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The History Collection

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Drews, Richard; Kantorowicz, Alfred, 1899- (ed.) / Verboten and verbrannt, deutsche Literatur 12 Jahre unterdr├╝ckt
([1947])

Ernst Weiss,   p. 174 PDF (290.5 KB)


Page 174


Dudillier nicht mehr imstande set, seine Flohe zu ernahren, well die Nazis
den Franzosen auch das letzte Trbpfchen Blut aussaugten; daran war die
Aufforderung gekntipft, die frechen Eindringlinge aus dem Lande zu jagen.
Dudillier wurde als aufriihrerisches Element verhaftet, in das Besatzungs-
gefangnis von Vincennes gebracht und bei der ersten Gelegenheit als Geisel
erschossen.
ERNST WEISS
1884 in Brtlnn geboren, schrieb die Ro-  der". Weig, elner der groilen
Erzthler
mane   ,,Galeere", ,Tiere in  Ketten",  deutscher *Sprache, endete
durch Selbst-
,,Mensch gegen Mensch", den  Balzac-  mord im Exil beim Einmarsch der
Deut-
Roman ,,MXnner in der Nacht", die No-  schen in Paris. - Hier eine Probe
aus
velle ,,Feuerprobe"  Sein bedeutendstes  seinem seinerzeit bei Fischer
erschienenen
Buch ist: ,,Georg Letham, Arzt und Mbr-  Roman ,,MENSCH  GEGEN MENSCH":
Das Gesicht Miladas erstarrte wie Zement im RegenguB des Athers. ,,Skal-
pell!" Aus dem harten Kristall einer alkoholgefiillten Schale schnellte
ein
weichgebauchtes Messer wie ein spitzer Fisch.
Ein breiter Schnitt zerklaffte das Fleisch.
,,Es blutet nicht. Leider blutet es nicht. Der Blutdruck ist minimal. Vorsicht
bei der Narkose. Luft dringt hervor. Dreckige Geschichte. Hier: das Instrument
des Selbstmordes. Vorwarts: Rippenschere!" Leise zerkrachte die Rippe
im
blitzenden GebiB der Rippenschere.
Alfred hielt seine Hand auf die Lippen Miladas, die erhartet waren Im
Regengul3 des Athers.
,,Sie schlaft, du schlafst!"
,,Der Herzbeutel... hier. Vorwdrts, Pean! Kropfsonde!" Ein Finger aus
Nickel bohrte sich leicht in die enge Offnung, eine Schere klappte auf in
dunkelrotem Gerinsel, ein abgefangenes Tier, aufzuckend Im Takt, lag frei,
das Herz.
,,Der Puls?"
,,Nichts !"
,,Vorwarts, Kochsalz!" Aus elektrisch geheiztem Bassin stflrzte Kochsalz,
aut 37 Grad erwarmt, nieder auf die Wunde, Blut verspruhend in einer Se-
kunde. ,,Los! Fixation des Herzefis!" Ein silberglanzender Seidenfaden
schlangelte sich ab von rosaroter Porzellanspule, eine krumme Nadel bil3
scharf hinein in die Spitze des Herzens, am Fadenztigel zog man das Herz
heraus aus seiner Hbhle.
,,Schneller! Vorwarts! Ho6her! Noch etwas ... gut! Hier blutet es. Finger
In die Wunde! ... Erste Naht! Troikartnadel! Seide, nicht Catgut! Einser-
seide! Gut - weg mit der Hand! Die zweite Naht! Schere! Gut. Gaze! Die
dritte Naht! Gut - Puls?"
,,Nicht!"4
,,Den Herzzugel fort!" Nieder senkte sich das Herz In seine Hohle.
,,Nun ?"1
,,Nichts !"
,,Vorwavrts! Adrenalin! Einserspritze, diinnste Kanile!"
Farbloses Gift zischte ein in das Herz.
,,Der Puls!1' sagte Alfred: ,,Der Puls: eins ... eins... zwel... drel..."
,,Schlu13 der Wunde! Ein Glasdrain, Hautnaht, Schere, Gaze! Narkose:
Sehlu13! Jede Stunde eine Spritze Kampfer! Verband. Jemand bleibt dauernd
bei thr. Audieu, meine Herren!"


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