aufbau und in Funktion,   pp. 159-168 PDF (3.9 MB)


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,,Zum Aufbau einer Schutzpolizei und ,Schutztruppe' hat sich Graf Schwerin
an
,seine Windhunde', also die Leute seiner fruiheren Division gewandt. Er trat
an
den Vorsitzenden des Bundes der versorgungsberechtigten ehemaligenWehrmachts.
angehorigen und Hinterbliebenen, Admiral a. D. Gottfried Hansen und General
Linde heran. ,Diese beiden Herren haben jedoch in volliger Verkennung der
Situa-
tion eine Art von Regimentsbefehle herausgegeben, die zu diesem ganzen Durch.
einander fuhrten.' " Schwerin wurde Ende Oktober entlassen, sein Stab
arbeitet im
Amt Blank weiter.
Gebruder Speidel & Co.
Auch einige ,,Mitarbeiter" dieses Stabes verdienen eine kurze Charakteristik.
Die
meistgenannten sind die Generale Dr. von Speidel, Heusinger und Generalstabs-
oberst Graf von Kielmannsegg, die ,,auf Grund ihrer besonderen Sachkenntnis
fiber
die russische Kriegfhfirung" in ihre jetzige Stellung berufen wurden.
General Heu-
singer geh6rte der Operationsabteilung des Generalstabes der Naziwehrmacht
beim
Uberfall auf die Sowjetunion an. Bei Speidel kommen noch einige andere Spezialitaten
hinzu, die ihm zu seinem jetzigen Amt verholfen haben. Er ist ,,ein alter
internatio-
nal anerkannter Generalstabsoffizier, der zwischen den beiden Weltkriegen
zuerst
als Militar und spater als Kaufmann lange Zeit in England und Amerika verbracht
hat". (,,Aachener Nacririchten", 10. Oktober 1950.) Speidel hat
also eine ahnliche
Vergangenheit wie Schwerin. Hier ist auch nochmals auf die Amnestierung von
Speidels Bruder, des ehemaligen Generalmajors Wilhelm Speidel, einzugehen.
Drew
Middleton sagte in der ,,New York Times" vom 1. Februar 1951 (siehe
oben) nicht
mit Unrecht, der Fall Speidel sei ,,von speziellem Interesse". Naher
erklart das die
,,Suddeutsche Zeitung", MUnchen, in ihrer Nummer 26 vom 1. Februar 1951,
in der
nicht uninteressante Einzelheiten fiber die Freilassung der Kriegsverbrecher
be-,
richtet werden. Es heiBt da zum Beispiel:
,,Ffir elf Uhr haben Krupps Anwailte eine Pressekonferenz in Aussicht gestellt.
Wahrend der Goggl-Direktor inzwischen den Kruppleuten ein Sektfruihstuick
ser-
viert - ,statt Blumen' -, treffe ich Wilhelm Speidel. Es interessiert mich
zu erfah-
ren, wie ihm zumute gewesen sein mag, als er im Gefangnisgarten Unkraut jaitete,
wahrend sein Bruder mit Amerikanern fiber deutsche Wiederaufrfistung konferierte.
Speidel, 56 Jahre alt, verzieht sein hageres Gesicht zu einem vielsagenden
Grinsen:
,Ich habe in dieser Frage mit meinem Bruder aufs engste zusammengearbeitet.'
Und wenig spater berichtet mir der Landsberger Vertrauensmann der ehemaligen
deutschen Generalitat fiber gewichtige Besprechungen der Gebruder Speidel
im
Landsberger Kriegsverbrechergefangnis. DerVertrauensmann hat auch sogleich
eine
schriftlich fixierte Stellungnahme zur Hand, die zum Ausdruck bringt, daB
man die
Frage der Diffamierung der deutschen Soldatenehre noch lange nicht als abgeschlos-
sen betrachtet."
Auch Wohnungsbauminister Wildermuth geh6rt dem deutsch-alliierten Sicherheits-
ausschul3 an. Er ,hat sich in den Jahren 1919-1920 als Militar- und Polizeichef
bei der Bekampfung von Unruhen bewahrt, ist im zweiten Weltkrieg Oberst und
Ritterkreuztrager gewesen und vereinigt somit polizeiliche, militarische
und poli-
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