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The History Collection

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Drews, Richard; Kantorowicz, Alfred, 1899- (ed.) / Verboten and verbrannt, deutsche Literatur 12 Jahre unterdr├╝ckt
([1947])

Jakob Haringer,   pp. 59-60 PDF (619.3 KB)


Page 59


ERNST HARDT
1i76 In Graudenz geboren, schon frilh
durch Gedichte und Prosa, aber vor allem
durch sein preisgekrontes Drama ,,Tan-
tris der Narr" bekanntgeworden. Von
1919-1924 Intendant des Weimarer Natio-
naltheaters, spater der Kdlner Schauspiel-
btihne und des Westdeutschen Rundfunks,
veftrat er unbeirrbar den Gedanken einer
Wahren deutschen Demokratie. 1933 seines
4
Amtes enthoben und spnter zeitweilng ter-
haftet, hat er den hetrbchenden Gea aiten
keine Zugestandnisse gemacht. Kurz vor
seinem Ableben (im Januar 1947) voll-
endete er einen Novellenband und die
Erzahlung ,,Don Hjalmar". - In einem
Insel-Almahach fanden sich die ver-
ehrungsvollen,  dem  ,,GEDENKEN    AN
JOSEF KAINZ' gewidmeten Verszeilen:
19in Dichter-Vagabund von der Art Peter
Hilles, lebte im Schweizer Exil. Von
seiner Lyrik sagte Hermann Hesse: ,,Ein
vereinsamter Dichter singt, ein Sonntags-
kind in einer Welt ohne Sonntage'. Und
hier mag Haringer in einem SELB13T.
BERICHT tiber sein einsames Leben und
Dichten einmal selber zu Worte kommen:
EJs sind nicht zehn Menschen In Deutschland und bsterreich, die ur nich
wissen. Wenn Ich heute ganz tot bin, werde ich sicher als einer der grol3ten
Dichter ,,gefeiert". Du lieber Himmel, was feiern die Deutschen nicht-alles!
Ich bekomme oft monatelang keinen Brief, keine Ansichtskarte. Meine Ein-
Samkeit wtirgt und steinigt mich jede Sekunde. Wenn ich doch einen schonen
Traum hatte. Ich liege im Spital. Betrachte die Tage hier mit, hilflosen
Kinder- und Greisenaugen, die grauen Wande des Zimmers und die grauen
Wolken des Himmels. In den Gangen schlirfen uralte Mannlein und Welb-
lein. Eln Handwerksbursche, der ein paar Tage bleiben darf, pfeift sich
ein Lied. Ich tnochte heulen wie ein Hund. Und das Leben k6nnte so
sch6n sein ...
Mein Leben war und ist das elnes jeden Menschen, der-Augen und ein
Herz hat. Man weiB, daB alles Schone verganglich ist, das Leid aber und
der Kummer bleiben - und die Sehnsucht verbrennt tins. Was mich freut,
Nie wieder werdet Ihr die strahlende
Fanfare seiner Stimme horen, niemals
Das Flammen seines Blicks, erinnert euch,
Des reichen dunklen klugen Auges Feuer,
Niemals, ihr Freunde, wiedergehn, noch seine
Adelig hagern Leibes, der schroffen Glieder
Blitzenden Flug nachzucken, starr, in neidisch
Lautschenden Muskeln. - Freunde, niemals wieder
Gesteht es doth: die wir Ihn grerlzenlos
Bewunderten, wir liebten ihn noch mehr
Mit einem stumnmen Taumel Idcheinden
Entzuckens, wie man Tanz und Spiele liebt,
An Kindern Jubel, Trdnen, Eigensinn
Und junger edler Pferde hochgebdumten Trotz,
Denn was uns Wunder dunkte an dem Mann,
Nennt es die wilde heilgste Musik
Des Seins: des roten Blutes niemals milde
Aufjauchzende Lebendigkelt.
JAKOIJ UIIARINGER


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