University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
The History Collection

Page View

Vertriebene, Flüchtlinge, Kriegsgefangene, heimatlose Ausländer : 1949-1952
(1953)

9. Die Arbeitsbeschaffung für Vertriebene,   pp. 29-[34] PDF (1.5 MB)


Page 29

9. Die Arbeitsbesdiaffung f~r Vertriebene
Fur die Mehrzahl der Vertriebenen ist von grbflter Bedeutung, daf ihnen ein
neuer 4auernder Arbeitsplatz beschafft wird.
Wahrend die Vertriebenen rd. 170/, der Bevolkerung der Bundesrepublik aus-
machen, waren sie im Jahre 1949 mit 360/o, zeitweise mit einem noch gr6feren
Anteil,
an der Gesamtzahl der Arbeitslosen beteiligt. Dabei war die Zzhl derjenigen,
die
dauernd (18 Monate und linger) arbeitslos waren, besonders grofl. In diesen
Zahlen
drite sich die Tatsache aus, dal die Masse der Vertriebenen in Gebieten lebte,
die
wegen Mangels an gewerblichen Arbeitsplatzen eine strukturelle Arbeitslosigkeit
auf-
wiesen.
Diese unhaltbare Lage ist auf zwei Wegen bekampft worden. Einmal sind bei
der
Umsiedlung die arbeitspolitischen Gesichtspunkte mehr und mehr iri den Vordergrund
geschoben worden. Zum anderen wurden besondere Anstrengungen unternommen,
um
in den Hauptflucdtlingslindern neue Arbeitsplatze zu schaffen. Als besonders
wirksam
erwiesen sich die von der Bundesregierung durchgefihrten und vom Bundesministe-
rium furVertriebene beeinflultenMaflnahmen, wie dasSchwerpunktprogrammdesJah-
res 1950 (300 Mio. DM), die Programme fur die Sanierung der Notstandsgebiete
und
die Soforthilfedarlehen zur Schaffung von Dauerarbeitsplitzen. Fur die letzte
Aktion
wurden im Jahre 1952 150 Mio. DM gegeben. Es wurden hiervon bis zum 31. 12.
1952
insgesamt 35 461 Arbeitsplitze geschaffen. Etwa zwei Drittel davon wurden
von Ver-
triebenen besetzt.
Das Ergebnis aller dieser Magnahmen ist, dal Ende 1952 der Anteil der Vertrie-
benen an der Zahl der Arbeitslosen nur noch 29,50/. betragt (1949: 360/o).
Damit ist
zwar das Ziel, ihren Anteil auf die gleiche Hohe zu bringen wie den Anteil
an der
Bevolkerung, nodi nicht erreicht. Es ist aber eine Entwidklung eingeleitet
und es sind
Ma~nahmen erprobt, die erwarten lassen, daB bei Anspannung aller Krifte in
abseh-
barer Zeit der angestrebte Erfolg erreidit wird. Ein anderes Ziel besteht
darin, den
Vertriebenen diejenige Arbeit zu besdcaffen, die ihrer Eignung und Vorbildung
ent-
spricht. Bisher haben die Vertriebenen unter dem Zwang der Verhiltnisse sehr
emp-
findliche strukturelle Verinderungen in der Gliederung ihrer Erwerbstitigkeit
hin-
nehmen miussen. In ihren Heimatgebieten waren rd. 350/0 wirtschaftlich selbstandig
oder halfen in der Familie mit. Heute ist der Anteil der wirtscha'ilich Selbstandigen
auf 70/ gesunken. Der Anteil der Unselbstandigen ist dagegen von etwa 650/o
auf 930/i
angestiegen. Dieses Absinken in die wirtschafliche UnselbstindigLeit ist
unerwiinscht
und mulg weiter gemildert werden. Die dabei beschrittenen Wege werden in
dem Ab-
schnitt uiber die Kredite fur die -Existenzgriindung im einzelnen dargestelit.
Die in unselbstandiger Arbeit beschiftigten Vertriebenen sind zu etwa einem
Vier-
tel berufsfremd beschfltigt. Dieser Tatbestand bedeutet einen weiteren sehr
empfind-
lichen sozialen Abstieg. Er stellt darum besondere Aufgaben.
Die Vertriebenen leben hauptsdchlich in Gebieten, in denen die tariflicben
Wochen-
lbhne unter dem Bundesdurchschnitt liegen. Sie sind aulgerdem in der Hauptsache
in
Berufsgruppen tatig, in denen die Lohne am niedrigsten sind. Ihr Anteil an
der Ge-
samtzahl der Beschiftigten in den einzelnen Berufsgruppen ist also um so
hoher, je
niedriger die Tariflbhne sind. Das Bundesfinanzministerium sdiitzte fuir
die Jahre
29


Go up to Top of Page