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Nationale Front des Demokratischen Deutschland / Weissbuch über die amerikanisch-englische Interventionspolitik in Westdeutschland und das Wiedererstehen des deutschen Imperialismus
2. Aufl. ([1951])

3. Die gefährlichsten westDeutschen Kriegshetzertrusts,   pp. 77-82 PDF (2.2 MB)


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Bezeichnung ,,Huttenwerk Rheinhausen AG" zusammengefaBt, sind die schwer-
industriellen Interessen Krupps mit den Kohlenzechen der Kruppschen Gewerk-
schaft Rossenray verbunden. Mit ihrer gegenwartigen Jahreskapazitat von 1,8
Mil-
lionen t Rohstahl stellen die Krupps wieder einen ganz beachtlichen Faktor
in der
deutschen Schwerindustrie dar. Sie, die bei der Vorbereitung und Fifhrung
von
zwei Kriegen des deutschen Imperialismus eine gewichtige Rolle gespielt haben,
durfen auf Wunsch der amerikanischen Monopolisten auch bei der Vorbereitung
des dritten Weltkrieges nicht fehlen.
Eine besonders wichtige Rolle in Westdeutschland spielen die Thyssens, obwohl
sie
es gut verstehen, sich in ein geheimnisvolles Dunkel zu hillen. Der verstorbene
Fritz Thyssen, der zweite der Dynastie, der im ersten Weltkrieg und in den
Jahren
zwischen den beiden Weltkriegen eine verhdngnisvolle Rolle in Deutschland
ge-
spielt hatte, schrieb ein Buch ,,Ich zahlte Hitler" (I paid Hitler).
Seiner finanziellen
Unterstiitzung verdankte der deutsche Faschismus seit 1923 in erster Linie
sein Er-
starken. Fritz Thyssen war der Schopfer des deutschen Stahltrusts, an dem
er mit
26 v. H. beteiligt war. Seine Tochter und Erbin, die Grafin Anita Zichy-Thyssen,
lebt
in Buenos Aires und hat ihre ungarische Staatsangeh6rigkeit inzwischen wieder
mit
der argentinischen vertauscht. Die Thyssens waren uiberhaupt grolzuigig in
bezug
auf ihre Staatsbuirgerschaft. Der Bruder des Fritz, Baron Heinrich Thyssen-Borne-
misza, ebenfalls ein ,,Ungar", der ausgedehnte Bergwerksinteressen im
Ruhrgebiet
hat (u. a. Gewerkschaften Walsum und Langenbrahm), lebte meistens in den
Haag.
Sein unmittelbarer Statthalter in Westdeutschland ist Dr. Wilhelm Roelen,
der bei
allen Verhandlungen uiber die Schwerindustrie ein bedeutendes Wort mitspricht.
Als er allerdings vor einigen Jahren nach dem Posten des Leiters der Deutschen
Kohlenbergbauleitung griff, da machten die westdeutschen Werktatigen diesem
typischen Wehrwirtschaftsfiihrer einen dicken Strich durch die Rechnung.
General-
direktor Kost, der an seiner Stelle ernannt wurde, ist allerdings um keinen
Deut
besser als er.
Der Thyssen-Besitz, der jetzt in 12 Betriebsgesellschaften neu organisiert
wird, stellt
nach wie vor die wichtigste Gruppe der westdeutschen Schwerindustrie dar.
Auf sie
entfallt wahrscheinlich nicht viel weniger als 50 v. H. der westdeutschen
Rohstahl-
kapazitat. Die Verbindung von 5 dieser 12 ,,Stahl-Kerngesellschaften"
der Thyssen-
Gruppe mit Kohlenzechen und Kokereien verleiht ihnen in der westdeutschen
Wirt-
schaft ein ganz besonderes Gewicht.
Klockner, Mannesmann, Haniel und Hoesch
Eine machtvolle Gruppe der Schwerindustrie stellen auch die Klbckner-Werke
dar,
deren Interessen jetzt im wesentlichen von dem Schwiegersohn des Hauses Klock-
ner, Dr. Gunter Henle, wahrgenommen werden, der die Familie auch im ,,Bundes-
tag" als CDU-Abgeordneter vertritt.
Der alte Florian Kl6ckner hatte bereits im ersten Weltkrieg unmaBig verdient.
Er
wvar es gewesen, der damals den Abtransport zahlreicher Maschinenanlagen
aus
Frankreich und BeIgien organisiert hatte, um sich zu bereichern. So hatte
er unter
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