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The German Studies Collection

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Silberman, Marc, et al. (ed.) / Essays on Brecht = Versuche über Brecht
(1990)

Hennenberg, Fritz
Bruinier und Brecht: Nachrichten über den ersten Brecht-Komponisten,   pp. [1]-[44]


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Bruinier und Brecht: 
Nachrichten tiber den ersten Brecht-Komponisten 
Fritz Hennenberg 
        Gewig ist sonderbar, dag Brecht den ersten professionellen 
Musiker, bei dem er Beistand suchte, Franz Servatius Bruinier (1905- 
1928), nie selber erwahnt hat. Er scheint ihn zunachst vor allem zur 
Formulierung eigener musikalischer Einftlle ben6tigt zu haben. 
Sonderbar auch, dafS die Ergebnisse der Konsultationen gar nicht-- 
oder lediglich anonym-publik wurden. Immerhin hielt Brecht die 
Notenblitter fuir so wertvoll, dait er sie getreu durch die Jahre 
verwahrte; sie tauchten in seinem NachlaO auf. Dafg Bruinier so 
schnell aus Brechts Gesichtskreis geriet, liegt an der nur kurzen und 
sporadischen Zusammenarbeit, die Ende 1925 begann und schon 
Mitte 1927 endete; uberdies war Brecht im Mirz 1927 Kurt Weill 
begegnet, der ihm, seinem Talent, aber auch der schon erworbenen 
Geltung nach, geeigneter erscheinen mochte. Hinzu kam, da1t 
Bruinier mit Beginn der Saison 1927/28 Berlin verlieg und als 
Kapellmeister nach Holland ging. Am 31. Juli 1928 ist er, erst 
dreiundzwanzig Jahre alt, an Tuberkulose verstorben. Der Brecht- 
Forschung war er bis in die Mitte der siebziger Jahre hinein 
unbekannt. 
        Die im Nachlafg Brechts tiberkommenen Bruinierschen 
Manuskripte sind in dem      1973 erschienenen 4. Band des 
Bestandsverzeichnisses registriert.' Im April/Mai 1976 hat der 
Verfasser auf einer Vortragstournee in den USA erstmals dartiber 
berichtet.2 Er referierte uber die Zusammenarbeit von Brecht und 
Bruinier in der Zeitschrift notate des Brecht-Zentrums der DDR,3am 
7. Januar 1982 wurden dort in einer Soiree alle von Bruinier 
uiberlieferten Brecht-Vertonungen vorgestellt.4 Im Groflen Brecht- 
Liederbuch (1984) ist eine Auswahl der Lieder im Druck erschienen.5 
        Das Gedicht als Lied wuchs bei Brecht zwanglos aus den 
Augsburger Gcselligkeiten mit seinen Freunden heraus. Fast immer 
waren Gesang und Klampfe mit dabei. Das hatte hier auch seine 
lokale Tradition. Andererseits kamen vom Kabarett her, das sich 
nicht nur in Berlin, sondern auch in Mnfichen gute Positionen 
geschaffen hatte, kriftige Anst6ge. Brecht besag die relevanten 
Coupletsammlungen, auch solche mit Noten, in seiner Augsburger 
Bibliothek.6 Frank Wedekind mit seinen Liedern zur Laute war das 


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