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Nationale Front des Demokratischen Deutschland / Weissbuch über die amerikanisch-englische Interventionspolitik in Westdeutschland und das Wiedererstehen des deutschen Imperialismus
2. Aufl. ([1951])

4. Westdeutsche Wirtschaft - Teil der USA-Kriegswirtschaft,   pp. 83-94 PDF (4.2 MB)


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Die Lasten der Aufrfistung tragen die Werktitigen
Die westdeutschen Arbeiter setzen sich um so entschiedener fuir den Frieden
ein, als
sie heute schon am eigenen Leibe spilren, was die Aufruistung fur die Werktatigen
bedeutet. Noch ist die Not, die der zweite Weltkrieg mit sich gebracht hat,
nicht im
entferntesten uiberwunden, und schon beginnt die Not, die durch die Vorbereitung
eines dritten Weltkrieges verursacht wird.
Die gewaltigen Kosten, die heute schon durch die Aufruistungsmalnahmen ver-
ursacht werden, miissen ausschlieBlich von der werktatigen Bev6lkerung West-
deutschlands getragen werden. Die Abwalzung dieser Lasten auf die Massen
geht
vor sich durch die stetige Senkung des Reallohns und die zunehmende Verscharfung
der Ausbeutung der Arbeiter. Hinzu kommen mit wachsender Umstellung auf den
Krieg akute Mangelerscheinungen und bedeutende Qualitdtsverschlechterungen
von
Waren des taglichen Gebrauchs.
Das hysterische Riustungsfieber in den USA und den westeuropaischen Landern
seit
dem amerikanischen Uberfall auf das koreanisclie Volk hat alle Weltmarktpreise
sprunghaft in die Hohe schnellen lassen. Der Index der Preise fuir Grundnahrungs-
mittel ist nach der offiziellen Bonner Statistik folgendermal3en gestiegen:
Steigerung einiger Preise fur Grundnahrungsmittel
Mai 1951 gegenuiber Mai 1950 in v. H.
Roggen   . . . . . . . 48,9 v. H.      Rinder . . . . . . . . 23,5 v. H.
Weizen   .               52,3 v. H.    Schweine . . . . . . . 15,2 v. H.
Nicht anders sieht es mit den Preisen industrieller Erzeugnisse aus. So sind
die
Preise in der Leder- und Schuhherstellung vom Mai 1950 bis Mai 1951 um 27
v. H.
und die Preise fur Textilien und Bekleidung um 44 v. H. gestiegen. Der Brotpreis
lag
Mitte Mai um 34 v. H. uiber dem Preis vom 15. Juni 1950, der Preis von Weizen-
mehl um 57 v. H. und von Schweinefleisch umr mehr als 20 v. H. Die durchschnitt-
lichen Wochenarbeitsverdienste der westdeutschen Arbeiter sind dagegen vom
Marz 1950 bis zum Marz 1951 selbst nach der sch6ngefdrbten Bonner Statistik
nur
um 13 v. H. gestiegen. Sogar der Leiter des lWirtschaftswissenschaftlichen
Instituts
der Gewerksch~aften in Koln und Mitglied des Bundesvorstandes des DGB, Victor
Agartz, sah sich veranlaBt zu sagen:
,Gleichbleibende nominelle Lohne und rapide steigende Preise brachten ein
katastrophales Absinken des Reallohns.' (L6hne, Preise, soziale Hilfe. Von
Victor Agartz. Gewerkschaftliche Monatshefte, K6ln, 2. Jahrgang, Heft 2,
Februar 1951.)
Die Erh6hung der Preise bei fast gleichbleibenden L6hnen ist aber nur ein
Weg
der Senkung des Realeinkommens der Werktatigen. Ein anderer Weg ist die noch
starkere Abwalzung der Steuerlasten auf die arbeitende Bev6lkerung, die von
Bonn
mit den raffiniertesten Mitteln immer weitergetrieben wird. Der Anteil der
einzel-
nen Bev6lkerungsgruppen am Steueraufkommen lIdt sich an Hand der Statistik
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