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The History Collection

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Aufwärts : Jugendzeitschrift des Deutschen Gewerkschaftsbundes (Brit. Zone)
Nr. 13, Jahrgang 1 (December 4, 1948)

H. T.
Im Scheinwerfer,   p. 3 PDF (845.0 KB)


Otto Adler,   p. 3 PDF (845.0 KB)


Page 3


OTTO A D L E R
Und was sagten die Generale?
H.T. Erinnert euch an alles, was gewisse
Kreise, darunter auch Teile des Wirtschafts-
rates, gegen d e 24st¸ndige Arbeitsruhe der
arbeitenden Bev–lkerung sagten. Ruft euch
nochmals ins Ged"chtnis zur¸ck, was da-
mals gegen die Gewerkschaften gesagt und
geschrieben wurde, Wie viele b–se Absich-
ten wurden den Gewerkschaften unterscho-
ben. Unsere Gegner hofften im stillen, die
Milit"rregierungen w"ren vielleicht bereit
gewesen, die Arbeitsruhe zu untersagen
und ihre Politik zu st¸tzen. Nun - einige
Tage nach der gewerkschaftl chen Aktion
sprachen die Generale Clay und Robertson
¸ber die Gefahren deutscher Wirtschafts-
politik. Die Generale nahmen Stellung zu
deutschen Problemen, sie sprachen ¸ber die
Dinge, die uns bedr¸cken und hemmen, sie
hielten mit ihrer Kritik nicht zur¸ck, und
was dabei f¸r den Frankfurter Wirtschafts-
rat herauskam, war kein Lob, sondern Kritik
und Tadel. Die Generale erkl"rten, sie blick-
ten mit Besorgnis auf die Entwicklung der
Preise, auf immer gr–þer werdende Waren-
hortung, auf die mangelnde Steuererfassung.
General Robertson sagte, das Problem der
PreIse m¸sse mit Entschiedenheit in Angriff
genommen werden, Der Wirtschaftsrat habe
durch Aufhebung der Preis- und Waren-
kontrolle die Kluft zwischen Pre sen und
L–hnen vertieft. Das Zweim"chtekontrollamt
verlange von den bizonalen Organen eine
Uberpr¸fung des Lohn- und Preisgef¸ges.
Auch cder Lastenausgleich m¸sse bald kom-
men. Die Last des Leidens m¸sse gleich-
m"þig ve te lt werden. Die Lasten, die der
Krieg ¸ber Deutschland gebracht h"tte,
m¸þten in allen Klassen und auf allen Ge-
bieten ausgeglichen werden. Dies sei eine
soziale Notwendigkeit.
Noch manches mehr sagten die Generale.
Was s'e sagten, unterstre cht in vielen
Teilen die Forderungen der Gewerkschaften.
Es bleibt abzuwarten, welche Wirkungen
die Worte der Generale auf die deutschen
Beh–rden haben. E'gentlEch d¸rfte es nur
eine Konsequenz geben.
Auch die Ern"ihrung
Kommt es im Fr¸hjahr zu einer Ern"hrungs-
kr se? Viele Anzeichen deuten darauf hin.
Auch hier haben die Generale K-itik und
Mahnung ausgesprochen, Die Gewerkschaf-
ten weisen schon selt langem auf die hier
angebahnte Entwicklung hin.
Nach Untersuchungen der Milit"rreg erungen
sollen schon 25 v. H. des deutschen Ge-
tre:des auf dem Schwarzen Markt gelandet
sein. Bis Ende Oktober haben die deutschen
Bauern erst 17 v. H. ih-es Solls abgeliefert.
Wenn nicht schon Getreidereserven zur Ver-
f¸gung gestellt worden w"ren, dann w"re
schon eine K¸rzung der Brotration einge-
treten. Der P-¸fungsber cht sagt weiter, ab
Dezember fehlten monatlich 2000 Gramm an
der vorgesehenen Brotration, trotzdem die
Ernte um 30 v. H. besser sei als im vergan-
genen Jahr. D.e Aussichten, die Brotration
auf der vorgesehenen H–he zu behalten, sind
denkbar schlecht.
F¸r die Bizone werden insgesamt 6,5 Mli.
Tonnen ben–tigt. Davon sollten wir aus
unserer eigenen Ernte 3 Mill. Tonnen auf-
bringen. 3,5 Mill. Tonnen werden durch die
Besatzungsm"chte eingef¸hrt. Wenn nun
deutsche Kreise 25 v. H. der deutschen
Ernte .n schwarze Kan"le leiten, dann kann
die aufgestellte Rechnung nicht aufgehen,
und eines Tages fehlt uns diese Menge zu
unserem t"glichen Brot. Auch hier werden
dann die werkt"tigen Menschen die Not-
leidenden sein, denn ihnen fehlen die M ttel,
sich ¸ber den Schwarzen Markt ihr Brot zu
beschaff en.
K–nnen wir erwarten, daþ die anderen uns
helfen, wenn die deutschen Beh–rden nicht
in der Lage sind, unser Haus in Ordnung
zu halten, wenn d e amtlichen Stellen nicht
in der Lage sind, zu verh¸ten, daþ Schieber
und Profitmacher dem kleinen Mann das
Brot wegstehlen?
Herr Schlange-Sch–ningen wird gezwungen
sein, wie er ank¸ndigte: "Die Erf¸llung der
Ablieferungspflicht  mit  durchgreifenden
Maþnahmen zu erzwingen.
Der argentinische BA.iaenminister 0-arnuglia, der
Mann, der unermua ich bem¸ht ist, mit den be-
teiligten Groþm"chten das Problem Berlin zu
