University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
The History Collection

Page View

Drews, Richard; Kantorowicz, Alfred, 1899- (ed.) / Verboten and verbrannt, deutsche Literatur 12 Jahre unterdr├╝ckt
([1947])

Ernst Blass,   p. 24 PDF (286.7 KB)


Page 24


ERNST BLASS
Schrieb  vorwiegend  Lyrisches  (,,Die
Strale komme ich entlan, geweht", ,,Die
Gedichte vom Sommer und Tod"). Er ist,
von den Nazis verfemt, vor einigen Jah-
ren In Deutschland gestorben. Aus der
seinerzeit von Rudolf Kayser herausge-
gebenen Anthologie ,,VERKtJNDIGUNG"
stammt das hier abgedruckte Gedicht:
Nun herrschen fiber Ihn der Fremde Geister,
Und nur der Wind ist ein bekannt Geleit.
Nun ist er abgeschieden und verwaister
Als jemals in erwunschter Einsamkeit.
Ihn fuhrten fort die unsichtbaren Meister,
Und selbst ihr Hohn verlieB ihn vor der Zefl
Nun schrillt im Walde blinder und ergreister
Baumstdmme uiber ihm der Wolken Streit.
Ein wandernd Wesen mit verlorenen Sinnen
Ist seine Seele, von der Not verheert,
Rufen der Angst hebt an, ihm zu entrinnen . . .
Da aber wird die Trostung neu gewahrt:
Des Echos Antwort tbnt nach klemner Weile
Wie eine ferne Botschaft von dem Heile.
ERNST BLOCH
Sein erstes Werk: i,Geist der Utopie",
eigenwillig in der philosophischen Auf-
fassung und im Stil, blieb den meisten
unbekannt; eine andere Schrift: ,Durch
die Wtiste", nicht minder geistreich wie
sein Hauptwerk und eine Art geistiger
Bestandaufnahme der Zeit vor 1933 in
Form   einer  Auseinandersetzung   mit
Spengler und anderen Popular-Philo-
sophen, blieb ebenfalls nur einem klemen
Leserkreis vorbehalten. Viel bekannter
wurde seine Biographie: ,,Thomas MWin-
zer". Im Exil schrieb er u. a. ,,Erbschaft
dieser Zeit" und ,,Freiheit und Ordnung".
Das philosophische Gesamtwerk Ernst
Blochs, das 16 his 18 Bande umfassen
wird, harrt der Herausgabe in Deutsch-
land; es wird ihn als einen der groien,
richtungweisenden Denker unserer Epoche
legitimieren. In seinem Werk ,,GEIST
DER UTOPIE" schreibt der 1885 in Lud-
wigshafen Geborene Uiber Gustav Mahler:
Ganz anders wird uns bei Mahler zumute, diesem heftigen, strengen, JO-
dischen Mann. Noch immer reic en die Ohren nicht aus, um mit diesem
GroBen zu fuhlen und ihn zu versXehen. Er gilt immer noch wesentlich nur
als der bedeutende Dirigent, und mancher elende Zeitungsschreiber wagt
durnhaus ohne Schamrote zu fragen, ob Mahler uberhaupt dazu berufen war,
zu oromponieren, als ob es sich hier um die funf oder sechs schwankenden
Lei-
stungen eines Harmonieschuilers handelte. Fast keines der symphonischen
Werke wird aufgeftihrt; und wenn es Seschieht, dann bleibt das Ergebnis
zumeist ein verlegenes Schweigen oder aber jenes bodenlos gemeine Ge-
schwatz vom Mahlerschen Jtideln oder Scheintitanentum, mit dem sich die
sonst alles genietenden Strohwische vor der ihnen freilich artfremden Rein-
heit des Ernstfalles zurechtfinden. GewiB, er ist nicht mtihelos, auch wollen
wir nicht sagen, daB der gesucht simple und deutschtuimelnd sentimentale
Kram vieler Mahlerschen Lieder, vor allem die aus des Knaben Wunderhorn,
24


Go up to Top of Page