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The History Collection

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Drews, Richard; Kantorowicz, Alfred, 1899- (ed.) / Verboten and verbrannt, deutsche Literatur 12 Jahre unterdr├╝ckt
([1947])

Fritz von Unruh,   pp. 162-165 PDF (888.1 KB)


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Ich bin Verwaltungsbelrat selt drel Wochen.
Ieh will ja nicht auf meine Wurde pochen -
Ich bild mir gar nichts ein ...
Und doch ist das Gefluhl so sch6n, zu wissen:
Sie konnen mich ja gar nicht missen
In mein Verein.
Da drauBen bin Ich nur eln armes Luder.
Hier bin Ich Ich - und Mann und Bundesbruder
In vollen Relh'n.
Hoch Ober uns, da schweben die Statuten.
Die Abendstunden schwinden wie Minuten
In mein Verein.
In mein Vereln werd Ich erst richlig munter.
Aul die, wo nichi drin sind, seh ich hinunter-
was kann mit denen sein?
Stolz weht die Fahne, die wir mutig tragen.
Au) mich konn' sie ja ruhig ,,Ochse" sagen,
Do wer ich mich bestimmt nicht erst verteldigen.
Doch wenn sie mich als Mitglied so beleidigen ...l
Dann steigt mein deutscher Gruppenstolzl
Hoch Stolze-Schreyl Frel Heill Gut Holzi
Hier lebe Ich.
Hier will Ich elnst begraben sein
In mein Vereln.
FRITZ VON UNIRUH
Wurde 1885 geboren und schrieb 1912 sein
erstes Drama ,Offiziere", dem 1913 sein
Schauspiel ,,Louis Ferdinand, Prinz von
PreuBen" und der schon 1916 geschriebene,
aber erst nach dem deutschen Zusam-
menbruch veroffentlichte ,,Opfergang" so-
Wie die Bilhnenstticke ,,Ein Geschlecht".
,,Platz" und ,,Sttlrme" foigten. Der Kriegs-
freiwillige hatte sich im Fegefeuer der
Zeit zu einem feurigen Antimilitaristen
gewandelt. Er wurde zum konsequenten
Pazifisten, der flr Frieden und Volker-
verstandigung eintrat; in seinen ,Reden"
(1924) und in dem Rechenschaftsbericht
seiner Reisen nach Frankreich und Eng-
land: ..Flilgel der Nike" ermahnt er die
Jugend, zur Freiheit des Geistes zu
Mutter:
0 schau die Mensehen
streben, die ,von dem Getter des Ehr-
geizes, der Geldgier, des Hasses, der
Rache" zu erlosen vermioge. 1926 schrieb
Unruh das Drama .,Bonaparte", spater
Lustspiele wie: ,,Phaa", die Komodie aus
der Welt des Tonfilms. 1932 schied Unruh
aus der Dichterakademie aus und ging
nach Frankreich. 1940 wurde er ins Lager
gebracht. Er entwich und gelangte nach
den USA. Im Exil schrieb er verschiedene
Dramen, darunter: ,,Charlotte Corday'
und ,,IHauptmann Werner". Sein in New
York erschienener Roman: ,,Noch sind wir
nicht am Ende" wurde von der amerika-
nischen Presse als das Meisterwerk eines
Genies bezeichnet. - Aus seiner Tra-
godie ,,EIN GESCHLECHT" eine Szene:
neben dir doch an,
wie sie In Demut ihre Tage leben
und nicht erlahren wollen, was du willst; -
doch leben sie begluckt. Bin frommer Spruch
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