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The History Collection

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Drews, Richard; Kantorowicz, Alfred, 1899- (ed.) / Verboten and verbrannt, deutsche Literatur 12 Jahre unterdr├╝ckt
([1947])

Bodo Uhse,   pp. 165-166 PDF (574.8 KB)


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Erzwungne Taten, noch so laut getan,
Verdorren wie der Zweig, von dem du sprachst.
Tochter:
Du hast geboren und zur Welt gebracht
Undn atmest doch wie wir, kein Merkmal sagt's.
Getragnes Leid und slBerlebte Wonnen,
Um die ich dich aus tiefster Brust beneide,
Durchadeln dich und zwingen mich zu dir.
Mutter:
LalB dich dem Strome, Kind, er wird dich tragen,
Wie er schon vor dir alle Weiber trug;
0 komm zu uns, dem Kreis der Schicksalsschwestern,
Dem dieses Daseins Odem fortzubilden
Beglucktes Dulden war, der seine Stirne
Nie hadernd gegen Schicksals Willen hob.
Altester Sohn:
Da steht ihr beide vor mir, armverschlungenl
Braucht' ich wie ihr nur Krafte wirken lassen,
Ich macht's euch nach und stierte in die Sterne!
Die Frucht im Garten, die ich oft befiuhlte,
Wenn sie im Mondlicht kulhl in meiner Hand
Ganz unbeweglich lag, und dann am Morgen
Taufrisch geschwellt, so sonnenwarm ergluhte, -
Lehrt mich den Abstand zwischen mir und allem,
Was still in seiner Reife wachsen darf.
BODO UHSE
1904 in Schlesien als Sohn eines Offiziers  erst in franz6sischer Ubersetzung
in Paris
geboren. Er nahm am Kapp-Putsch teil,  erscheinen. AuBerdem  schrieb er eine
war aktives Mitglied der Hitlerbewegung  Autobiographie: ,,S61dner und Soldat".
und wurde wegen seiner Verbindung mit  Uhse wird aus Mexiko nach Deutschland
der revolutionaren Bauernbewegung aus  zurtlckkehren. Im August 1934 erschien
der NSDAP ausgeschlossen. 1930 trat er  in der Zeitschrift des Schutzverbandes
der KPD bet, emigrierte 1931 und wurde  Deutscher Schriftsteller, Sektion
Frank-
1934 ausgebtlrgert. Er nahm  am Krieg  reich, ein OFFENER BRIEF Bodo Uhses
gegen Franco-Spanien teil und schrieb im  an den Hauptschriftleiter der ,,Schleswig-
Exil den Roman ,,Leutnant Bertram".   Holsteinischen  Tageszeitung",
 Willy
Sein neuer Roman ,,Wir S6hne" wird zu-  Ehlers, Itzehoe; daraus hier
eine Probe:
,,Heute sitzen Sie auf meinem Platz. Ich beneide Sie nicht darum. Damals,
als ich ging, sprach ich Ihnen guten Glauben zu. Ich will Ihnen sagen, Willy
Ehlers, daB das heute nicht mehr so ist. Sie haben das Spiel lange genug
mit-
gemacht, Sie arbeiten nicht nur in der Zeitung, sondern auch in der Organi-
sation. Sie sehen und wissen, was los ist. Sie sind trotzdem Hauptschrift-
leiter der Schleswig-Holsteinischen Tageszeitung geblieben. Ich sah Ihr Bild
in der ,,NS-Landpost" unter den Teilnehmern einer Agrartagung. Was haben
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