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Aufwärts : Jugendzeitschrift des Deutschen Gewerkschaftsbundes (Brit. Zone)
Nr. 15, Jahrgang 2 (July 16, 1949)
Twain, Mark
Das mexikanische Pferd, pp. 10-11
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Ich faþte den Entschluþ, ein Pferd zu be- sitzen. ich wollte reiten. Niemals zuvor hatte ich auþerhalb des Zirkus eine so groþartige, wilde, freie Reitkunst gesehen, wie diese malerisch gekleideten Mexikaner, Kalifornier und mexikanisierten Amerikaner sie t"glich in den Straþen von Carson vorf¸hrten. Wie sie ritten! Ein wenig nach vorn geneigt, leicht und nonchalant, die Krempe ihrer Schlapph¸te vorn nach oben geschlagen, die lange Riata ¸ber den Kopf schwingend, so stoben sie wie der Wind durch die Stadt. Im n"chsten Augenblick waren sie nur noch eine dahinsegelnde Staubwolke in der fernen W¸ste. Ritten sie im Schritt, dann saþen sie stattlich und mit Grazie im Sattel aufrecht und schienen mit dem Pferd wie verwachsen. Ich hatte schnell gelernt, ein Pferd von einer Kuh zu unterscheiden, und war begierig. noch mehr zu lernen. Ich war entschlossen, ein Pferd zu kaufen. Als mir der Gedanke noch im Kopf herum- ging, kam ¸ber die Plaza der Versteigerer auf einem schwarzen Biest angeritten, das so viele H–cker und Kanten an seinem K–rper hatte wie ein Dromedar. Es war scheuþlich, aber es sollte "f¸r zweiundzwanzig" fort- gehen! - -,Pferd, Sattel und Zaumzeug f¸r zweiundzwanzig Dollar, Gentlemen!" Ich konnte nicht widerstehen. Ein Mann den ich nicht kannte - wie sich sp"ter herausstellte, war es der Bruder des Versteigerers -, bemerkte den sehnsuchts- vollen Blick in meinen Augen und stellte fest, daþ es zu diesem Preis ein sehr beacht- liches Pferd sei. Schon der Sattel allein sei das Geld wert. Es war ein spanischer Sattel mit wuchtigen Tapidaros aus plumpem Soh- lenleder. "Ich kenne das Pferd - ich kenne es genau", sagte er. "Sie sind fremd hier, nicht wahr? Und so k–nnten Sie vielleicht glauben, es sei ein' amerikanisches Pferd. Aber ich ver- sichere Sie, das ist nicht der Fall. Entschul- digen Sie, daþ ich so leise spreche, aber an- dere Leute k–nnten uns h–ren, es ist ohne Zweifel ein echtes mexikanisches Pferdl" Ich wuþte nicht, was ein echtes Pferd ist, aber es lag etwas in den Worten dieses Mannes, das mich innerlich schw–ren lieþ: entweder ein echtes Pferd besitzen oder sterben. "Hat es noch andere Vorz¸ge?" fragte ich. Er steckte den Zeigefinger in die Tasche meines Milit"rhemdes, f¸hrte mich beiseite und fl¸sterte mir nachdr¸cklich ins Ohr: "Es ¸bertrumpft alles in Amerika!" "F¸r vierund- zwanzig und einen halben Dollar, ein ech-" "Siebenundzwanzig!" rief ich in wilder Be- geisterung. "Und ist verkauft!- sagte der Versteigerer und ¸bergab mir das echte mexikanische Pferd. Ich konnte vor Entz¸cken kaum an mich halten. Ich bezahlte und stellte das Tier in einem benachbarten Ausspann zum Fressen und Ausruhen ein. Am Nachmittag f¸hrte ich das Tier auf die Plaza, ein paar B¸rger hielten es am Kopf, andere am Schwanz, als ich aufsaþ. Sobald sie loslieþen, stellte es alle vier Beine zu- sammen, dann lieþ es das Hinterteil sinken, schnellte pl–tzlich in die H–he und wippte mich drei oder vier Fuþ hoch in die Luft. Ich kam wieder herunter, landete auf dem Sattel, flog im gleichen Augenblick nach oben, lan- dete dieses Mal auf dem Sattelknopf, schoþ nach oben und blieb auf dem Pferdehals h"ngen - alles im Zeitraum von drei oder vier Sekunden. Dann richtete es sich auf und stand beinahe kerzengerade auf den Hinterbeinen, w"hrend ich verzweifelt seinen mageren Hals umklammerte, in den Sattel zur¸ckglitt und mich dort hielt. Als es wie- der herunterkam, warf es sofort die Hinter- beine mit einem ekelhaften Ruck in die Luft und stand auf den Vorderf¸þen. Als es wie- der auf allen vieren stand, begann es mit der ersten Ubung und warf mich in die H–he. Als ich zum dritten Male in die H–he fuhr, h–rte ich einen