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The History Collection

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Drews, Richard; Kantorowicz, Alfred, 1899- (ed.) / Verboten and verbrannt, deutsche Literatur 12 Jahre unterdr├╝ckt
([1947])

Friedhelm Kemp,   p. 88 PDF (215.6 KB)


Page 88


,,Keine besonderen feindlichen Verluste. Man findet die Batterien ver-
lassen. Aber dahinter stehen neue."
,,Und der -  Geist der Truppe?"
,,Herrlich- wunderbar, wie immer. Kampfen bis zur Erschopfung. Ohne
ordentliche Verpflegung, seit Wochen ohne Ablbsung . . ."
,,Einzelne Divisionen nur noch Stabe -  Feldkulchen, Kraftfahrer
Fiustern. Raunen. Der General setzt den Kneifer auf und blickt arg-
wohnisch aus der Nische. tVberall Lauscher. Wenn der Feind das erfuhre-!
,,Eineinhalb Miilionen amerikanischer Truppen -"
Plotzlich zieht der General die Uhr und erhebt sich rasch. Seine Hande
sind eisig kalt. Er schwankt beim Hinausgehen.
Und die graue Limousine rast durch die gliuhenden Stral3en: Sitzungen,
Konferenzen .,,
FRIEDHELM KEMP
1915 In K8l1n geboren, gehbrte zu den  helm Kemp die Tagebticher von Baude-
Aktivisten der ,,Freiheit-Aktion Bayern".  laire unter dem Titel ,,Das
entblitte Herz'
Er hat zwolf Jahre lang nichts publiziert;  tibersetzt. Aus der bei Desch
in Minchen
vor 1933 erschienen Ubersetzungen und  erschienenen Sammiung stammt das hier
eigene Gedichte. Neuerdings hat Fried-  abgedruckte Gedicht ,,DE PROFUNDIS":
Herr des Scbreckens, Herr der Not,
unserm lobvergelnen Munde
gib auch heut dein tdglich Brot,
dieses Graun der letzten Stunde
tdglich uberm Land!
Herr des Todes, deine Hand
richte gnadig uns zugrundel
Keine Glocken - Herr, dein Rufen
heult in unser schlalend Herz;
uber tausend Hollenstuten
stout dein Grimm uns niederwdrts.
Herr auch der lebendig Toten,
weckend schleudern deine Boten
Blitze, Fackeln, Fels und Erz.
Keiner hort der Tiefe Jammer
hoch im gellenden Gewolk -
Brich doch, Grab, du dumpfe Kammerl
Mauern, brecht! Zerbrich, Gebdlkl
Wolle, Herr, ein Ende machenl
Uns die Schonen, uns die Schwachen,
grauen Lachelns, tranenwelk,
uns in Kraft und Herrlichkeit,
uns mit lauten Namen -
senke in den Staub der Zelt
diesen bittren Samenl
Gram und Asche; immer blieb
doch die Liebe, Herr, vergib
allen, die vergcben! Amren.


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