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The German Studies Collection

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Brecht-Jahrbuch 1975
(1975)

Ohlson, Monica
Galilei in Schweden,   pp. 164-[167]


Page 164

 
Monica Ohlson (Stockholm) 
Galilei in Schweden 
Am 14. Dezember 1974 hatte im Stockholmer Dramaten, der 
schwedischen Nationalbiihne, Brechts Leben des Galilei Pre- 
miere. Fast auf den Tag genau 35 Jahre vorher war dieses 
Stick dem gleichen Theater zur Auffiihrung angeboten - und 
abgelehnt worden. Die Regie lag in den Hinden von Alf 
Sj6berg, der bereits den Schweyk im Zweiten Weltkrieg, die 
Mutter Courage, den Puntila/Matti, den Hofmeister und die 
Dreigroschenoper inszeniert hatte und als der Brecht-Regis- 
seur Schwedens gilt. Ihm standen einige der besten Schauspie- 
ler des Landes zur Verfiigung, unter anderem Toivo Pawlo, 
der 1966 in einer Gastinszenierung von Peter Palitzsch mit 
grofgem Erfolg den Arturo Ui gespielt hatte. Die Erwartungen 
waren folglich hochgespannt. Hinzu kam, dafg Sj6berg schon 
vor der Premiere in Zeitungsinterviews und der Programm- 
zeitschrift des Dramaten erklirt hatte, datl er die Auffiihrung 
als einen Beitrag zur aktuellen Atomkraft'Debatte in Schwe- 
den verstiinde. Das Stuck behandle den Verrat eines Wissen- 
schaftlers an der Menschheit. Erst wenn die Forscher den 
Ernst der Lage wirklich begriffen und sich einer falschen 
Entwicklung in den Weg stellten, behauptete Sj6berg, k6nne 
die Naturwissenschaft wieder das Vertrauen der Bev6lkerung 
zuriickgewinnen und ihre urspriinglich positive Bedeutung 
wiedererlangen. Um diese These noch klarer hervortreten zu 
lassen, ergriff das Theater sogar die Initiative zu einer Ausstel- 
lung unter dem Titel Die Macht und die Wahrheit, die in 
Zusammenarbeit mit dem Atomforscher und Nobelpreistrii- 
ger Hannes Alfven arrangiert wurde. Das Publikum war also 
uiber die Absichten Sjdbergs im voraus sehr gut unterrichtet. 
Es blieb allerdings noch abzuwarten, ob das Stiick tatsa-chlich 
die erwiinschte Wirkung erzielen wuirde. 
  Wie aus den Rezensionen fast ausnahmslos hervorgeht, emp- 
  fand man die Inszenierung als sehr gelungen. Man nannte sie 
  ,lehrreicho, ,sch6no, ,grofles Theatero, ja ,ergreifend«. Doch 
  fast alle Kritiker waren sich darin einig, dalt der Erfolg zum 
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