University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
Link to University of Wisconsin Digital Collections
The History Collection

Page View

Drews, Richard; Kantorowicz, Alfred, 1899- (ed.) / Verboten and verbrannt, deutsche Literatur 12 Jahre unterdr├╝ckt
([1947])

Friedrich Wolf,   pp. 181-182 PDF (548.7 KB)


Page 181


FRIEDRICH WOLF
Wurde 1888 In Neuwied am Rhein ge-
boren. Wolf studierte Medizin und Kunst-
geschichte, nahm  als Bataillonsarzt am
Weltkrieg teil und kampfte auf seiten der
Arbeiterschaft gegen das Freikorps Lilt-
zow. Seine frtihen Dramen waren ,,Kolonne
Hund" und ,,Der arme Konrad". Einen
groBen Btihnenerfolg errang' er mit Cyan-
kali", ,dem  gegen den Parragraphen 218
kampfenden Zeitsttick; es ging tiber viele
in- und auslandische Btlhnen. 1933 emi-
grierte Wolf nach der Schweiz, spAter
nach Frankreich, schlieBlich nach Ruoi-
land. 1934 Premiere von ,Professor Mam-
lock" in ZMrich. Das Drama, inzwischen
wie ,,Doktor Wanner" und ,,Beaumar-
chais" auch in Berlin uraufgefilhrt, ging
1934 i1ber viele auslaindische Bilhnen. -
Anschliel3end eine Szene aus dem Sehau-
spiel ,Professor Mamlock" (im Aufbau-
Verlag). Der Nazikommissar der Klinik
von Professor Mamlock hat den Arzten
der chirurgischen Station ein verleumde-
risches Protokoll gegen Mamlock vor-
gelegt. Mit zynischen und erpresserischen
Drohungen sucht er ihre Unterschrift
gegen Wahrheit und besseres Wissen zu
erzwingen. Die Arzte schwanken, aber Dr.
Seidel, Mamlocks Freund und Patient, geht
als erster zur Unterschrift an den Tisch.
Seidel (hilflos): Dal man am Volksganzen mitarbeiten will, das kann und
muZ jeder unterschreibeh. (Geht zum Tisch.)
Mamlock: Lies, Werner, lies, w as du unterschreibst!!
Seidel (Uber dem Protokoll, hilt inne): Sei kein Dogmatiker, Hans, du
kannst nicht mit dem Kopf durch die Wand, du kannst nicht an gegen
solch tiberwdltigende Mehrheit, begreifst du das nicht, Hans?
Mamlock (sieht ihn an).
Seidel (mit Brustton): Schlie~lich, man hat auch noch eine Verantwortung,
die Verantwortung fUr seine Familie, fMr uiber hundert Arbeiter, fUr
die Abonnenten, fur die Mflentliche Meinung...
Mamlock: Und die Verantwortung fur die Wahrheit, Werner, fMr die Wahr-
heit, fUr die Gerechtigkeit, fUr die Wissenschaft ? !
Dr. Hirsch: Wenn Sie so weiterreden, Herr Professor...
Mamlock (gliihend): Wie? Ihr zittert, ihr wollt nicht kdmpfen, ihr meint,
man kann mit weichen Knien durch die Reihen der Gegner schleichen,
man kann den Kampf vermeiden? Ihr tfuscht euch! (Mit ganzer Kraft.)
Wenn ihr dieses Protokoll untersclireibt, so unterschreibt ihr euer
eigenes Urteil! Aus eurer Feigheit wird der Gegner sich neue Waffen
schmieden. Denn kein gr6Beres Verbrechen gibt es, als nicht kfimpfen
wollen, wo man kdmpfen muB!! Menschenskinder, ich beschwdre euch,
werft euch nicht kampflos weg!!
Seidel (in Angst): Still, Hans, du gibst deinen Gegnern ja nur recht.
Dr. Hellpach: Merken Sie das jetzt erst?
Dr. Hirsch (gegen Mamlock): Tatsfchlich, die Regierung kann sich unmdg-
lich in dieser Weise provozieren lassen.
Dr. Carlsen: Wir alle haben unser M6glichstes getan.
Dr. H2!sch: Nicht nur sich selbst, uns alle bringen Sie durch solche bolsche-
wistische Reden in die furchtbarste Gefahr!
Mamlock (ausbrechend): Gefahr, Gefahr... Ihr Feiglinge, gefressen werdet
ihr noch alle wegen eurer Feigheit, mit Recht gefressen! W6g mit euch!
Schreibt doch, ihr Feiglinge, schreibt, schreibt euer Urteil!


Go up to Top of Page