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Vertriebene, Flüchtlinge, Kriegsgefangene, heimatlose Ausländer : 1949-1952
(1953)

3. Die heimatlosen Ausländer und sonstigen ausländischen Flüchtlinge,   pp. 9-11 PDF (1.1 MB)


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3. Die heimatlosen AusIlander und sonstigen auslandisdhen FlIichtlinge
Zur Zeit der Kapitulation befanden sich etwa acht Millionen ,Verschleppter
Per-
sonen und FlUchtlinge" (DP's) im Bundesgebiet.
Dieser Personen nahm sich zunichst die UNRRA und spater die IRO an. Die mei-
sten Auslander kehrten freiwillig in ihre alte Heimat zuriick. Viele Osteuropaer
aber
glaubten aus politischen oder anderen Gruinden diesen Sdhritt nicht wagen
zu konnen.
Die IRO setzte sich besonders fur die Auswanderung nach Obersee ein und konnte
bis zum Herbst 1951 etwa 900 000 DP's aus Deutschland zur Auswanderung ver-
helfen. Zu den Unkosten der UNRRA und IRO steuerte die Bundesregierung
2,5 Mrd. Mark bei. Am 31. 1. 1952 stellte die IRO ihre Titigkeit im Bundesgebiet
endgiultig emn.
Bereits am 30. 6. 1950 hatte die Bundesregierung die Betreuung der im Bundes-
gebiet befindlidhen DP's ubernommen. Richtschnur fiir diese Arbeit wurde
das Gesetz
uiber die Rechtsstellung heimatloser Auslander im Bundesgebiet vom 25. 4.
1951.
Dieses Gesetz hat im Ausland grofle Anerkennung gefunden und geht zum Teil
jiber
die Bestimmungen der UNO-FlUchtlingskonvention vom 28. 7. 1951 hinaus.
Die Bundesregierung ist sich ihrer besonderen Verantwortung gegentiber den
DP's
bewuflt. Da die Massenauswanderung der DP's wegen der erschwerenden Bestimhmun-
gen der Aufnahmelander jetzt als nahezu beendet angesehen werden mug, tritt
nun
das Ziel der Bundesregierung, die DP's in das deutsche Wirtschaftsleben einzugliedern,
starker in den Vordergrund. Es handelt sich zur Zeit um etwa 200 000 Personen,
von
denen noch 45 000 in Lagern und Heimen untergebracht sind. Voraussichtlich
werden
80 000 bis 100 000 alte und erwerbsunfaihige AuslHnder, die nicht mehr in
das Wirt-
schaftsleben eingegliedert werden konnen, als sogenannter ,harter Kern"
standig in
Deutschland bleiben.
FUr Eingliederungszwecke werden Existenzaufbaudarlehen aus einem Fonds bei
der Lastenausgleichsbank gegeben. Die von der IRO zur Verfugung gestellten
1,5 Mil-
lionen DM haben sich als unzureichend erwiesen. Daher steilte die Bundesregierung
einen Zusatzbetrag von 2 Millionen DM zur Verfugung. Aus Restguthaben der
IRO
sollen noch einige Millionen DM gegeben werden. Die Ausgaben fur 6ffentliche
Fur-
sorgeunterstiitzung betrugen 35 Millionen DM allein in den Haushaltsjahren
1950
und 1951.
Es wird versucht, eine grofere Zahl heimatloser Auslander zu ihrer eigenen
besse-
ren Eingliederung in die deutsche Wirtschaft und zur Entlastung der Lander
Bayern,
Niedersachsen und Schleswig-Holstein auf Grund freiwilliger Meldung in die
fibrigen
Lander umzusiedeln. FUr den mit der Umsiedlung verbundenen Wohnungsbau sind
von der Bundesregierung bisher 2 Millionen DM bereitgestellt. Ferner wurden
bereits
fUr heimatlose Auslander als Ersatz fur geraumte Kasernen und aufgelhste
Lager
Wohnungen im Werte von etwa 100 Millionen DM geschaffen.
Etwa 50 000 DM wurden der Vertretung des UNO-FlUchtlingskommissars zur
kulturellen Betreuung der unter seinem Mandat stehenden FlUchtlinge aus Bundes-
mitteln uiberwiesen. Soweit die heimatlosen AuslHnder noch in Lagern wohnen,
stehen ihnen auch dort Kindergarten und Schulen zur Verfuigung. Um den heimat-
losen Auslandern das Einleben in Deutschland zu erleichtern, gab das Bundes-
ministerium fur Vertriebene einen ,,Ratgeber fUr heimatlose Auslander heraus.
Auf Landesebene wurden DP-Beirate und Arbeitsgemeinschaften gebildet, in
denen
neben Beh6rden und karitativen Verbanden auch die heimatlosen Auslander ver-
treten sind.
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