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The History Collection

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Drews, Richard; Kantorowicz, Alfred, 1899- (ed.) / Verboten and verbrannt, deutsche Literatur 12 Jahre unterdr├╝ckt
([1947])

Alfred Mombert,   pp. 119-120 PDF (584.8 KB)


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Apparat mit einigen wenigen Griffen in elner geheimen Zelle irgendwo auf
der Welt zum Aufbau oder zur Vernichtung gelenkt werden kann, wenn
der Mensch, der diese Griffe bedient, ein Verbrecher ist, ein Unhold, ein
Luzifer, was dann?.
ALFRED MlOMBRERT
Das Gesamtwerk dieses Einsamen, der   tischen  Trilogie ,.Aon', des Gedicht-
vor 1933 der preufischen Dichter-Aka-  werkes  ,Der Denker" wurde 1872
in
demie angehorte und dessen Bilcher spd-  Karlsruhe geboren. 1940 wurde er
von
ter verboten wurden, eine mythologische  der Gestapo  verschleppt, spater
von
Schopfung von heute noch kaum zu er-  Freunden in die Schweiz gerettet, wo
er
messender Tiefe, wird hoffentlich eines  1942 gestorben ist. -  In einer
BE-
Tages wieder siahtbar werden. Mombert.  TRACHTUNG, die vor 1933 in der ,Lite-
der Dichter der ,Schbipfung", der drama-  rarischen Welt" erschienen
iet, hei~t es:
Wer statt am Flu13 im Bergwald spaziert, der gerit manchmal vor einen
Ameisenhaufen. Gerade hat eim boser Junge in diabolischer Chaoslust mit
seinem Stecken darin herumgestochert und sich dann in die Biische verzogen.
Nun geht es hier drunter und drdiber! Die Ameisen rennen irrsinnig durch-
einander. Erst vorwarts - dann rulckwarts. Wer die Ameisensprache ver-
steht, kann sie jammern h6ren: ,,Das Weltall eingesturzt", ,,Untergang
des
Abendlandes", ,,Kulturbruch", ,,Keine Schonheit mehr".
Kommt man nach einer Weile wieder dort vorilber, so ist schon wieder
alles in Ordnung gebracht und neu aufgebaut; und das Ameisenleben geht
seinen geregelten Gang.
Die ,,Herrscher fiber die Naturkrafte": die Herren 'Europaer: -  Soliten
sle unfahiger sein?--
*
Aus dem selnerzeit ersphienenen Auswahlband von !vormberts Lyrik hier eine
kurze Probe:
Ich war nicht Haupt und nlcht Hand,
Ich war ganz Feuer, Glut und Brand.
Ein Wagen rollte uber die Wogen,
Hingestreckt lag ich bewul3tlos drinnen,
Nur das Brausen des Meeres drang zu meinen Sinnen,
Und die grauen Tiere, die mich uberflogen,
GroB wie fruhe Morgenewigkeit.
Und der Glanz dann unter den spritzenden Rdderbogen.
Ich lag in ungelormten Sch6pfungstuirmen.
Noch war kein Gew6lbe aufgerichtet,
Mein Auge ins tiefe Innere gerichtet.
Ich horte die schweren Wogen des Geistes
Brausend an unsichtbare Kusten sturmen.
Manchmal: ich wuBte, meine Lippe glanzte.
Manchmal: ich fihlte, wie mein Augenlid sich hob.
Dann sah ich einen brennenden Scheiterhaufett;
Hochdrauf ein nacktes Weib in Posaunenpracht.
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