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Nationale Front des Demokratischen Deutschland / Weissbuch über die amerikanisch-englische Interventionspolitik in Westdeutschland und das Wiedererstehen des deutschen Imperialismus
2. Aufl. ([1951])

6. Die deutsche Stoßarmee - der verlorene Haufe im amerikanischen Krieg,   pp. 168-180 PDF (4.6 MB)


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wichtigste Problem fur die USA sei gegenwartig die Mo-
bilisie rung    Westdeutschlands         fir den    Kampf gegen      den
O s t e n. Der AbschluB des Schuman-Planes und die weitgehende Unterbindung
des
Ost-West-Handels seien als Bekenntnis des westdeutschen Separatstaates zu
den
Notwendigkeiten der ,,westlichen Verteidigungu zu werten. McCloy sagte dann
unter Hinweis auf die Wiinsche der deutschen Imperialisten, er verstehe vollauf,
wenn sie ihren Standpunkt in der Welt noch kraftiger vertreten wollen, und
ver-
sprach ihnen, daB sich die Frage ihrer ,,Gleichberechtigung" von allein
l6sen werde,
wenn Westdeutschland erst einmal aufgeriistet sei.
Noch massiver sprachen sich der stellvertretende amerikanische Hochkommissar,
General G. P. Hays, und sein Adjutant, Oberstleutnant Gerhardt, fiber die
ameri-
kanische Absicht aus, die Remilitarisierung Westdeutschlands um jeden Preis
zu
forcieren und Frankreichs Widerstand zu brechen. Auf einer der wochentlichen
Lagebesprechungen im amerikanischen Hauptquartier in Paris, an denen auch
die
militarischen Vertreter Bonns, General Speidel und Oberst Oster, standig
teil-
nehmen, versicherte Anfang Juli Hays den westdeutschen Vertretern, daB die
USA
nicht gewillt seien, den Widerstand Frankreichs gegen die deutsche Remilitarisie-
rung weiterhin ruhig hinzunehmen. Noch brutaler druickte diese Absicht Oberst-
leutnant Gerhardt aus, der den deutschen Generalen erklarte: ,,W i r w e
r d e n
es nicht mehr langer mit ansehen, wie man euch in das
Pleven-Korsett zu pressen sucht. Spatestens im September
machen wir mit euch ein Atlantik-Militdr-Statut."                 Die
von
der britischen Besatzungsmacht herausgegebene Zeitung ,,Die Weltu berichtet
am
12. Juli unter der Uberschrift ,,Amerikaner drangen auf Tempo" von einer
Reise
McCloys nach Paris und London, um die Widerstande Frankreichs zu brechen.
Wenn esnicht gelinge, ,,das Ergebnis derdeutsch-alliierten
Militargesprache       auf dem    Petersberg     mit den Pariser Be-
sprechungen in Einklang zu bringen, ist mit anderen ameri-
kanischen MaBnahmen in dieser Frage zu rechnen."
Es bedarf angesichts dieses Standes der Dinge keiner weiteren Erklirung,
welche
Ursache das am 13. Juli bekanntgewordene Aufriistungsprogramm der deutschen
Militaristen in Bonn hat. Adenauers ,,militarische Sachverstandige"
haben als
,,Kernforderung" der deutschen Wiederaufriistung zunachst (!) 250000
Mann, in
sechs-Armeekorps gegliedert, vorgeschlagen. Zu diesem Zwecke soll die allge-
meine Wehrpflicht auf der Grundlage einer zweijahrigen Dienstzeit eingefhfirt
werden. Eine taktische Luftwaffe mit zunachst (!) 2000 modernen Jagern und
Bom-
bern soll durch ein Mindestpersonal von 40 000 Mann bedient werden. Diese
For-
derungen sind in einem 40 Seiten starken Memorandum der Bonner Regierung
den
Hohen Kommissaren zugeleitet worden.
Der organisatorische Stand der Remilitarisierung
Im Laufe der Jahre sind den anglo-amerikanischen Kriegsmachern von deutschen
Militarexperten diverse Aufriistungsplane auf Bestellung geliefert 6zw. freiwillig
angeboten worden. Die namhaftesten Lieferanten waren Guderian, Halder, Graf
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