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Vertriebene, Flüchtlinge, Kriegsgefangene, heimatlose Ausländer : 1949-1952
(1953)

1. Die Entstehung des Bundesministeriums für Vertriebene und Seine Aufgaben,   pp. 3-4 PDF (854.9 KB)


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1. Die Entstehung des Bundesministeriums ffr Vertriebene
und seine Aufgaben
Als die Bundesrepublik Deutsdhland im Jahre 1949 gebildet wurde, befanden
sidi
auf ihrem Gebiet aug~er der einheimischen Bevolkerung rund neun Millionen
Heimat-
vertriebene, FlUcbtlinge aus der sowjetischen Besatzungszone, heimatlose
Auslinder
(vorwiegend DP's) und politiscbe Flichtlinge aus dem Auslande. In dem durcb
Krieg
und die Kriegsfolgen verwiisteten Gebiet bedeutete die Eingliederung dieser
Menschen,
die zum ganz uberwiegenden Teil jeden Besitz verloren hatten, eine ganz augerordent-
lich schwierige Aufgabe.
Die DP's und andere politischen FlUihtlinge waren bis 1947 von der UNRRA,
seither von der IRO betreut worden. Die Fursorge fUr die deutscben Heimatver-
triebenen sahen die Besatzungsmicbte zunichst als rein deutsche Angelegenheit
an.
Sie lag in den Handen der Linder des jetzigen Bundesgebiets. Diese hatten
sich schon
im Jahre 1947 bemiiht, in der Bizone durch eine Arbeitsgemeinschaft der Linder-
Fliidtlingsverwaltungen in Stuttgart die Aufgabe mit einheitlichen Planungen
zu Ibsen.
Die schweren Bombenschiden in den Industriegebieten hatten es zunichst unmog-
lich gemacbt, die Heimatvertriebenen dort unterzubringen, wo potentielle
Arbeits-
statten fUr sie vorhanden waren. Es muften vielmehr Gegenden gewihlt werden,
in denen mehr Wohnraum erhalten geblieben war, also lindliche Gebiete. Am
meisten
belastet waren die Linder Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bayern. Dort
fehlten-
,    aber Arbeitsplitze in ausreichender Zahl.
Die Vertriebenen erwarteten Wohnung und Arbeit, Mbglichkeit der Existenz-
-griindung, sozialrecbtliche Betreuung und Entschbdigung fur ihre Verluste.
Besonderer
Fiirsorge bedurften vor allem die Frauen und Kinder. Es liegt auf der Hand,
daB diesc
V Aufgaben die organisatorische Zusammenfassung aller Anstrengungen im ganzen
Ge-
biet der heutigen Bundesrepublik verlangte. Es wurde daher schon zu Beginn
des
jahres 1949 innerhalb des Verwaltungsrats des vereinigten Wirtschaftsgebiets
in Frank-
furt/Main ein Amt fUr Fragen der Heimatvertriebenen geschaffen.
Bei der Bildung der Bundesrepublik Deutschland wurden diese Aufgaben einem
besonderen Bundesministerium  fur Vertriebene Ubertragen. Es ubernahm  auch
die
Aufgaben der Gescbiftsstelle der Arbeitsgemeinschaft der westdeutschen Linder
fur
Kriegsgefangenen- und Heimkehrerfragen. Im Jahre 1951 wurde ihm eine Verbin-
dungsstelle zu dem Lande Berlin angeschlossen.
Das Bundesministerium fUr Vertriebene hatte zum ganz iuberwiegenden Teil
die
Interessen der Vertriebenen auf Sacbgebieten zu vertreten, fur die ihm selbst
die
Federfuhrung nicht zustand. Dadurcb wurde die Arbeit sehr erscbwert. In Unkenntnis
der Regelung des Grundgesetzes, das die Durchfiuibrung der Gesetze grundsitzlidc
den Landern ubertragt, wendeten sich zahllose Vertriebene und FlUcbtlinge
mit ihren
Einzelanliegen an den Bundesminister, bei dem sie alle Vollmachten vermuteten.
Audi
bei soldben Einzelantrigen wurde, zum mindesten durch Beratung, geholfen.
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