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The German Studies Collection

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Bahr, Gisela E. (ed.) / Communications from the International Brecht Society
Vol. II No. 2 (March, 1973)

Olsson, Jan E.
[Report: Eindrücke, cont'd from page 3],   pp. 5-6 PDF (821.9 KB)


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(cont'd from page 5)
Verfasser argumentiert f£r eine sehr weitgehende Ausnutzung
der Brechtschen Dramaturgie und Brechtscher Arbeitsmethoden
durch das vietnamesische Theater, erstens bei der Befestigung
der wiederbelebten Tradition einheimischer Theaterformen, zwei-
tens zur L6sung methodischer und struktureller Probleme, die
sich in der Gegenwart gestellt haben, drittens, um das Instru-
ment zu schaffen, mit dem die aktuellen und zukinftigen Auf-
gaben des vietnamesischen Theaters gelbst werden kinnen. Um den
Hintergrund fUr seinen Standpunkt zu geben, schildert Dinh Quang
die Geschichte des vietnamesischen Theaters von dem - teilweise
umstrittenen - Ursprung bis in die jingste Vergangenheit. Er
widerlegt die These, daB das vietnamesische Theater aus China
importiert sei, und wendet sich auch gegen diejenige Geschichts-
schreibung, die den Anfang der Theaterkunst Vietnams mit dem Auf-
treten der 9ltesten Uberlieferten Spieltexte verwechselt. Er
charakterisiert die verschiedenen Gattungen des Theaters in Viet.
nam und erklhrt ihre unterachiedliche gesellschaftliche Bezogen-
heit und ihre jeweilige historisch-politische Rolle. Dieser Teil
der Arbeit besitzt Uber den Rahmen seiner Funktion in der vor-
liegenden Argumentation hinaus groBes selbst~ndiges Interesse.
Ein Gastspiel der Stdtischen Theater Karl-Marx-Stadt mit
"Der gute Mensch von Sezuan" brachte den auslandischen Gasten
die willkommene Begegnung mit einem DDR-Provinztheater in Kon-
frontation mit Brecht. Der Eindruck war sehr sympathisch; bei
weitgehendem Verzicht auf asthetisches Raffinement berlieferte
die Auffihrung dem Zuschauer in sehr direkter Weise die Aussage
des Sticks. Die Drehpunkte der Fabel waren sehr klar und deut-
lich heruasgearbeitet.
Das Gastspiel des Piccolo Teatro aus Mailand mit der "Drei-
groschenoper" wurde wegen Erkrankung des Hauptdarstellers abge-
sagt. Als einzige auslhndische Gasttruppe trat "Fiolteatret" aus
Kopenhagen mit seiner erfolgreichen Inszenierung der "Mutter"
auf. Die politisch engagierte Truppe aus einem Mrmlichen Wohn-
viertel in Kopenhagen arbeitete mit anderen darstellerischen
Mitteln als diejenigen, die man tags zuvor in einer auferordent-
lich lehrreichen Verfilmung der Berliner Ensemble-Auffiihrung des
StUcks hatte studieren kinnen, aber iberzeugte durch die Konse-
quenz und Geschlossenheit der Konzeption und nicht zuletzt durch
die diszipliniert kraftvolle Darbietung der Lieder, mehrmals
mit Szenenapplaus begriBt.
Am letzten Tag der Brechtwoche fhrten DDR-Dramatiker ein
Podiumsgesprhch Uber die Bedeutung Brechtscher Kategorien,
Postulate und Sticktypen fUr ihre Arbeit mit heutigen Aufgaben.
Die Art, in der sie sich diesen Fragen n~herten, unterstrich
noch einmal die Haltung dieser Brechtwoche mit ihrer Konzen-
tration auf ein produktives Verh*ltnis zu Brechts Werk und
ihrer ungezwungenen Verbindlichkeit gegeniber seinem Ver-
machtnis.
Glumslbv, Schweden


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