Fremden sagen: "Ach, wie es bockt!" Als ich gerade in der Luft war, gab jemand dem Pferd einen klatschenden Hieb mit einem Lederriemen, und als ich landete, war das echte mexikanische Pferd nicht mehr da. Ein junger Mann aus Kalifornien jagte hinter ihm her, fing es ein und fragte mich, ob er nicht einmal reiten d¸rfe. Ich erlaubte ihm diesen Luxus. Er bestieg das Echte, fuhr ein- mal in die Luft und bohrte ihm, als er her- unterkam, die Sporen in die Seiten, worauf das Pferd wie ein Telegramm davonraste. Es brauste wie ein Vogel ¸ber drei Z"une und verschwand auf der Straþe nach Washoe Valley hinab. Mit einem Seufzer setzte ich mich auf einen Stein und legte, einem nat¸rlichen Impuls folgend, eine Hand auf meine Stirn, die an- dere auf meinen Leib. Niemals zuvor war ich mir so sehr der K¸mmerlichkeit der mensch- lichen Maschine bewuþt, denn ich h"tte noch gut eine oder zwei H"nde mehr haben k–nnen, um sie woandershin zu legen. Die Feder kann nicht beschreiben, wie sehr ich zerstoþen war. Die Phantasie kann sich keinen Begriff machen, wie sehr ich ausge- renkt war, wie ich innerlich, "uþerlich und ¸berhaupt aus allen Fugen gerissen, durch- einandergesch¸ttelt und gebrochen war. Eine mitf¸hlende Menge stand um mich herum. Ein "ltlich aussehender Tr–ster sagte: ..Fremdling, Sie sind reingelegt worden. Jeder in diesem Lager kennt das Pferd. Jedes Kind, jeder Indianer h"tte Ihnen sagen k–nnen, daþ es bockt. Es ist der aller- schlimmste Teufel auf dem ganzen ameri- kanischen Kontinent. H–ren Sie auf mich. Ich bin Curry, der alte Curry, der alte Abe Curry. Obendrein ist es durch und durch eine ganz waschechte, verfluchte mexika- nische Schindm"hre und eine ganz besonders gemeine dazu. Weshalb haben Sie sich nicht zur¸ckgehalten. Sie Ungl¸ckswurm. Sie konnten doch ein amerikanisches Pferd f¸r nur wenig mehr kaufen, als Sie f¸r dieses blutige, alte ausl"ndische lberbleibsel ge- geben haben.' Ich r¸hrte mich nicht. Aber ich nahm mir vor, sollte der Bruder des Versteigerers be- graben werden solange ich mich noch in dieser Gegend aufhielt, dann wollte ich alle anderen Verpflichtungen zur¸ckstellen und an der Beerdigung teilnehmen. Nach einem Galopp von sechzehn Meilen kamen der junge Mann aus Kalifornien und das echte mexikanische Pferd wieder In die 3tadt zur¸ck. Mit Schaumflocken bedeckt wie der Gischt, der vor dem Taifun daher- treibt, ging es nach einem letzten Satz ¸ber eine Schiebkarre und einen Chinesen vor dem "Ranch" vor Anker. Was f¸r ein Keuchen und Schnauben! Welch ein Offnen und Schlieþen der roten Pferde- n¸stern! Wie gl¸hten die wilden Pferde- augen! War das stattliche Tier nun unter- jocht? Es war es nicht. Der Regierungs- sprecher glaubte, es sei an dem und bestieg das Pferd, um zum Kapitol zu reiten. Der erste Satz, den das Vieh tat, ging ¸ber einen Stapel von Telegraphenstangen, halb so hoch wie eine Kirche. Die Wegzeit bis zum Ka- pitol, - eine Entfernung von eindreiviertel Meilen - ist bis zum heutigen Tag unge- schlagen. Aber es machte sich seinen Vor- teil zunutze, es lieþ n"mlich die ganze Meile fort und lief nur die Dreiviertelmeile. Das heiþt, es jagte querfeldein und zog Z"une und Gr"ben den Windungen der Straþe vor. Als der Sprecher beimKapitol anlangte, war er nach seinen Worten so lange in der Luft gewesen, als h"tte er einenAusflug zu einem Kometen gemacht. Am Abend kehrte der Sprecher zu Fuþ zu- r¸ck, um sich Bewegung zu machen, und hatte das Echte hinten an einen Quarzwagen gebunden. Den n"chsten Tag lieh ich das Tier dem Regierungsschreiber, der die sechs Meilen hinab zur Silbermine von Dana reiten wollte. Auch er kehrte, um sich Bewegung zu machen, zu Fuþ zur¸ck und lieþ das Pferd angebunden nachkommen. Jeder, dem ich es lieh, kam zu Fuþ zur¸ck, weil die Betreffen- den auf andere Art und Weise nicht genug Bewegung bekommen konnten. Immer noch verlieh ich das Tier an jeden, der es leihen
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