l–sen. Die Welt w¸rde aufatmen, wenn seine Be-
m¸hungen zum Erfolg f¸hren w¸rden
Kleines Kapitel Rundfunk
Es darf offen gesagt werden, der Nordwest-
deutsche Rundfunk hat in den Tagen vor der
24st¸ndigen Arbeitsruhe nicht immer seine
Objektivit"t bewiesen. Die durchgef¸hrte
"Volksbetragung" in den Reportagen, in
denen bewuþt immer von Streik gesprochen
wurde, waren d¸rftig und sehr einseitig. Noch
weniger war gerechtfertigt, am Vorabend der
24st¸ndigen Arbeitsruhe einen Gegner dieser
Aktion zu Worte kommen zu lassen, ohne
gleichzeitig einem Vertreter der Gewerk-
schaften das Wort zu geben. Das verst"rkt
noch mehr den Eindruck bewuþter Einseitig-
keit, und davor sollte man sich h¸ten. Wir
verkennen nicht die Schwierigkeiten, unter
denen sehr oft Rundfunkreportagen durch-
gef¸hrt werden m¸ssen, doch bei grunds"tz-
lichen und entscheidungsvollen Fragen sollte
man mit aller Sorgfalt zu Werke gehen, um
die Waage der tberparteilichkeit im Gleich-
gewicht zu halten.
Der Vorsitzende der Industriegewerkschaft
Chemie, Papier, Keramik, Otto   A d1e r,
Hannover, trat bereits mit 20 Jahren der
gewerkschaftlichen Organisation bei und
wurde drei Jahre sp"ter ehrenamtlicher
Vorsitzender einer Verwaltungsstelle. Seine
gewerkschaftliche Pionierarbeit brachte ihm
–fter Entlassungen durch die Unternehmer
ein, und diese Maþregelungen fanden erst
ein Ende, als Otto Adler im Jahre 1908 die
Verwaltungstelle Flensburg als hauptamt-
licher Vorsitzender ¸bernahm.   Daneben
wurde er auch bald zum Vorsitzenden des
Gewerkschaftskartells gew"hlt. Da Flens-
burg den weiterreichenden Pl"nen des Kol-
legen Adler kein ausgedehnteres Bet"ti-
gungsfeld bot, ¸bernahm Adler im Jahre
1911 die gr–þere Verwaltungsstelle Har-
burg a. d. E. und wurde auch dort recht
bald zum Vorsitzenden des Gewerkschafts-
kartells gew"hlt.
Nach der politischen Umw"lzung im Jahre
1918 wurde der Kollege Adler Vorsitzen-
der der Arbeiter- und Soldatenr"te f¸r den
Reg.-Bez. L¸neburg, und damit Beigeord-
neter des Regierungspr"sidenten. Als beim
Kapp-Putsch im Jahre 1920 die Baltikumer
in Harburg eindrangen, entwickelte sich
zwischen der organisierten Arbeiterschaft
und den Putschisten K"mpfe. Die Verhand-
lungen dar¸ber f¸hrte ebenfalls der Kol-
lege Adler.
Im Jahre 1920 w"hlte der Verbandstag des
Verbandes der Fabrikarbeiter Deutschlands
den Kollegen Adler in den Hauptvorstand,
wo er das Betriebsr"te-Sekretariat ¸ber-
nahm. Seine praktischen Erfahrungen und
sein reichfundiertes Wissen gab er in Lehr-
g"ngen in der im Jahre 1927 errichteten
Verbandsschule in der Wennigser Mark an
die Sch¸ler weiter und hat damit zur Bil-
dung eines Stammes t¸chtiger Gewerk-
schaftsfunktion"re wesentlich beigetragen.
Dieser gewerkschaftlichen T"tigkeit machte
die Naziherrschaft ein Ende. Im Fr¸hjahr
1933 bereits verhaftet und l"naere Zeit im
Gef"ngnis, hat Adler nach seiner Entlas-
sung wiederum versucht, die Verbindung
unter den Gewerkschaftskollegen aufrecht-
zuerhalten. Nach dem 20. Juli 1944 wurde
er erneut verhaftet und in das KZ Neuen-
gamme gebracht. In seiner Gesundheit zwar
beeinfluþt, aber mit ungebrochenem Schaf-
fensdrang, stand der Kollege Adler 1945
nach dem Zusammenbruch wieder an erster
Stelle beim Neuaufbau der Gewerkschafts-
bewegung und ist heute einstimmig ge-
w"hlter Vorsitzender der 1. G. Chemie, Papier,
Keramik. Seiner Initiative war es zu dan-
ken, daþ die miteinander nur lose in Ver-
bindung stehenden Bezirksgewerkschaften
sich auf dem Verbandstag im Dezember
1946 in Harburg zur Industriegewerkschaft
f¸r die britische Zone zusammenschlossen,
und sein Vereinigungsstreben fanddarin seinen
st"rksten Ausdruck, daþ die I. G. Chemie,
Papier, Keramik sich als erste zur Drei-
Zonen-Gewerkschaft zusammenfand.
Die beidenOberbÐrgermelflervon Kiel
Unser Bild zeigt
rechts den alten
Oberb¸rgermeister
Gayk (SPD), wie
er den zweiten
Oberb¸rgermeister
der Stadt Kiel,
Rechtsanwalt Dr.
Jeschke   (CDUt
gra u iert. Bei ei-
nerStimmeng'eich-
heit von 22 :22
f"llten die Frak-
tionen die salomo-
nische  Entschei-
dung, nach der
Oberb¸rgermeister
Gayk nach zwei Jahren f¸r die Restzeit der Amts-
periode von dem CDU-Vertreter Dr. Jeschke ab-
gel–st werden wird.                 Fotos: dpd
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