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Vertriebene, Flüchtlinge, Kriegsgefangene, heimatlose Ausländer : 1949-1952
(1953)

6. Die Umsiedlung der Vertriebenen zwischen den Bundesländern,   pp. 19-22 PDF (1.2 MB)


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6. Die Umsiedlung der Vertriebenen zwisdien den BundeslAndern
Wahrend die aus den Gebieten 5stlich der Oder-Neige-Linie, aus Polen, aus
der
Tschechoslowakei (insbesondere den Sudetengebieten), aus Ost- und SUdosteuropa
aus-
gesiedelten Deutschen und die naufgenommenen' Zuwanderer aus der sowjetisch-
besetzten Zone seit 1949 planmiifig auf das Bundesgebiet verteilt werden,
sind die vor
und nach Kriegsende (bis 1949) vertriebenen Deutschen vollig ungeordnet in
das
jetzige Bundesgebiet hereingestromt. Der letzte Verlauf der Kampffronten
und die
starken Zerstorungen in den westlichen Industriegebieten brachten es mit
sich, dafi
die Vertriebenen gri5Btenteils in den unzerstdrten Bezirken der Lander Schleswig-
Holstein, Niedersachsen und Bayern ein vorlaufiges Unterkommen fanden. Es
han-
delt sich um etwa 6 Mio. (1. 10. 1946) von rund 7,7 Mio. im Jahre 1949 (jetzt
8,2 Mio.)
Heimatvertriebene.
Diese ungleichmiflige Verteilung (z. B. 1949 Schleswig-Holstein 35,30/o und
Rhein-
land Pfalz 2,7 0/o Vertriebene an der Zahl der Gesamtbev6lkerung) brachte
es mit sich,
daB in den Hauptfliichtlingslndern fur viele Vertriebene keine Arbeitsmbglichkeiten
vorhanden waren. Da wegen der Wirtschaftsstruktur dieser Linder auch nicht
ge-
nugend Arbeitsmoglidhkeiten geschaffen werden konnten, wurde eine Umsiedlung
der Vertriebenen auf Grund freiwilliger Meldung notwendig. Das setzte in
den
ubrigen Landern die vorherige Beschaffung von Wohnraum   und fur die arbeits-
FNhigen Vertriebenen die M6glichkeit einer wirtschafllichen Eingliederung
voraus.
Die Lander versuchten bereits seit 1947 zu einem U0bereinkommen uber die
Durch-
fuhrung dieser Umsiedlung zu gelangen und haben auch in geringem AusmaB das
Anlaufen der Umsiedlung erreicht. Erst das Grundgesetz von 1949 schuf die
Mog-
lichkeit, nach Entstehen der Bundesrepublik einen spurbaren Bev6lkerungsausgleich
aus den Hauptfliidctlingslandern (Abgabelandern) in die ubrigen Lander des
Bundes-
gebietes (Aufnahmelinder) durdhzufUhren.
Die Bundesregierung ordnete durch Verordnung vom 29. 11. 1949 in dem
Ersten Umsiedlungsprogramm die Umsiedlung von 300000
V e r t r i e b e n e n an. Aus Schleswig-Holstein sollten 150 000 Vertriebene
und aus
Bayern und Niedersachsen je 75 000 Vertriebene unter Anrechung der seit dem
1. 4. 1949 von den Undern schon ubernommenen Vertriebenen wie folgt verteilt
werden:
Bremen                       2 000
Hamburg                      5 000
Hessen                       8 000
Nordrhein-Westfalen         90 000
Rheinland-Pfalz             90 000
Baden                       48 000
Wiirttemberg-Baden           8 000
Wiirttemberg-Hohenzollern   49 000
Noch vor Beendigung dieses Programmes wurde durch das Gesetz vom 22. 5. 1951
ein Zweites Umsiedlungsprogramm in Angriff genommen. Es wurde
durch das Gesetz vom 23. 9. 1952 geandert und erganzt und sieht die Umsiedlung
von w e i t e r e n 3 0 0 0 0 0 V e r t r i e b e n e n vor. Dabei werden
alle Personen-
gruppen, insbesondere auch die Renten-, Pensions- und Firsorgeempfanger,
in die
Umsiedlung einbezogen. Das Zweite Umsiedlungsprogramm war veranlaft durch
den
BesehluB des Bundestages vom 4. 5. 1950, weitere 600 000 Vertriebene umzusiedeln.
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