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The History Collection

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Drews, Richard; Kantorowicz, Alfred, 1899- (ed.) / Verboten and verbrannt, deutsche Literatur 12 Jahre unterdr├╝ckt
([1947])

Klaus Mann,   p. 112 PDF (324.2 KB)


Page 112


KLAUS MANN
Jahrgang 1906. Sohn Thomas Manns. Mit
19 Jahren verbffentlichte er sein erstes
Buch: ,,Vor dem Leben". Weitere Bticher:
,.Der fromme Tanz", ,,Anja und Esther",
,Kindernovelle", ,.Rundherum" (das Buch
von der Weltreise mit seiner Schwester
Erika Mann). Im FrUhjahr 1933 emi-
grierte er und grtAndete in Amsterdam
die erste deutsche Emigrantenzeitschrift:
.Die Sammiung" (unter dem Protektorat
von Andre Gide, Aldous Huxley und
Heinrich Mann). Im Exil (Kalifornien)
schrieb er u. a. den Schitisselroman
..Mephisto" (der Titel zielt auf Grtind-
gens) und den unter Emigranten spielen.
den Roman    ,Der Vulkan'. In   seinem
vor 1933 erschienenen Buch: ,,AUF DER
SUCHE NACH EINEM WEG" untersucht
Mann unter anderem die politische Men-
talitat der damaligen deutschen Jugend.
Die Frage, wie die Jugend von heute die Zukunft will, Ist also - das wissen
wir schon - nur unter der Voraussetzung zu beantworten, daB ein sehr
groBer Tell der Jugend iiberhaupt nichts will. Diese haben an Lacheln,
Atmen, Schreiten genug, urn es poetisch zu sagen. In Wahrheit brauchen sie
aber auBer dem Lacheln und Atmen auch sehr oft noch das Radaumachen,
Unruhstiften und alle Art der gefiahrlichsten und provozierenden Gaudi. Das
Ist nicht so sehr die Schuld dieser schlichten Jugend, als die Schuld derer,
denen sie leider haufig in die Hande fallt. Eine nicht denkende Jugend Iconnte
etwas sehr Liebenswertes und Anmutiges sein; anders steht es schon mit
einer Jugend, die, unter bosern EinfluB, etwas absolut Falsches denkt. Ihrer
ganzen Natur nach wollen also die meisten jener einfachen jungen Leute,
die in Deutschland die Hauptgarde einer so beangstigend angewachsenen
Rechtspartei bilden, uberhaupt keine Zukunft, sowenig wie das Fillien auf
der
Weide. Zukunft-Wollen setzt ja schon eine fast tragische Differenziertheit
des Gehirns voraus. Die Kreatur will den Augenblick, an dem sie genug hat.
Statt sich dieses kostlichen Vorrechts zu freuen, ladt sie sich heute den
Wilen
zu einer Zukunft aufschwiitzen, die deshalb gar keine sein kann, weil sie
mit
aller Sicherheit zum Abgrund fuhrt. So ist eine Situation geschaffen, die
wir
schwerer ertragen als irgendeine andere denkbare; unter der wir bitterer
leiden. Die naturgegebene Front - Alter gegen Jugend - hat jede Aktualitat,
jeden Sinn verloren. Die Front gestaltet sich in unserem Lande so, dal der
Tell der Jugend, der denkt und deshalb auch eine Zidkunft will, scharf gegen
den anderen Teil der Jugendi steht, der von Natur aus gar nicht denkt, jetzt
aber leider In Ansichten gedrangt worden Ist, die nur zu einem Ziel fiihren
konnen: zu einem  neuen Kriege und zum   Untergang der europaischen
Zivilisation.
ERIKA MANN
Das ailteste der sechs Kinder von Thomas
Mann. Ging zu Reinhardt und kam spa-
ter ans Staatstheater in Mtinchen. Vor-
her gewann sie bet einem zehntalgigen
Autorennen durch Europa den ersten
Preis, heiratete Grtlndgens, wurde aber
bald wieder geschieden. 1933 itoh sie in
die  Schweiz, zog   eine  antinazistische
Revue ,,Pfefiermitihle" auf und nut ihr
durch Europa. Daraufhin wurde ste von
den Nazis ausgebtirgert. Sie ging als
Vortragsrednerin in die USA, schrieb
eine  Reihe   von   Btichcrn  (darunter
,,Schdle for Barbaren" und .Das andere
Doutschland"). 1945 kam sie als Korrespon-
dentin fitr amerikanische Blktter nach
Deutschland zurtck; inzwischen ist Erika
Mann wieder nach Amerika heimngekehirt.


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