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The History Collection

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Drews, Richard; Kantorowicz, Alfred, 1899- (ed.) / Verboten and verbrannt, deutsche Literatur 12 Jahre unterdr├╝ckt
([1947])

Sebastian Grill,   p. 54 PDF (245.4 KB)


Page 54


SEBASTIAN GRILL
1914 in Liegnitz geboren, ver6ffentlichte
1938 einen Roman, der kurz nach dem
Erscheinen verboten wurde, und schrieb
eine Reihe von Erzahlungen und Gedich-
ten, die nicht publiziert werden durften.
1934 gehorte Grill zu den Grtindern und
Aktivisten der illegalen Widerstands-
gruppe der MUnchener Universitgt. Von
den in den Jahren 194211944 entstandenen
Gedichten (jetzt in der Anthologie ,,De
Profundis" im Kurt Desch Verlag in MUn-
chen zum ersten Male veroffentlicht)
bringen wir hier als Probe das Gedicht:
,,D1E KEINEN NUN VERSCHONEN":
Die keinen nun verschonen,
Nicht Kirche, Haus und Baum,
Es wohnten die Ddmonen
In euerm eignen Traum.
Heller als alle Kerzen
Glfllite der Fackeln Pracht.
Wie rauschten eure Herzen
Im schwarzen Glanz der Macht,
Die unter kulhlen Scherzen
Herzen und Tod verlachtl
Nun hat zu tausend Schmerzen
Der Tod die Kerzen entfacht.
Erst, wenn die Herzen gewogen,
Welst fiber Qua] und Gericht
Der siebenfarbige Bogen
Onade eueh wieder und Licht.
Am Ende aus Tod und Trummern
Aus Schmerzen und eisigem Hauch
Steigt Gott wie das erste Schimmern
Des Sterns vor verwehendem Rauch.
OSKAR MAIRIA GRAF
1894 In Berg am Starnberger See geboron,
Bauernsohn und Bickergeselle, Sozialist
und Antimilitarist: schrieb vor 1933 ,,Wir
8ind Gefangene", ein Bekenntnisbuch aus
den Tagen der Miinchener Rateregierung,
die ,,Chronik von Flechting", ,,Kalender-
geschichten" und ging berelts vor 1933
nach Wien. Sein in Brilnn begonnenes, In
New York vollendetes, 90C Seiten umfas-
sendes. Buch ,Das Leben meiner Mutter'
erschien vor kurzem im Kurt Desch Ver-
lag in M(Inchen, Graf gehorte der Re-
daktion der Zeitschrift ,,Neue Deutsche
Blltter" anp die von emigrierten deutschen
Schriftstellern in Prag gegrtndet wurde.
Aus dem im Kurt Desch Verlag, Mtln-
chen, erschienenen Werk ,,DAS LEBEN
MEINER MUTTER" hier ein Abschnitt:
Es war ein frtiher Januar-Vormittag. Starr ragten die Hauswande empor.
Auf den vorspringenden Dachern der altmodischen Erker und Verzierungen
lag der angeschwarzte, gefrorene Schnee.
Unruhig wie Tausende gingen meine Frau und ich durch die Stralen.
Die Sonne hatte sich endlich aus dem dunstigen Himmel geschailt. Klar und
warm fiel sie in die tiefen Ha.userschachte. Von den Dachern tropfte der
nunmehr zergehende, schmutzige Schnee. Merkwfirdig verstunimte Menschen-
gruppen sammelten sich vor den gelb leuchtenden Telegrammn-Anschlagen.


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