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Nationale Front des Demokratischen Deutschland / Weissbuch über die amerikanisch-englische Interventionspolitik in Westdeutschland und das Wiedererstehen des deutschen Imperialismus
2. Aufl. ([1951])

3. Die gefährlichsten westDeutschen Kriegshetzertrusts,   pp. 77-82 PDF (2.2 MB)


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schritten haben, was ihre Bedeutung in der gegenwartig in Vorbereitung befindlichen
Aufriistung Westdeutschlands eindeutig zeigt.
Zu den unter den Begriff der UbermIniBigen Konzentration wirtschaftlicher
Macht fal-
lenden Unternehmen, die nach den Beschlussen von Potsdam der Beseitigung
unter-
liegen sollten, geh6rt auch der Hoesch-Konzern. Drei finanzkapitalistische
Familien,
die auch mit zahllosen anderen Unternehmungen eng verknuipft sind, spielen
in ihm
die beherrschende Rolle, die Familie Hoesch, die Familie Werhahn und die
Familie
von Waldthausen. Von hier gehen die Verbindungen zu Krupp, zu den Rheinischen
Stahlwerken, zu der Deutschen Erd6l AG, zur Wintershall AG, zur IG Farben
AG
und zu vielen anderen Unternehmungen. Der Hoesch-Konzern ist in keinem gerin-
geren MaBe ein Kriegsverbrecher-Konzern, wie all die anderen Trusts der Schwer-
industrie. Aber auch er ist in seinem Bestand und seiner Macht durch die
,,Entflech-
tung" in keiner Weise beriuhrt worden.
Das Haus Stinnes
Wer die fiuhirenden Familien des Ruhrgebiets aufzdhlte, ohne die Familie
Stinnes zu
nennen, wuirde einen unverzeihlichen Fehler begehen. Hugo Stinnes der Altere
er-
klarte schon im Jahre 1911:
,,Lassen Sie noch drei bis vier Jahre ruhiger Entwicklung, und Deutschland
ist der unbestrittene wirtschaftliche Herr in Europa. Drei oder vier Jahre
Frieden, und ich sichere die deutsche Herrschaft in Europa."
Bereits vor dem ersten Weltkrieg stellten die Stinnes-Besitzungen ein kleines
Welt-
reich dar. Im ersten Weltkrieg verdiente die Familie an dem Unghick der euro-
pdischen V6lker ungeahnte Summen. Das ,,Jahrbuch fur den Oberbergamtsbezirk
Dortmund" vom Jahre 1923 enthalt folgende Auskunft uiber Stinnes:
,,Schon 1914 wurde das Vermogen von Hugo Stinnes auf hundert Millionen
Goldmark geschatzt, die er wie alle GroBindustriellen(!) wahrend des Krieges
hat vervielfachen k6nnen. Sein heutiger Besitz ist kaum zu beziffern... ohne
Zweifel ein Verm6gen, das in Milliarden von Goldmark geht und dessen Be-
zifferung in heutiger deutscher Valuta eine Zahl ergeben wuirde, wie wir
sie
nur aus der Astronomie kennen... Die Nachwelt wird also vielleicht einmal
die ausfiihrliche Wahrheit erfahren uiber Entstehung und Ausdehnung der
Macht, die alles Vergleichbare - Morgan, Rothschild, Cecil Rhodes, Harri-
man, Carnegie, Rockefeller, Vanderbilt - bisher iibertroffen hat und die
we-
gen ihrer Fabelhaftigkeit bereits der AnlaB zu einer Art Stinnes-Mythenbil-
dung geworden ist."
Der Verfasser dieses Hymnus ist zwar zweifellos selbst ein Opfer des Stinues-
Mythos geworden und hat im SchluBteil seines Artikels betrachtlich Ubertrieben.
Richtig bleibt jedoch, daB Stinnes mit seinen Gewinnen aus dem ersten Weltkrieg
das gr6Bte deutsche Trustgebilde zustande brachte, das es jemals gegeben
hat.
Dieser Trust zerplatzte zwar nach seinem Tode wie eine Seifenblase, es blieb
jedoch
noch genug ubrig, um die Stinnes eine der reichsten Familien Deutschlands
bleiben
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