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The History Collection

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Drews, Richard; Kantorowicz, Alfred, 1899- (ed.) / Verboten and verbrannt, deutsche Literatur 12 Jahre unterdr├╝ckt
([1947])

Wolfgang Hellmert,   p. 62 PDF (228.1 KB)


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WALTER HASENCLEVER
1890 in Aachen geboren, begann mit einem
Band Lyrik, der 1913 erschien (,,Der
Jtingling"). Er wandte sich spater dem
dramatischen Schaffen zu und errang un-
bestrittenen Erfoig mit ,Napoleon greift
ein" und ,Ehen werden im Himmel ge-
schlossen". Hasenclever stand auf der
ersten Liste der von den Nazis verfemten
Literatur. Er lebte bereits 1933 in Frank-
reich und kam bei Kriegsausbruch in ein
franzbsisches  Internierungslager.  Dort
beging er beim Anrilcken der deutschen
Truppen Selbstmord, obgleich er noch die
Mioglichkeit zur Flucht gehabt hatte. -
Unter seinen frilhen Versen ist das Ge-
dicht .,DER  P&LITISCHI-    DICHTER":
Der Dlchter trdumt nicht mehr In blauen Buchten
Er sieht aus Hofen helle Schwdrme reiten.
Sein Fud b('deckt die Leichen der Verruchten.
Sein Haupt erhebt sich, Volker zu begleiten.
Er wfrd ihr Fdhrer sein. Er wird verkunden.
Die Flamme seines Wortes wird Musik.
Er wird den groi~en Bund der Staaten grunden.
Das Recht des Menschenturns. Die'Republik.
Kongresse bluhn. Nationen sich beschwingen.
An welten Meeren werden Ufer wohnen.
Sie leben ntcht, einahder zu verschlingen:
Verbrudert ist ihr Herz in starren Zonen.
Nlcht Kriege werden die Gewalt vernichten.
Stellt Generale an auf Jahrmarktfesten.
Dem Frieden eine Stdtte zu errichten,
Ver8anmnelt sind die Edelsten und Besten.
Nicht mehr In Waffen slegt ein Volk, du weil3t es,
Denn keine Schlacht entscheidet seinen Lauf.
So steige mit der Krone deines Geistes,
Geliebte Schar, aus taubem Grabe aull
WOLFGANG UELL1YIERT
Geboren 1906 zu Berlin, anfangs Film-
statist und Schauspieler, gehlirte zu dem
Kreis um Klaus Mann; seine erste Er-
zahlpng ,,Fall Feme Holzdorf" erschien
bei Reclam; seine Rimbaud-Nachdichtung
konnte in Deutschland nicht mehr er-
scheinen. Er starb 1934 in Paris., In
seinem lyrischen NachlaB fand sich das
GEDICHT, das wir nach einem Artikel
Willi Fehses im ,Sonntag" zitieren und
das in seiner Ktlrze und Schlichtheit den
Lesenden besonders eindringlich berilhrt:
Herr, Mrir mein armes Ende
Gib diese Wunsche her:
Den Segen zweier Hdnde,
Die Ausfahrt an das Meer,
Die groBen Berge und Baurne,
Ein Leuchten detnes Gesichts,
Den Frieden mancher Trdume
Und etwas Schlaf. sonst ntchts.
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