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Vertriebene, Flüchtlinge, Kriegsgefangene, heimatlose Ausländer : 1949-1952
(1953)

8. Die ländliche Siedlung für Vertriebene,   pp. 27-28 PDF (584.7 KB)


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8. Die lAndlidie Siedlung ffr Vertriebene
Unter den Vertriebenen befanden sich rund 450 000 Landarbeiter. Da die Land-
wirtschaft in der Bundesrepublik unter einem empfindlichen Mangel an Arbeitskriften
litt, sind diese Landarbeiter, soweit sie nicht in der Industrie Beschaftigung
fandcn,
sehr rasch aufgenommen worden. Sie sind zu einem wesentlichen Teil an dem
Auf-
stieg der landwirtschaftfichen Erzeugung in- Westdeutschland seit 1945 beteiligt.
Anders ist die Lage der fast 300 000 bauerlichen Familien, die alb Vcrtriebene
nach
Westdeutschland kamen. Ihr Hauptanliegen ist, wieder auf eigenem Grund und
Boden
seighaft zu werden. Durch das schon 1949 geschaffene Fliichtlingssiedlungsgesetz
ist der
Anreiz geschaffen worden, vertriebenen Bauern Land zur VerfUgung zu stellen.
Es
sind bis zum 31. Dezember 1952 uiber 35 000 landwirtschaftliche Betriebe
mit einer
Gesamtfliche von 265 000 ha an Heimatvcrtriebene verkauft oder langfristig
verpach-
tet worden. Um diesen Erfolg zu erzielen, multen 564 Mio. DM an offentlichen
Mit-
teln aufgebracht werden. Davon leistete der Bund einschlieelich der hierfuir
bereit-
gestellten Soforthilfemitteln rund 343 Mio. DM. Durch die Aufbaudarlehen
nach dem
Lastenausgleichsgesetz und durch den Titel Landwirtschaft im Lundesvertriebenen-
gesetz sind die Voraussetzungen geschaffen worden, um weitere vertriebene
biuerliche
Familien seghaft zu machen. Beriicksichtigt man zum Ergebnis der durch das
FlUcht-
lingssiedlungsgesetz geforderten Magnahmen noch die vor seiner Geltung vorgenom-
menen Existenzgriindungen in der Landwirtschaft, dann kommt man auf eine
Zahl
von uiber 40 000 vertriebenen Bauern, die wieder - wenn auch oft in bescheidenen
Verhaltnissen - sefihaft gemacht worden sind.
Im Jahre 1952 ist diese Entwicklung dadurch verlangsamt worden, daf fur die
Ver-
starkung der alliierten Truppen im Bereich der Bundesrepublik ein zusitzlicher
Land-
bedarf entstand. Hinzu kam die Ungewigheit uiber die Auswirkungen des Lasten-
ausgleichsgesetzes auf die steuerlichen Vergiinstigungen, die nach dem Fluchtlingssied-
lungsgesetz den Landabgebern gewahrt wurden und die gleiclfalls ungewisse
Zukunft
des Fliichtlingssiedlungsgesetzes selbst. Das Bundesministerium fur Vertriebene
hat da-
her besondere Sorgfalt darauf verwandt, die Bestimmungen des Fiiichtlingssiedlungs-
gesetzes innerhalb des Bundesvertriebenengesetzes in geeigneter Weise neu
zu fassen.
Neben den steuerlichen Vergiinstigungen fur die Landabgeber sieht das Bundesver-
triebenengesetz in seinem landwirtschaftlichen Titel fur 5 Jahre die Bereitstellung
von jihrlich 100 Mio. DM an Haushaltsrrmitteln fur die Neusiedlung vor, desgleichen
jdhrlich 100 Mio. DM Darlehen des Lastenausgleichsfonds an die Linder, unbeschadet
der nach dem Lastenausgleichsgesetz zu gewahrenden jahrlich auf 200 Mio.
DM  zu
veranschlagenden Eingliederungsdarlehen. Damit werden die Vorauwsetzungen
fur eine
verstarkte Forderung der Ansiedlung von heimatvertriebenen Landwirten gegeben
sein. In der Deutschen Siedlungsbank, die inzwischen wieder ihre Tatigkeit
aufgenom-
men hat, wurde der lindlichen Siedlung neben der fur die Refinanzierung zustindigen
Deutschen Landesrentenbank die geeignete Finanzierungsorganisation zur Verfugung
gestellt, welche insbesondere auch die Ansiedlung von Vertriebenen fordern
wird.
Alle diese Magnahmen tragen dem Umstand Rechnung, da1l gerade bei den
vertriebenen Bauern hbchste Eile geboten ist, wenn sie und ihre Familien
nicht dem
angestammten Beruf entfremdet werden sollen.
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