University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
The History Collection

Page View

Vertriebene, Flüchtlinge, Kriegsgefangene, heimatlose Ausländer : 1949-1952
(1953)

10. Die Kredite für Vertriebene,   pp. 35-38 PDF (1.2 MB)


Page 35

10. Die Kredite fiir Vertriebene
Die Bundesregierung stand im Herbst 1949 der Tatsache gegenuiber, dag von
den
Vcrtriebenen nur ein versdhwindend geringer Prozentsatz (etwa 5 O/o) wirtschaftlid
selbstindig war, wahrend vor der Vertreibung 35°/o Selbstindige oder
mithelfendc
Familienmitglieder gezahlt wurden. Sie muf3te daher ihre Bestreben darauf
richten,
die seit 1945 begriindeten selbstindigen Existenzen zu festigen und daruber
hinaus
mbglicist vielen Vertriebenen zur Selbstandigkeit zu verhelfen. Bei den Gewerbe-
treibenden und freiberuflich Tatigen mufte fur eine besondere, m6glichst
umfang-
reiche Kredithilfe gesorgt werden. Ober die lindlichen Siedlungen ist bereits
im Ab-
sdhnitt 8 berichtet worden.
Angesichts der Entwicklung, die die Kreditwirtsdhaft seit Jahrzehnten genommen
hat, stellte sich als das Kernproblem die Notwendigkeit heraus, fur die Vertriebenen
Personalkredite zu besdiaffen, da sic ja in der Regel uiber Sidcerheiten
fur Real-
kredite nicht verfiigten. Eigenkapital war nur ausnahmsweise und in ganz
unzu-
reichender H6he vorhanden. Um diese Gesidtspunkte zu verwirklichen ergriff
das
Bundesministerium fUr Vertriebene die Initiative, eine besondere Bank fUr
Vertrie-
benenkredite zu grunden. Sic konnte am 12. 5. 1950 errichtet werden.
Vor der Errichtung der Bundesrepublik hatten die Linder den Kreditbedarf
der
Vertriebenen nur zu einem geringen Teil decken k6nnen. Auch die Bundesrepublik
konnte zunichst bei weitem nicht alle Bedurfnisse der Kreditsuchenden befriedigen.
Seitdem jedoch die Marshallplan-Verwaltung iiberzeugt werden konnte, den
Kredit-
bedarf der Vertriebenen in seiner wirtschafflichen Bedeutung positiv zu beurteilen,
wuchsen allmahlich audi die Betrige, die der Vertriebenen-Bank zur Weitergabe
an-
vertraut wurden.
Im einzelnen wurden folgende Kredit- und BUrgschafts-Magnahmen durchgefiihrt:
Aus den ECA-Investitionsprogrammen I und II wurde 1950 und 1951 ein Betrag
von 75,5 Mio. DM freigegeben, aus dem 2050 gewerbliche Unternehmer Kredite
zwischen 5000 bis 100 000 DM erhielten. Im Rahmen des Arbeitsbeschaffungspro-
gramms 1950 wurden 62 Mio. DM Kredite an Vertriebene gewihrt. tOber die Halfte
entfiel auf 4174 Kleinkredite bis zu 30 000 DM. Aus der Existenzaufbauhilfe
bekamen
77 741 Vertriebene bis zum 31. 12. 1952 Darlehen zur Begriindung oder Festigung
selbstindiger gewerblicher oder freiberuflicher Existenzen in eine IHahe
von 287,3
Mio. DM. Zur Schaffung von Dauerarbeitsplatzen wurden bis zum 31. 12. 1952
899
gewerblichen Betricben von Vertriebenen 46,7 Mio. DM Darlehen fur 14 566
neu zu
schaffende Arbeitsplitze bewilligt. Fur Kredite an Vertriebene und anerkannte
poli-
tische FlUchtlinge aus der sowjetischen Besatzungszone wurden in Berlin aus
Mitteln
des ERP-Sonderverm6gens 5,5 Mio. DM bercitgestellt, aus denen Kleinkredite
bis zu
5000 DM gewahrt wurden.
Aus dem ECA-Investitionsprogramm II wurden der Lastenausgleichsbank 17 Mio.
DM fur einen Garantiefonds iuberwiesen, mit dessen Hilfc sie 900/oige Ausfallburg-
schaften fur Betriebsmittelkredite iibernahm. Auf Grund des Gesctzes uiber
die
Ybernahme von Sicherheitsleistungen und Gewdhrleistungen zur Forderung der
deutschen Wirtschaft vom  21. 7. 1951 wurde eine RUckbUrgschaft gegenuber
der
Lastenausgleicisbank Ubernommen, die ihr die Gewahrung weiterer Burgschaften
er-
m6glichte. Schlieglich hat audi das Hauptamt fur Soforthilfe der Lastenausgleichsbank
65 Mio. DM zur VerfUgung gestellt, die als Liquiditatshilfen fur Kredite
gegen tGber-
nahme der AusfallbUrgschaften verwendet wurden.
35


Go up to Top of Page