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Nationale Front des Demokratischen Deutschland / Weissbuch über die amerikanisch-englische Interventionspolitik in Westdeutschland und das Wiedererstehen des deutschen Imperialismus
2. Aufl. ([1951])

4. Westdeutsche Wirtschaft - Teil der USA-Kriegswirtschaft,   pp. 83-94 PDF (4.2 MB)


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4. Westdeutsche Wirtschaft - Teil der USA-Kriegswirtschaft
Die faschistische Aufriistung hatte die deutsche Wirtschaft seit 1933 vollkommen
auf
das Geleise der Kriegswirtschaft gelenkt. Nur die Zweige der Wirtschaft wurden
gefbrdert und durften sich beschleunigt entwickeln, die dem Kriege dienten,
wahrend
alle Zweige der Friedensindustrie durch Investitionsverbote, Rohstoffentzug,
Ver-
weigerung von Arbeitskraften und Krediten sowie durch direkte Stillegungen
an
ihrer Entwicklung und Ausdehnung, ja sogar an der Ausnutzung ihrer Kapazitaten
gehindert wurden. Die Verbrauchsguiterindustrien waren weit hinter den kriegs-
wichtigen Industrien zuriickgeblieben. Nach dem Ende des Krieges ware es
somit
notwendig gewesen, eine grundlegende Strukturwandlung in der deutschen Wirt-
schaft, eine entschiedene Wendung auf die Friedensindustrien vorzunehmen.
Eine
soiche Wendung war um so dringender, als die Bevolkerung Westdeutschlands
gegen-
fiber der Zeit vor dem Kriege urn etwa 20 v. H. zugenommen hatte.
Erhaltung der Kriegswirtschaft
Was geschah in Wirklichkeit? Lassen wir noch einmal einige Passagen aus den
Untersuchungen des Kilgore-Aussdhusses in Washington folgen:
,,Mr. Nixon: Er (Mr. Dodge, der Direktor der Finanzabteilung der amerika-
nischen Militarregierung) hatte gewisse Schwierigkeiten mit General Draper,
dem Direktor der Wirtschaftsabteilung, im Hinblick auf gewisse IG-Farben-
Betriebe.. . besonders die Giftgasfabrik unten in Gendorf, wo er (Dodge)
dar-
auf gedrangt hatte, daB diese Fabrik sofort ffir Reparationen und Zerstorung
frei gemacht und die Erzeugung abgebrochen werden sollte, General Draper
andererseits bestand darauf, daB es notwendig sei, die Produktion in der
Gendorfer Fabrik mindestens noch fur eine gewisse Zeit fortzusetzen.
Der Vorsitzende: Was ffir eine Produktion wurde dort durchgefuihrt?
Mr. Nixon: Sie produzierte ein Frostschutzmittel Sie hatte walhrend des Krie-
ges ein Frostschutzmittel als Nebenprodukt von Senfgas hergestellt, das dort
produziert wurde, und es war der Wunsch von General Draper, die Arbeit
dieser Fabrik mit der Erzeugung des Frostschutzmittels fortzusetzen.
Der Vorsitzende: War es notwendig, daB sie auch Senfgas herstellten?
Mr. Nixon: Nein, obgleich die Kapazitat, das zu tun, vorhanden war.
Der Vorsitzende: Sie konnte uber Nacht auf Senfgas umgestellt werden?
Mr. Nixon: Jawohl, die grundlegenden Einrichtungen blieben unverandert,
(Kilgore Committee, S. 1560-1561)
Im Jahre 1945 brauchte das deutsche Volk bekanntlich nichts notwendiger als
ein
Frostschutzmittel! Diese Aussage zeigt ganz deutlich, daB es den amerikanischen
Kriegstreibern vom Schlage eines Draper darum ging, die kriegswichtigen Zweige
der deutschen Industrie moglichst unverandert zu erhalten, urn sie in einem
Kriege
gegen die Sowjetunion benutzen zu konnen. Daran hat sich seitdem nichts geaindert.
Die Fabrik Anorgana in Gendorf 1st auch heute noch unverandert in der Lage,
Gift-
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